Folge 6 · Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden, aber die CO2-Reduktion läuft so semi-gut. Wir schauen uns an, wie viel 2025 tatsächlich eingespart wurde. Außerdem jährt sich der EU-Türkei-Deal zum zehnten Mal. Was bleibt davon?
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Worum es geht
Jedes Jahr am 15. März legt das Umweltbundesamt die CO2-Bilanz für das Vorjahr vor. Diesmal lautet das Ergebnis: minus 0,1 Prozent. Ein verlorenes Jahr für den Klimaschutz also. Gesunken sind die Emissionen nur, weil die Wirtschaft schwächelt – in Verkehr- und Gebäude-Sektor sind sie sogar gestiegen. Bleiben 19 Jahre bis zur angepeilten Klimaneutralität, die sich die Bundesregierung vorgenommen hat. Statt über Wärmepumpen und Netzausbau wird derweil aber lieber über Kernfusion und Mini-Atomkraftwerke geredet.
Darüber hinaus wird der EU-Türkei-Deal zehn Jahre alt. Viele Milliarden Euro für geschlossene Fluchtrouten, dazu das Versprechen auf Beitrittsgespräche und eine Zollunion für die Türkei – doch daraus wurde nichts. Geblieben sind Lager wie Moria, in dem 2016 doppelt so viele Menschen lebten wie vorgesehen. Christoph war damals dort und erzählt davon. Und schon in den ersten beiden Monaten 2026 sind 600 Menschen im Mittelmeer gestorben, so viele wie noch nie. Trotzdem soll das neue EU-Asylsystem GEAS Verfahren in Drittstaaten ermöglichen. Wir werfen einen Blick drauf, ob das funktionieren kann.
Diese Fragen stellen wir
- Wie viel CO2 hat Deutschland 2025 eingespart?
- Warum steigen die Emissionen bei Verkehr und Gebäuden, statt zu sinken?
- Was kostet es, wenn Deutschland sein EU-Klimaziel verfehlt?
- Lösen Kernfusion und Mini-Atomkraftwerke das Problem?
- Was ist nach zehn Jahren vom EU-Türkei-Deal übrig?
- Warum hält die EU trotzdem an Asylverfahren in Drittstaaten fest?
Kapitel
- 00:51 – Die CO2-Bilanz 2025: minus 0,1 Prozent
- 02:28 – Verkehr und Gebäude: Emissionen steigen immer weiter
- 05:49 – Wer ist verantwortlich? Und was passieren müsste
- 12:41 – CO2-Preis, soziale Gerechtigkeit, Klimageld
- 18:23 – Söder will Kernfusion
- 26:20 – 10 Jahre EU-Türkei-Deal: was damals vereinbart wurde
- 30:13 – Moria: Was Christoph 2016 auf Lesbos erlebt hat
- 37:53 – GEAS, Ruanda-Modell und Return Hubs
- 47:35 – Cringe der Woche
Relevante Quellen
- Emissionsdaten 2025 Umweltbundesamt https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#emissionsentwicklung
- EU-Lastenteilungsverordnung https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/qanda_23_4757
- Markus Söder will Kernfusion in Bayern https://www.br.de/nachrichten/bayern/kernfusion-wenn-bayern-die-sonne-zuendet-der-grosse-plan,VCKpTzE
- Zehn Jahre EU-Türkei-Deal – Mediendienst Integration https://mediendienst-integration.de/news/10-jahre-eu-tuerkei-deal/
- Seeking refuge in Lesvos – Reportage von Christoph Donauer und Martin Choi aus Lesbos (2016) https://express.adobe.com/page/XQFClBC9MBfuk/
Automatisches Transkript dieser Folge
00:00 Kontext und Krawall der Politik-Podcast mit Marie und Christoph. Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe. Kontext und Krawall der Politik-Podcast mit uns, Christoph und Marie. Ja, schön, dass ihr da seid. Genau schön, dass ihr da seid. Heute sprechen wir über den deutschen CO2-Ausstoß und die neuen Daten dazu vom Umweltbundesamt und wir schauen auf 10 Jahre EU, Türkei, Deal und was das für das heutige Asylsystem bedeutet und am Ende der Folge gibt es noch unseren Cringe der Woche. Dann fange ich mal mit dem ersten Thema an. Ich habe mich ja in meiner journalistischen Arbeit so ein bisschen ins Thema Klimaschutz reingenerdet und der 15.
00:51 März ist da bei mir immer dick im Kalender angestrichen, warum? Weil da jedes Jahr das Umweltbundesamt die neuen Daten zum CO2-Ausstoß vorlegt für das Jahr davor also. Ein schwarzer Tag genau im Leben von Christoph Donauer. Nein, ein fantastischer Tag, weil da natürlich ganz viele Daten rauskommen und man sich da mit ausgiebig befassen kann. Genau. Und das ganze schreibt das Klimaschutzgesetz vor und wir schauen mal rein, würde ich sagen und das ja die kalten, harten Fakten sagen, der CO2-Ausstoß ist im letzten Jahr quasi so gut wie gar nicht gesunken, in Zahlen ist der CO2-Ausstoß in Deutschland letztes Jahr um knapp eine Million Tonnen CO2 gesunken, prozentual ausgedrückt um 0,1%. Und mit anderen Worten, Das war n verlorenes Jahr für den Klimaschutz und noch mal zur Erinnerung bis 2045 möchte Deutschland klimaneutral sein, also netto null erreichen, gar kein CO2 mehr ausstoßen und das ist in 19 Jahren also schon ziemlich bald und wenn man es vergleicht immer mit dem Jahr 1990, dann haben wir zwar eine Reduktion um 48 Prozent geschafft, aber wie gesagt, im letzten Jahr ist quasi nichts passiert. Ja und woran liegt es also, der das Umweltbundesamt ordnet die Zahlen natürlich immer ein, weil die sich sehr viele Daten dazu anschauen, im Grunde kann man sagen bei der Energieerzeugung, also bei unserem Strom hat sich fast nichts verändert, die CO2-Emissionen waren zwar niedriger wegen der schwachen Wirtschaft, aber es wurde etwas mehr Gas und Kohle verbrannt und deswegen hat sich das quasi ausgeglichen.
02:28 In der Industrie gab es auch weniger Emissionen, auch wegen der schwachen Wirtschaft. Und das muss man sich eben einfach klarmachen, dass es kein nachhaltiger Effekt ist, sondern sofort wieder anzieht, wenn die Wirtschaft wieder anzieht. In der Landwirtschaft hat sich quasi nichts verändert. Und wir kommen mal wieder zu unseren Lieblingssektoren Verkehr und Gebäude. Da sind die Emissionen gestiegen, und zwar in beiden Bereichen 2 Millionen Tonnen mehr aus dem Verkehr und 3,4 Millionen Tonnen mehr aus dem Gebäudesektor. Warum steigen? Warum steigt der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor? Es wurden ja zum Beispiel viel mehr E-Autos zugelassen – falls ihr die Folge noch nicht gehört habt: Da habe ich mich granatenmäßig verschätzt.
03:11 Mehr E-Autos zugelassen ja, warum mehr Ausstoß im Verkehrssektor? Das ist eine gute Frage, die sich nicht ganz so einfach beantworten lässt. Also ja, der, der je höher der Anteil ist an E-Autos, desto eher müsste das in Zukunft auch sinken. Und das ist auch so. Das Problem ist aber, dass seit Jahren immer mehr Auto gefahren wird und immer mehr Sprit gebraucht wird für immer größere und schwerere Autos und das verhagelt so ein bisschen die Bilanz seit Jahren eigentlich schon. Der Umstieg geht einfach zu langsam und vielleicht muss man dazu auch wissen. Ein Großteil der CO2-Emissionen im Verkehrssektor kommt wirklich aus dem Straßenverkehr, also ein ganz beträchtlicher Anteil ist einfach der fossile Sprit der verbrannt wird und ein sehr geringer Anteil sind zum Beispiel Schifffahrt, Luftverkehr im Inland. Also da ist ganz klar, dass es daran liegt, zu viele Autos, zu schwere Autos und es wird zu viel gefahren. Aber was ihr weitermachen könnt, ist easy von Stuttgart nach Berlin fliegen.
04:10 Ja, genau, keine Sorge an der Stelle. Also das das ist quasi egal. Genau wenn man es noch mal ein bisschen bisschen auf einen Nenner bringt in der Energieerzeugung, die Nachfrage nach Strom ist gesunken, aber mehr Erdgas und Kohle im Industriebereich ist vor allem die schwache Wirtschaftslage. Zum Beispiel auch weniger Stahlproduktion. Im Gebäudesektor wurde mehr geheizt, weil der Winter diesmal doch eher ein bisschen kälter war, vor allem mit Gas, da gab es ein Plus von 8%, das ist natürlich fürs Klima schlecht, Verkehrssektor haben wir gerade schon gesagt und in der Landwirtschaft gab es einen langen Trend dazu, dass es weniger Schweine und Rinder gab, die für einen Großteil der Emissionen verantwortlich sind, gibt es jetzt auch wieder mehr, außerdem wurde mehr mit mineralischem Dünger. Gedüngt.
04:53 Wer hat noch mal den Satz gesagt, dürfen Kühe bald nicht mehr in Deutschland leben? – Weiß ich gar nicht. – Da habe ich sehr gelacht. Müssen wir Kühe bald auch ins Asylsystem aufnehmen? Ich bin. Für ich bin für Asylverfahren in Drittstaaten genau sehr schön. Genau. Und was so getan werden muss für den Klimaschutz, kann man quasi aus dem Umkehrschluss herausziehen. Zu allem, was das UBA auflistet, was negativ sich ausgewirkt hat. Also es bräuchte mehr Strom aus erneuerbaren Energien, weniger Kohle und Gas, es bräuchte in der Industrie vor allem klimaneutrale Prozesse mit grünem Wasserstoff, zum Beispiel, in dem im Gebäudesektor bräuchte es mehr Wärmepumpen, Solarthermie und energetische Sanierung und. Und im Verkehr vor allem mehr Elektroautos. Umstieg auf Bus und Bahn, Radwege in der Landwirtschaft, weniger Dünger und eben weniger Tiere, die Emissionen verursachen.
05:49 Und außerdem bräuchte es mehr Aufforstung, was in den letzten Jahren schon begonnen wurde, aber damit der Wald quasi das CO2 auch speichert, ja, das sind die harten Fakten zum Klimaschutz, eigentlich ein verlorenes Jahr, was was denken wir darüber? Ja, was denken wir darüber? Ich gebe mal eine Frage zurück. Vielleicht fragt sich das jetzt der ein oder andere, wer ist denn jetzt daran in Anführungszeichen schuld, weil politische Akteure da zeigt ja immer gerne der eine auf den anderen sagt, ja, aber wir können nicht das oder die Wirtschaft braucht, das ist da jetzt die Ampelkoalition für verantwortlich ist, da die aktuelle Regierung für verantwortlich ist, da die Wirtschaft für, also ich denke du weißt was ich meine, ja.
06:31 Das Problem ist, niemand kann ja n schwaches Wirtschaftswachstum wollen. Das haben wir in der 2. Folge schon besprochen? Jede Bundesregierung wird versuchen das wieder anzukurbeln und auch die aktuelle versucht es ja ganz vehement, das heißt, dass die Bilanz so in Anführungszeichen noch positiv ausgefallen ist, liegt überhaupt erst nur an der schwachen Wirtschaftslage, wenn das anders wär, dann hätten wir jetzt steigende Emissionen und das wär natürlich überhaupt nicht gut. Man kann natürlich sagen, die Ampelkoalition hat da schon einiges auf den Weg gebracht, um den um den Ausbau der erneuerbaren Energien einfach zu beschleunigen. Ja, da ist viel passiert, auch Windkraft war ganz wichtig im vergangenen Jahr, und die aktuelle Regierung hatte jetzt noch nicht so viel Zeit, um da die großen Weichen zu stellen, sag ich mal.
07:18 Da ist ein Jahr natürlich noch nicht so lange, weil die erst seit Mai 2025 im im Amt sind. Ich sag mal so, es würde jetzt darauf ankommen, was in den nächsten Jahren passiert, weil am 25. März kommt ja das Klimaschutz-Sofortprogramm, da haben wir auch schon drüber gesprochen, dass das wenig ambitioniert ausfällt und der Umweltminister Carsten Schneider hat auch gesagt, die Fortschritte gehen zu langsam. Er hat sich natürlich auf die ganzen Erfolge, die zwar auch genannt wurden, bezogen, zum Beispiel, es wurden mehr Wärmepumpen verkauft, der Absatz von E-Autos ist schon gestiegen und er macht auch ne gestiegene Akzeptanz für Klimaschutztechnologien aus.
07:54 Also ja, er hat gesagt, das macht Hoffnung, dass die Fortschritte in den nächsten Jahren wieder größer werden. Es wäre halt sein Job, dafür zu sorgen, dass die Fortschritte größer. Prinzip Hoffnung finde ich jetzt auch ein bisschen wenig so, weil also wer will nicht er. Also genau ist ja irgendwie You had one job und dann zu sagen, Na ja gut, da hat er doch jetzt auch mal ein bisschen Hoffnung, das finde ich reicht irgendwie nicht, ich finde wenn man da so auf die nächsten Jahre guckt, dann kann man da. Also zumindest nicht euphorisch optimistisch sein. Und das finde ich einfach bitter, weil ja, da kann man jetzt auch viele Argumente noch mal aufzählen, die ihr bestimmt auch alle schon mal gehört habt, aber es müsste einfach viel schneller viel mehr passieren im Klimaschutz und da kann man auch nur noch mal wiederholen, Klimaschutz beziehungsweise Klimaneutralität und vor allem auch klimafreundliche Wirtschaft oder die Wirtschaft schnell auf Klimafreundlichkeit umzurüsten ist einfach eine zukunftsorientierte Investition oder ein Weg in die Zukunft und es könnte eigentlich nicht aktueller sein als jetzt, gerade weil du hast es vorhin gesagt, im vergangenen Winter wurde mehr geheizt, weil der Winter kälter war, was jetzt nicht daran liegt, dass es keinen Klimawandel gibt, aber wir haben mehr Gas gebraucht, das bedeutet, wir sind abhängig von fossilen Energien, jetzt haben wir aktuell den Krieg im Iran, der ich glaube so schnell nicht zu Ende sein wird, und wenn er jetzt nicht in den. Nächsten Wochen beigelegt wird, dann wird es unsere Energieversorgung im kommenden Winter betreffen. Das wird die Energiepreise betreffen, das bedeutet, das wird uns alle oder nicht uns alle, aber auf jeden Fall die, die mit Gas heizen, und es hat ja auch nicht, ich sag mal, jede Einzelperson in der Hand, wenn man in Mietwohnungen oder Mietshäusern lebt, das heißt, es wird uns treffen und es führt uns dann nur noch mal vor Augen, wir müssen da einfach unabhängiger werden.
09:48 Das ist dann reiner Eigennutz. Das war jetzt stark auf Energie gedreht, aber ein Beispiel dafür würde ich sagen. Vor allem ist das Problem natürlich ein langfristiges. Man liest schon sehr deutlich aus der Stellungnahme des Umweltbundesamts, dass man das Ziel 2030 jetzt zwar irgendwie noch eventuell erreichen könnte, aber ja wie du sagst, die Klimaneutralität ist ja das große Ziel im Jahr 2045. Das ist jetzt auch nicht mehr so lange hin und da muss noch einiges passieren. Ein neuer Schub, wie der Umweltminister sagt, und was besonders negativ auffällt, ist, dass es ja auch noch die EU-Lastenteilungsverordnung gibt, also da hat die EU, so sage ich mal, sonderziele gemacht für einzelne Sektoren, und da schießt Deutschland mal ganz locker drüber mit 255 Millionen Tonnen mehr CO2 als erlaubt, bis im Jahr 2030.
10:40 Für jede einzelne dieser Tonnen müssen wir dann Zertifikate aus anderen EU Ländern kaufen. Und ich hab mal nachgerechnet, bei dem CO2-Preis wie wir ihn aktuell haben 65 Euro die Tonne ungefähr jetzt mal an den Maximalwert rangegangen. Wären das 16,5 Milliarden Euro. Aber da würde ich schon gern mal gegenfragen, weil das hört sich jetzt, glaube ich so für den Otto Normalverbraucher super trocken und ich sag mal nach unnötigen Kosten an, weil da könnte man jetzt genau das sind aber unnötige Kosten, die man auf zweierlei Weise argumentieren könnte, auf der einen Seite könnte man sagen, OK, das sind unnötige Kosten, weil hätte man dieses Ziel nicht verfehlt, müsste man das nicht zahlen, was super wäre, weil das dann auch gut für den Klimaschutz wäre, aber könnte man nicht auch sagen, ja OK. Toll, jetzt haben wir das Ziel verfehlt, jetzt müssen wir das Geld zahlen.
11:26 Aber wofür? Dem Klimaschutz bringt es ja nichts mehr, also weißt du, das CO2 wurde ja schon ausgestoßen, es ist ja schon sozusagen das Kind ist ja schon in den Brunnen gefallen. Das ist einfach der Versuch, dass man einen marktwirtschaftlichen Ansatz für den Klimaschutz nimmt. Ne man sagt CO2 ausstoßen ist schlecht und belegt es mit einem Preis und es gibt halt ein geringer werdendes Angebot an Zertifikaten, ja. Deswegen genau also Deutschland wird schon bestraft dafür, dass es zu viel CO2 ausgestoßen hat, aber das Geld geht ja für andere Zertifikate aus anderen Ländern drauf, also dieses CO2, was wir zu viel ausgestoßen haben und uns durch Zertifikate einkaufen müssen, haben andere Länder ja nicht ausgestoßen und die machen mit dem Geld dann wieder Klimaschutz. Was ich mich bei diesen marktwirtschaftlichen Instrumenten also immer frag oder grundsätzlich den Klimaschutz mehr über den Markt zu regeln, was vielleicht nicht die dümmste Idee ist, aber ich frag mich. Kann das funktionieren, wenn im Prinzip so oft der Preis in Kauf genommen wird von Sanktionen, von Strafzahlungen und es bringt ja dem Klima nichts, es bringt nichts, wenn da Gelder und Strafzahlungen hin und hergeschoben wurden, wenn das die Konsequenz für nicht geleisteten Klimaschutz ist. Oder bin ich da auf dem falschen Weg? Doch absolut.
12:41 Also es müsste immer das erste Ziel sein, CO2-Emissionen zu reduzieren. Das ist der größte Nutzen fürs Klima, da hast du völlig recht. Also die Drohkulisse ist sage ich mal noch nicht hoch genug, das ist eh ein Problem vom CO2-Preis ja tankt irgendjemand weniger weil der Sprit jetzt teurer geworden ist durch den CO2-Preis nee, dazu war der Effekt einfach bisher viel zu gering und die Preise müssten in den nächsten Jahren enorm steigen. Wir sehen es jetzt zum Beispiel durch. Ja, ne völlig andere Krise im Iran und eben nicht durch den CO2-Preis. Da kommen wir langsam eventuell an einen Punkt wo es dann weh tut, aber. Es gibt da einfach genug Leute, die aufs Auto angewiesen sind. Nicht eben nicht sagen können, ich, ich tanke jetzt einfach weniger oder ich steige auf ein E-Auto um. Also da hast du immer das Problem, dass der CO2-Preis, wenn du nichts sonst machst, einfach sozial ungerecht. Ist genau da kommt man ja nämlich eben zu der nächsten Frage, und zwar das Klimaschutz und auch CO2. Einsparung sozial gerecht gestaltet werden muss, weil das ist glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt, weil natürlich hat ja auch ultra viel mit Akzeptanz zu tun, völlig verständlicherweise, wenn Leute aufs Auto angewiesen sind und sich jetzt vielleicht.
13:47 Vielleicht nicht mal von heute auf Morgen entscheiden können. Ach so, der Preis ist jetzt so teuer, ja dann kaufe ich mir jetzt ein neues E-Auto – so blöd, dass ich vorher nicht daran gedacht habe kein Problem für mich, das wird ja wohl den wenigsten so gehen und wenn man darauf angewiesen ist und der Preis steigt so massiv, dann trifft es im Prinzip die. Die es nicht so wirklich treffen sollte, weil die die Alternativen oder die Möglichkeiten vielleicht auch nicht gegeben sind. Genau dann hast du das Problem, dass nur die einsparen, die es sich leisten können, easy. Und deswegen wäre ja auch ein Klimageld so wichtig, weil du eben über dieses Instrument sagen könntest, guck mal.
14:22 Lange nicht gehört. Genau wird auch von der Regierung so ein bisschen totgeschwiegen. Die letzte Regierung hat es ewig verzögert, die neue Regierung müsste es unbedingt einführen, aber man hört gar nichts davon. Sag mal ganz kurz was das Klimageld ist. Also das Klimageld ist quasi eine. Erstattung des CO2-Preises egal wie du es jetzt machst, es gibt verschiedene Ideen. Im Prinzip ist eine der Ideen, alle Zahlen den CO2-Preis und alle bekommen das Gleiche zurück, dann hast du zum Beispiel den Effekt, dass Leute, die zum Beispiel einen besseren Lebensstil haben, ich sage jetzt einfach mal dicke Autos fahren, mehr Sprit verbrauchen, die zahlen mehr CO2-Preis, bekommen aber anteilig auch dasselbe raus wie jemand der zum Beispiel ein spritsparendes Auto fährt oder ein E-Auto so. Da gibt es jetzt auch verschiedene Ungleichgewichte, die man ausgleichen muss.
15:06 Man kann zum Beispiel sagen, dass Menschen mit geringerem Einkommen eher in schlechter gedämmten Häusern und Wohnungen leben und dadurch mehr heizen müssen, das ist zum Beispiel ein Problem, das heißt, du musst ein Klimageld immer irgendwie sozial ausstatten, das empfehlen auch eigentlich alle, die ein Klimageld fordern, sagen immer, das muss eine soziale Komponente haben, dass Menschen, die eben zum Beispiel nichts für ihren CO2-Ausstoß können oder weniger können, dann nicht benachteiligt werden. Aber so schaffst du halt eine Akzeptanz, dass du am Ende, wenn du einmal im Jahr zum Beispiel eine Zahlung bekommst, sagen kannst, hey, ich habe CO2-Preis gezahlt. Ich habe aber auch was dafür zurückbekommen und idealerweise nimmst du dann dieses Geld, zum Beispiel zum Beispiel für eine neue Heizung, für ein E-Auto, das ist jetzt nicht so viel, ja, also es ist mehr so ein symbolisches Ding, also es gibt jedenfalls ganz verschiedene Modelle wie du es ausgestalten kannst um einfach zu zeigen okay CO2 hat einen Preis und es lohnt sich zu sparen.
16:01 Und wie du sagst, das Geld muss dann natürlich auch in Klimaschutz gehen, gibt aber viele Probleme. Also der der KTF, also der Klima- und Transformationsfonds in den der CO2-Preis jetzt aktuell fließt, der wird für ganz andere Dinge genutzt. Also das Geld ist längst verplant, da könnte man gar kein Klimageld auszahlen. Na ja. Na ja, genau. Ich würde gerne noch eine Sache sagen. Ein riesen Punkt ist ja aktuell, also das haben wir jetzt sowohl alle mitbekommen, die Wirtschaft schwächelt, der geht es nicht so gut und in der Konsequenz ist der Klimaschutz sowohl im Wahlkampf als auch in Wahlprogrammen oder in Koalitionsverträgen einfach weiter nach hinten gerutscht.
16:40 Es hat einfach keine Priorität, weil einfach die Wirtschaft nach vorne gestellt wird und man sagt, Hey, das hat Prioritäten, da müssen wir uns jetzt. Drum kümmern und es geht zu Lasten des Klimaschutzes. Und das ist ne Argumentation, die ich nicht so richtig verstehe, weil das oder was n für mich n bisschen so n falsches Grundnarrativ ist, weil ich mir so denk. Das kann ich ja jetzt nicht getrennt voneinander betrachten. Also das eine ist doch vor allem, je mehr man in die Zukunft blickt, quasi untrennbar mit dem anderen verbunden. Also ich halte das für, ich finde das ein komisches Konzept und ich halte das für total für einen Fehler zu sagen, naja gut, jetzt aber erstmal die Wirtschaft und Klimaschutz können wir uns irgendwann anders darum kümmern, weil ich glaube, dass das einem auf die Füße fallen wird oder auch der Wirtschaft, oder wie siehst du das? Absolut.
17:26 Also ich. Ich glaube, es ist n großer Fehler. Klimaschäden werden einfach im Laufe der Zeit immer teurer werden, das ist jetzt schon absehbar. Ich erinnere mal nur ans Ahrtal, die Flutkatastrophe dort hat uns rund 30 Milliarden Euro gekostet, es gibt verschiedene Studien, die sagen, dass diese Kosten immer weiter steigen werden für das Beheben von Schäden, von Extremwetterereignissen und so weiter. Da wird man einfach künftig sehr viel Geld aufwenden müssen. Und günstiger wird es, wenn man dieses Geld schon vorher in Klimaschutz investiert und möglicherweise diese ganzen Sachen überhaupt erst gar nicht passieren. So ist es. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, gerade im Bereich Energie. Ganz genau, da gibt es kluge Vorschläge, wie man unabhängiger wird, ohne die Landschaft mit Windrädern vollzustellen – das ist ja eine Katastrophe. Revolutionäre Vorschläge, und Da müssen wir jetzt unbedingt mal kurz hin: revolutionäre Vorschläge.
18:23 Eigentlich hätte ich gerne Trommelwirbel. Können wir einen Trommelwirbel haben? Tja, leider fragen wir uns das selber. Ja wie du sagst, es gibt auch noch andere Ideen für den Klimaschutz, und zwar Kernfusion. Ja, genau, Kernfusion und ist, ich sag mal so. Kernfusion wenn wenn wir, wenn wir Kernfusion hätten, mega wäre es ultra geil, aber das Problem. Kleines Detail am Rande. Das Problem an der Diskussion ist die Debatte um Kernfusion wird eigentlich immer dann losgetreten, wenn nichts mehr funktioniert, wenn nichts anderes mehr geht, dann kann immer irgendjemand mal um die Ecke kommen und sagen, naja, aber mit Kernfusion Kernfusion wird so schnell vermutlich, ich bin jetzt wirklich kein Physiker, also ich bin weit entfernt davon, aber. Vermutlich wird, da ist man nicht so richtig am Durchbruch. Was kann ich sagen?
19:16 So ungefähr also, wenn es so weit vom Durchbruch entfernt wie die Erde zur Sonne so ungefähr. Genau. Ja, wie Du sagst, also ja, vereinfacht bedeutet Kernfusion ja, dass man das Prinzip der Sonne nachstellt auf der Erde, das muss man sich mal vorstellen. Ja, also du brauchst irgendwie 100000000 Grad. Und dann erzeugst du da Bedingungen, mit denen du Wasserstoffatome zu Helium verschmelzen kannst. Dabei entsteht unendlich viel Energie. Und das das Geniale daran ist. Also wenn es funktionieren würde, ist eben weil bei der Atomkraft, wie sie bei uns in den Atomkraftwerken passiert, werden die Atome gespalten und das Problem an dieser Atomspaltung ist, dadurch entsteht die Radioaktivität.
19:55 Dadurch wird Energie freigesetzt, so wird die Energie in den Atomkraftwerken gewonnen, das ist jetzt eine sehr vereinfachte Darstellung, aber Problem, die Radioaktivität, die eben dabei entsteht, wir haben radioaktiven Müll, der über Jahrhunderte Jahrtausende radioaktiv bleibt, radioaktive Verseuchung ist tödlich und genau das ganze Problem hätte man bei der Kernfusion halt nicht, Da hätte man Unmengen an Energie, aber keine radioaktive Belastung. Natürlich super. Und es gibt quasi unendlich viel Wasserstoff, den du nutzen kannst. Also ja eigentlich ein geniales Prinzip. Es gibt in China auch schon so eine Anlage, in der man es geschafft hat 18 Sekunden diese Bedingungen herzustellen für Kernfusion, warum erzählen wir euch das ganze? Es gab dann Vorstoß von Markus Söder, den bayerischen Ministerpräsidenten, der hat gesagt, oder es ist schon länger sein Ziel, den ersten Fusionsreaktor Deutschlands will er in Bayern bauen und.
20:50 Und dafür sollen 400 Millionen Euro investiert werden. Und er ist damit auch nicht alleine. Auch der Bundeskanzler Friedrich Merz hat letztens gesagt, er sieht Windräder nur als Übergangstechnologie. bis wir Fusionsreaktoren haben, und das in 10, 20, vielleicht 30 Jahren. Das ist ein Zitat, braucht man die Windräder nicht mehr, weil dann Kernfusionsreaktoren den Strom liefern. Ja, genau, und nicht nur jetzt mal kurz weg von der Kernfusion ist es schon eine reale Überlegung, also die EU und auch die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die fordert, dass man wieder mehr in Atomkraft investiert und sagt, dass es ein Fehler war, sich von der Atomkraft abzuwenden und. Und möchte das mehr sogenannte Mini-Atomkraftwerke gebaut werden?
21:35 Ich finde den Begriff ziemlich lustig, weil es sich anhört wie ein Pocket-Atomkraftwerk, das ich mitnehmen kann, genau da geht es aber im Prinzip um so modulare Leichtwasserreaktoren, so nennt man das und vor allem die CSU und auch Markus Söder stellt sich hinter diese Forderung nach diesen Mini-Atomkraftwerken, aber das ist. Ich sag mal mindestens hoch umstritten, weil es gibt ganz viele Experten, die sagen, na ja, nee, das ist wirklich großer Unsinn, weil die Kosten einfach wahnsinnig hoch sind und der Bundesumweltminister, also Carsten Schneider, der hat auch schon gesagt, also der hat sich dagegen gestellt, hat gesagt, Na ja, diesen Atomausstieg sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, und ich finde es auch wirklich den völlig falschen Weg.
22:24 Ja, das wäre meine Frage gewesen. Also. Würdest du zustimmen, dass es ein Fehler war, aus der Kernkraft auszusteigen in Deutschland und Kernkraft in Europa zu reduzieren? Nein, natürlich nicht. Also ich finde es einfach, das ist genau Überraschung, wir sehen nicht jeden Tag Atommüll vor unserer Haustür, aber der Atommüll oder dieser radioaktive Müll, der da entsteht, der ist da, der ist überall, spätestens wenn wieder die öffentliche Debatte um Endlagersuche rausgeht und nur mal ganz kurz Markus Söder ganz vorne mit der. Dabei ist und sagt, Na ja, aber bei uns geht es ja alles nicht. Niemand will diesen Müll vor der Tür Endlager zu finden, die wirklich sicher sind, ist wahnsinnig schwierig und natürlich sind Unfälle selten, Gott sei Dank.
23:10 Also wir haben da Tschernobyl und Fukushima, aber das ist so eine unglaubliche Gefahr. Die Gefahr, die davon ausgeht, steht einfach in keiner Relation. Eben. Ich denke, da muss man auch wirklich noch mal dran erinnern. Das ist jetzt lange her, das Atomunglück von Fukushima in Japan vor diesem Hintergrund hat man ja damals den Atomausstieg beschlossen in Deutschland, da ging es nicht darum, was die beste Energieerzeugung ist oder sonst irgendwas, ja, und rückblickend natürlich, jetzt kommt jeder und sagt ja, man hätte erst die Kohlemeiler abschalten sollen und die Atomreaktoren weiterlaufen lassen, ja, schön. Hätte man das vielleicht mal früher sagen können, hätte man die Idee vielleicht damals schon haben können. Nee, alles Quatsch, ja, man hat das gemacht damals Bundeskanzlerin Angela Merkel, weil man eben unter dem Eindruck dieser Reaktorkatastrophe gesehen hat, wie gefährlich diese Technologie ist.
24:04 Deswegen ist man ausgestiegen, andere Länder machen es weiter, manche Länder hatten noch nie Atomreaktoren, ja. Und das ist auch keine abstrakte Gefahr, was da in Japan passiert ist. Also auch bei uns. Es gibt den Rheingraben, es gibt in Frankreich Reaktoren, die an Stellen stehen, die total anfällig, potenziell anfällig für Erdbeben sind, was macht man dann? Das ist auch in den USA, in Kalifornien. Alle Atomkraftwerke, die in Kalifornien sind, sind super gefährdet für schwere Erdbeben. Also ich finde, da darf man gar nicht so arg drüber nachdenken, wo überall Atomkraftwerke stehen oder und ohne Umweltkatastrophen: wenn man auf Kriegsgebiete guckt, wenn man jetzt auf die Ukraine guckt, ist da immer das Atomkraftwerk Saporischschja.
24:51 Danke sehr gut, sehr gut eingefügt. Das ist unter Beschuss. Was ist, wenn das mal so beschossen wird, dass Radioaktivität austritt, das ist dann auch ein Prozess, den man nicht mehr aufhalten kann. Und völlig absurd finde ich ja diese Aussage von unserem Bundeskanzler dann zu sagen, ja gut, Kernfusionsreaktoren sind ganz arg toll und deswegen sind Windräder nur eine Übergangstechnologie, also da. Habe ich schon gedacht. Was läuft eigentlich gerade falsch in der Diskussion, weil er sagt ja selber, vielleicht in 30 Jahren ja schön, da wollen wir schon lange klimaneutral sein 2045 ja, das ist in 20 Jahren so. Da kann jemand nicht rechnen. Ganz genau.
25:32 Und Windräder produzieren heute jetzt Strom, wir schalten Windräder ab, weil wir so viel Windstrom haben, dass die Netze überlastet werden. Das finde ich einfach. Das ist sehr witzig. Ja, es ist absurd, es ist so dumm, dass es absurd ist. Ja, na ja, na ja, man kann nur sagen, Herr Bundeskanzler, bitte treten Sie auf den Boden der Tatsachen zurück oder so. Und nicht auf die Kernfusion. Genau. Aber wir lassen die Leute weiter dran forschen. Die Forschung, unbedingt. Unbedingt. Ich find’s ganz toll, wenn daran geforscht wird, so mein ich das nicht. Ich find’s auch schön, aber der Forschungsreaktor in Südfrankreich ist noch nicht gebaut. Hat 20 Milliarden schon gekostet und die ersten Experimente sind für 2034 angedacht. Ja, 20 Milliarden schaffen wir bei Stuttgart 21 auch noch. Ja, bestimmt genau.
26:20 Dann eröffnet in Südfrankreich der erste Forschungsreaktor für Kernfusion und Stuttgart 21 genial. Darauf können wir uns, glaube ich, einigen. Sehr schön. Okay. Gut, kommen wir zum nächsten Thema. Genau dann kommen wir zum nächsten Thema, was ganz anderes, und zwar 10 Jahre, EU, Türkei deal. Und wenn ihr jetzt denkt, wen interessiert heute noch der EU-Türkei-Deal 10 Jahre her, warum redet ihr jetzt darüber? Ja Leute, wichtiges Thema und zwar warum, das werdet ihr in den nächsten Minuten gleich feststellen. Vielleicht erstmal ganz kurz. Was ist überhaupt der EU-Türkei-Deal, also der EU-Türkei-Deal wurde 2016 zwischen – Überraschung – der EU und der Türkei geschlossen und sollte genau und sollte knapp gesagt Migration steuern beziehungsweise begrenzen. Aus welcher Intention heraus ist das passiert? Ihr erinnert euch wahrscheinlich. 2015 ist das Jahr der sogenannten Flüchtlingskrise, unglaublich viele Menschen sind nach Europa geflüchtet aufgrund des Kriegs in des Bürgerkriegs in Syrien und als Reaktion darauf die EU, das kann man vielleicht, ist vielleicht leichtfertig gesagt, aber die EU?
27:33 Hätte wahrscheinlich schon die Möglichkeit gehabt, diese Menschen alle in Anführungszeichen aufzunehmen, aber man hat es eben nicht geschafft, sich zu einigen, wer wie viele aufnimmt, wie diese Menschen verteilt werden sollen. Und deshalb war das primäre Ziel der EU damals erstmal OK. Wir müssen die Anzahl der Menschen, die zu uns kommen, begrenzen. Und wie schafft man das? Ein Mechanismus sollte eben dieser EU-Türkei-Deal sein, weil wenn ihr mal den Atlas aufschlagt oder wahrscheinlich eher Google Maps. Dann seht ihr genau. Dann seht ihr, wo die Türkei geografisch liegt, also ganz viele Geflüchtete kommen über die Türkei, dann über das Mittelmeer nach Europa und dieser Deal hat zusammengefasst folgendes eigentlich gesagt, also alle Flüchtlinge, die ab dem 20. März 2016 von der Türkei aus auf griechische Inseln gelangen, sollen zurück in die Türkei abgeschoben werden. Die Türkei soll also ihre Grenzkontrollen verschärfen und alle See- und Landrouten.
28:34 Für Flüchtlinge schließen dafür hat die EU der Türkei im Gegenzug sehr viel Geld gezahlt. 6 Milliarden beziehungsweise insgesamt 12,5 Milliarden für die Versorgung und für die Unterbringung von Geflüchteten. Und davon sind 878 Millionen Euro in das Grenz und Migrationsmanagement geflossen. Was man der Türkei ja außerdem auch noch versprochen hat, neben dem Geld, was du schon erwähnt hast, war eine Neubelebung des Beitrittsprozesses und eine Zollunion mit der EU. Genau das hat man der. Türkei versprochen und da kann man jetzt aus heutiger Sicht sagen, also das ist nicht passiert, das ist auch ziemlich gestorben. Die autoritären Tendenzen in der Türkei beziehungsweise konkret unter Präsident Erdogan haben zugenommen und nicht nur das ist nicht passiert, sondern. Der dieser EU-Türkei-Deal ist eigentlich heute auch tot. Die Zahlen sind dann nach diesem EU-Türkei-Deal auch tatsächlich runtergegangen.
29:29 Allerdings sagen Experten, das liege nicht primär am Abschreckungseffekt, sondern die Zahlen sind schon in den Monaten davor gesunken, einfach aufgrund der Entwicklung auch in Syrien und genau dass da die Zahlen schon zurückgegangen sind. Was hat dieser Deal jetzt aber eigentlich gebracht? Der hat dieser Deal hat eigentlich dazu geführt, dass tausende beziehungsweise Zehntausende Menschen in Lagern vor allem auf griechischen Inseln festsaßen, weil sie eigentlich zurück abgeschoben werden sollten in die Türkei, das aber nicht passiert ist, sie aber auch deshalb aufgrund dieses Deals nicht weiterreisen konnten und deshalb Monate oder teilweise auch Jahre.
30:13 In Lagern Festsaßen, wo die humanitären Zustände einfach katastrophal waren. Und sinnbildlich, man sagt auch immer sinnbildlich für die Schande von Europa, steht dafür wahrscheinlich nicht so sehr wie das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos, was 2020 auch niedergebrannt ist. Und Doni war in Moria, wie ich auch erst seit Kurzem weiß. Und da bin ich jetzt ganz gespannt, was er uns darüber erzählen kann. Also ich war tatsächlich dort im Dezember 2016 auf Lesbos, das war, als ich im Auslandssemester in Dänemark studiert habe, und es war quasi mein Abschlussprojekt, und ich war da zusammen mit meinem Studienkollegen Martin Choi, und wir haben uns entschieden zu schauen, ja, was ist nicht mal ein Jahr nach dem EU-Türkei-Deal dort los. Und ich sage mal so, da hat man schon sehr hart gesehen, das eine ist halt das, was politisch vereinbart wurde, weil wie du sagst, es wurde ja dann gesagt, der Deal funktioniert ja, die Zahlen sind runter gegangen und alles und auf der anderen Seite gab es eben diese schrecklichen Bilder aus dem Camp Moria, was traurige Berühmtheit erlangt hat, sage ich mal. Und es ist erstmal total surreal, wenn du an diesen Ort kommst, auf Lesbos, einer nicht sehr großen Insel mit der Hauptstadt Mytilini und.
31:34 Du hast das so oft in den Nachrichten gesehen. Du hast diese ganzen Zustände gesehen und am Ende hast du in der Hauptstadt dann doch nicht so viel davon gemerkt, weil dieses Camp halt außerhalb in den Bergen war. Also diese Menschen, die da angekommen sind und da in dieses Camp gebracht worden sind, waren halt auch wirklich abgeschnitten von allem und was man sich auch nicht ausdenken kann, ist direkt an der Küste auf Lesbos steht so eine Freiheitsstatue, eine große, die Richtung Türkei schaut, also du kannst sogar das andere. Ufer sehen, du kannst die Türkei von Lesbos aus sehen. Du siehst so sanfte Hügel, es sieht alles so ja auf ne, ja beängstigende Art und Weise friedlich aus und du hast aber diese Freiheitsstatue, wie man es ja aus den USA kennt, ne die damit überhaupt nichts zu tun hat, die soll eigentlich an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnern, aber für mich war das damals schon sehr eindrücklich. Und schon damals lebten im Camp Moria dann trotzdem, obwohl die Zahlen zurückgegangen waren, noch doppelt so viele Menschen als eigentlich vorgesehen.
32:33 Also Moria ist ausgelegt gewesen für so 3500 Menschen, aber damals haben schon 6300 Menschen dort gelebt, also mehr als doppelt so viele wie vorgesehen. 12000 waren es dann zwischenzeitlich. Auch genau. Es wurden dann am Ende immer mehr. Man kann sich so vorstellen, wie man sich so n ehemaliges Militärlager vorstellt. Hohe Zäune, Stacheldraht, bewaffnete Polizisten und drinnen halt ganz, ja einfache provisorische Zelte. Die Leute hatten keine Privatsphäre. Das war im Prinzip wie auf einem Festival. Zelt am Zelt, am Zelt, am Zelt, ja, es war kalt im Dezember direkt am Meer, da weht natürlich n eisiger Wind, also die Winter in Moria waren auch sehr hart, wir durften nicht in das Camp rein, also wir wurden davor sag ich mal abgesetzt von einem Taxifahrer, konnten dann zwar reinschauen und die Leute konnten sich dann auch frei bewegen, aber es sind halt überall bewaffnete Soldaten oder Polizisten rumgelaufen. Und die haben uns an einem Punkt auch gebeten, haben uns dann ins Camp reingebeten und erklärt, dass sie nicht möchten, dass hier Fotos gemacht werden und dass sie keine Drehgenehmigung gegeben haben, sage ich mal. Und wir haben die Fotos natürlich nicht gelöscht, aber ja, wurden dann rausgeschickt und wir haben dann vor dem Camp mit Leuten geredet, weil da hat sich so eine kleine ja so eine Meile gebildet, wo dann, wo es Essensstände gab, da gab es ganz günstiges Essen und. Und da haben uns dann halt auch Leute erzählt, dass es in diesem Camp halt einfach auch nicht genug Wasser gibt. Es wird mit Gaskochern geheizt. Einer hat gesagt, ja, es gab schon essen, aber an manchen Tagen nur Kartoffeln, also da gab es dann einfach, ja, ich sag mal wirklich das. Dass die Leute was zu essen hatten, war war sage ich mal nicht selbstverständlich und es gab auch viel zu wenig für die vielen Leute.
34:17 Wir haben auch mit einem gesprochen, der gesagt hat, ja, er ist Chirurg in dem Krankenhaus, er hat uns auch Bilder gezeigt bei der Arbeit und so weiter der andere war Friseur, also ganz normale Leute, die dort monatelang darauf gewartet haben, dass ihr Asylantrag bearbeitet wird und wie du sagst, das war halt auch so was das. Das offenbart hat. Also ich glaube, in Deutschland können wir wahrscheinlich noch froh über die Bürokratie sein, weil die griechischen Behörden komplett dysfunktional, die haben Monate, wenn nicht Jahre für einzelne Asylanträge gebraucht und. Die waren nach dem Abschluss dieses Deals einfach völlig überlastet. Genau, ja.
34:54 Also wir haben mit vielen Leuten gesprochen, die eben monatelang in diesem Camp waren. Wir haben auch einige Leute getroffen, die. Auf den Straßen gelebt haben, da gab es dann so eine Organisation namens No Border Kitchen, die hat mit denen zusammen gekocht, die haben in so verfallenen, einsturzgefährdeten Ruinen, sage ich mal, zusammen gekocht, damit Leute, die auf der Straße leben, eben versorgt sind, weil die gesagt haben, ich lebe lieber auf der Straße als in diesem Camp. Und ja, also es war völlig klar, hier passiert Elend, hier leiden Menschen, und so wirklich interessiert sich niemand dafür, im Gegenteil, es wird noch versucht, die Berichterstattung zu unterbinden und bin.
35:31 Ich hab dann 4 Jahre später noch mal kurz über Moria berichtet und damals hat mir eine Vertreterin von Ärzte ohne Grenzen, die regelmäßig da war, gesagt, wir sind in Moria nah an der Entmenschlichung, Menschen, die im Schlamm leben und nachts von Ratten gebissen werden. Die Krätze grassiert. Es gebe nicht genug Trinkwasser, beziehungsweise Trinkwasser nur in Flaschen, und nicht ausreichend Essen. Viele Kinder leiden an Atemwegserkrankungen und Durchfall, das sind alles folgen der schlechten Versorgung, wir kennen das eigentlich nur aus Krisengebieten wie im Südsudan oder Nigeria, es ist bitter, solche Zustände in Europa zu sehen und ich finde bis heute fasst das eigentlich gut zusammen, was da passiert ist.
36:08 Ja, das fasst wahrscheinlich gut zusammen und auch die Aussage, das ist bitter, dass so was in Europa passiert ist. Das ist, finde ich, untertrieben. Das ist nicht nur bitter, vor allem weil. Weil dieser Deal bis heute als Erfolg, als politischer Erfolg verkauft wird. Und es ist ja in meinen Augen nicht, das kann er auch überhaupt nicht sein, wegen dieser Diskrepanz: Niemand schreibt sich Humanität so sehr auf die Fahnen wie die Europäische Union, und wenn man das macht, dann kann man nicht. Solche Zustände in Kauf nehmen für einen Deal mit einem Land, der dann einen falschen Eindruck erweckt, dass man Migration mit der Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten effizient und vor allem humanitär steuern könnte. Ein weiteres Ziel war auch noch, dass weniger Menschen im Mittelmeer dadurch sterben sollten. Das ist nicht passiert, es gibt zahlreiche Belege, Videos, das illegale Pushbacks passieren, das bedeutet, dass Menschen auf gewaltsame Weise im Mittelmeer zurückgedrängt werden. Und wenn man jetzt mal auf die aktuelle Lage schaut, ist aktuell in den ersten beiden Monaten 2026 sind allein 600 Menschen im Mittelmeer gestorben. Das sind so viele wie noch nie, seit diese Zahlen erfasst werden, und die Dunkelziffer ist natürlich auch nicht bekannt, aber ja auch schon 600 Menschen ist einfach eine wahnsinnig hohe Zahl und da kann man sich jetzt fragen, was lernen wir daraus, was lernen wir oder was lernt die EU, was lernt Deutschland. Aus diesem Abschluss des EU Türkei Deals für die heutige Migrationspolitik, und da kann man vielleicht mal erst mal kurz zusammengefasst sagen, relativ wenig beziehungsweise nahezu gar nichts.
37:53 Nahezu gar nichts würde ich auch eher sagen. Ja, ja genau, warum ist es so mit dem neuen gemeinsamen europäischen Asylsystem, kurz genannt GEAS, was ab Juni 2026 in Kraft tritt? Soll genau diese Möglichkeit, nämlich die Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten, gegeben werden und ganz besonders Deutschland beziehungsweise das Innenministerium und Alexander Dobrindt sind da auch große Fans von also, die Sagen immer, das ist ein Modell, was man auf jeden Fall verfolgen sollte, wir lagern Asylverfahren aus, wir machen die nicht in der Europäischen Union, man könnte die unter Umständen zum Beispiel in Albanien machen, aber, und das aber ist wirklich sehr groß.
38:34 Die Kritik daran ist groß, und das nicht ohne Grund, weil das ist also Asylverfahren in Drittstaaten mal ganz unabhängig von der humanitären Frage, die eigentlich im Zentrum stehen sollte. Ist es total ineffizient und sehr teuer. Und ein Beispiel für grandioses Scheitern dieses Drittstaatenmodells sieht man, wenn man nach Großbritannien schaut und sich das sogenannte Ruanda Modell anschaut. Großbritannien hatte nämlich die glorreiche Idee, seine Asylverfahren nach eben Ruanda auszulagern. Hat es funktioniert? Nein, es hat überhaupt nicht funktioniert, es hat wahnsinnig viel Geld gekostet in der Vorbereitung in Ruanda Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, die Kapazitäten aufzubauen und so weiter. Um genau zu sein, hat es fast eine Milliarde Euro gekostet, nur an vorbereitenden Maßnahmen 830000000€. Vorbereitende Maßnahmen für die dann im Endeffekt nichts passiert ist.
39:27 Genau das ist einfach krachend gescheitert. Der Supreme Court hat es dann letztendlich untersagt und Abschiebeflüge gestoppt und. Und die EU lernt nicht daraus, würde ich sagen. Genau, es ist nie n Flieger abgehoben mit Asylsuchenden nach Ruanda aus Großbritannien und das Ganze hat trotzdem wegen der vorbereitenden Maßnahmen 830000000€ gekostet für nichts. Deshalb ist mir ehrlich gesagt nicht so richtig klar. Wieso man so sehr an diesem Drittstaatenmodell festhält und das unbedingt in das neue Asylsystem integrieren möchte, das ist das ich mein, da muss man eigentlich auch nicht mal Experte sein, das ist eigentlich, wenn man fast logisch, dass das super teuer und vermutlich auch ineffizient ist, oder wie siehst du das?
40:15 Also ich find das höchst fragwürdig und ich finde man sollte dann auch nicht so tun, als hätte das noch viel mit unseren europäischen Werten zu tun oder dem Asylsystem, wie es eigentlich mal gedacht war, nämlich Menschen, die. Vor politischer Verfolgung Schutz zu bieten. Wenn du diese Verfahren in andere Länder auslagerst, dann hast du faktisch keine Kontrolle mehr darüber, was dann passiert. Klar, du kannst sagen, du entsendest irgendwelche Beamten und alles mögliche, aber das kann ja dann auch jederzeit gestoppt werden, dann stehst du wieder davor. Also ich finde es einfach hochkomplex. Ja und so was kannst du einfach nicht außerhalb der EU machen, wenn. Wenn du da ne gewisse Kontrolle drüber behalten willst, dann wäre es mir noch lieber, man würde es direkt an den EU-Außengrenzen machen.
40:57 Das hat dann zu diesen Lagern geführt, aber ja auch nur aufgrund der absurden Dysfunktionalität unserer Verwaltungssysteme ja, wenn sowas schnell funktionieren würde und die Leute hätten schnell Klarheit, ja. Ja, dann wäre das alles immer noch besser, obwohl es ja auch nicht ideal ist. Also. Ja, weil wohin dann mit den Menschen, wenn sie nämlich nicht abgeschoben werden können beziehungsweise die Staaten, in denen sie dann als erstes wieder ankommen, würden sie nicht zurücknehmen, dann führt es nämlich genau zu denselben Zuständen, die wir schon hatten, dass sie dann in diesen Lagern oder an diesen Orten gefangen sind und weder vor noch zurück können, und da würde ich mich anschließen beziehungsweise würde auch sagen. Da muss man einfach nicht mehr so tun. Das hat nichts mit Humanität zu tun, das hat nichts mit den Werten zu tun, die sich die EU mal gegeben hat, da kann man jetzt wieder drüber diskutieren, sind wir eine Werteunion oder sind wir es nicht.
41:47 Aber eigentlich wollte die EU das schon sein und deshalb ja finde ich das auch mehr als fragwürdig und vielleicht noch als Ergänzung. Du hast gesagt, man hat dann keine Kontrolle mehr, wenn man diese Verfahren auslagert, man hat nicht nur keine Kontrolle mehr, man macht sich auch erpressbar, das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Es kommt drauf an, an wen man oder an welche Länder man diese Verfahren auslagert. Aber man gibt damit einfach einen Hebel beziehungsweise ein politisches Werkzeug und das sind in dem Fall die Geflüchteten an diese Staaten ab, mit dem die EU unter Umständen – das ist jetzt hart formuliert, aber wenn es drauf ankommt, erpressen kann, ist dann einfach ein politisches Instrument, zu dem die Menschen gemacht werden, und das finde ich nicht in Ordnung, und das weiß die EU auch ganz genau.
42:34 Ich frage mich bei der ganzen Sache immer, so ist es am Ende nur so n auf den Tisch hauen? Ja, also klar, man hat das jetzt alles vorbereitet, man hat die Regelungen dafür geschaffen, aber wir sehen es in Dänemark ja, Dänemark droht schon seit Jahren damit, dass sie Syrer notfalls nach Syrien abschieben, auch als da noch der Bürgerkrieg getobt hat. Passiert ist es natürlich nie, weil die dänische Regierung auch weiß, das geht überhaupt nicht, das können wir einfach nicht machen. Ist es nur eine Signalwirkung, dass wir sagen, Hey, ihr braucht gar nicht herzukommen, wir machen euer Asylverfahren irgendwo in Afrika? Das kann ich mir schon vorstellen und nicht nur eine Signalwirkung in die Richtung, sondern ich glaube auch, es ist auch ins Inland oder an die eigenen Wähler, potenziellen Wähler Symbolpolitik. Symbolpolitik?
43:17 Es ist so dieses Versprechen. Migration kommt nicht bis zu uns. Und wenn sie kommt oder wenn die diese Menschen kommen, dann haben wir Möglichkeiten, sie einfach wieder von uns wegzuschieben, weil wir sie hier nicht haben wollen. Und das ist auch genau das, das ist eigentlich auch die Kernmessage, auch wenn sie niemand zu formulieren will, ist genau das, was man damit sagen möchte, ja. Was man in dem Zusammenhang ja auch noch erwähnen sollte ist, dass ja nicht nur die Asylverfahren eventuell in Drittstaaten stattfinden sollen, sondern dass man auch Abschiebelager in Drittstaaten plant. Du hast ja schon Albanien und Ruanda angesprochen. Diese beiden Modelle sind ja im Gespräch, also dass man quasi sagt, man schiebt Leute, die auf jeden Fall in Deutschland ausreisepflichtig sind, dorthin, dort bleiben sie erstmal im Lager und nach einer Prüfung durch diesen Drittstaat sollen sie dann quasi dort bleiben und eben nicht in ihrem Heimatland, auch das hat man beschlossen im EU Parlament, dass man diese Verbindung, die bisher galt, du darfst Leute nur in ihr Heimatland dann auch abschieben.
44:17 Quasi aufhebt und sagt, Wenn Ruanda mitmacht, dann schieben wir die Leute ab nach Ruanda, und dann müssen sie eben dort bleiben. Ich habe mir mal angeschaut, was das Bundesinnenministerium zu diesen Return Hubs in Drittstaaten so in einem eigenen Gutachten für für Herausforderungen und Probleme sieht, und da muss ich sagen, die sind schon sehr umfangreich, ja, also rechtliche Probleme, praktische Probleme. Auf jeden Fall wird klargestellt, dass Deutschland prüfen müsste, ob der Drittstaat für die Person sicher ist, also wenn zum Beispiel in dem Land wie Uganda, was im Gespräch ist, Homosexualität unter Gefängnisstrafe steht, was so ist, dann dürfte man auch bei einer Abschiebung jemanden nicht dorthin abschieben.
44:57 Das sagt das Bundesinnenministerium in seinem Gutachten, dass diese Prüfung sogar umfangreicher und aufwendiger sein könnte als das Asylverfahren selbst, ja. Bei minderjährigen unbegleiteten Minderjährigen wird gesagt, da müsste zusätzlich geschaut werden, ob das Kindeswohl gewährleistet ist und ob diese Kinder betreut werden in dem Drittstaat ja auch da Abschiebung extrem schwierig, ja dann kommen Kosten dazu, eben damit man dem Drittstaat auch was bietet. Ja, Uganda will dafür sicher Geld haben, dass es abgeschobene Menschen von uns wieder von uns aufnimmt, ja. Sehr viele Hürden und vielleicht noch ein Beispiel, wie grandios so etwas scheitern kann: Im Sommer 2024 haben wir 28 Afghanen aus Deutschland abgeschoben, alles Straftäter, alles Menschen, die jahrelang im Gefängnis saßen, Menschen die wir hier nicht haben wollen. Ja was ist passiert?
45:52 Einige von diesen Männern sind in Afghanistan angekommen, es wurde deren Identität überprüft und. Und dann wurden sie von den Taliban einfach direkt freigelassen. Ihre Familien mussten noch unterschreiben, dass sie keine Straftaten mehr begehen. Aber ja, diese Menschen waren sofort wieder auf freiem Fuß und das zeigt, wie toll das funktioniert, wenn man die Kontrolle aus der Hand gibt und diese Menschen halt. Auch wenn es doof ist, einfach nicht bei uns einsperrt, ja. Ich glaube aber, dass da ganz viele sagen würden als Gegenargument oder dass es ein Gegenargument sein kann. Ja, okay aber ist mir egal, Hauptsache die sind nicht mehr hier, ist da nicht mein Problem, ist das Problem von Afghanistan und ist dann das Problem von den Taliban beziehungsweise nicht von den Taliban, weil die ja zugestimmt haben. Mag sein, aber einige der Leute, die da freigelassen wurden, haben zum Beispiel auch gesagt, sie haben Jahrzehnte in Deutschland gelebt, sie wollen wieder zurückkommen. Ja, muss man dann auch wieder gucken. Kommen die wieder zurück?
46:42 Wie kriegen wir die, wie Sorgen wir dafür, dass sie gar nicht erst einreisen können? Großes Problem, Wir sehen viele Hürden und ja, mal gucken. Genau, viele Hürden und ich würde sagen, ja, warum erzählen wir das überhaupt, weil wir jetzt noch mal zusammengefasst, glaube ich, sagen können, dass da einfach wenig draus gelernt wurde aus diesem EU-Türkei-Deal. Ich hätte mir da einfach, ich hätte mir da echt andere Konsequenzen oder anderen Lerneffekt draus gewünscht. Dass es nicht passiert, und deshalb bin ich gespannt, wie sich das in dem neuen GEAS, also gemeinsamen europäischen Asylsystem niederschlagen wird beziehungsweise was dann wie konkret wirklich umgesetzt wird. Aber das werden wir erst im Laufe von diesem Jahr sehen und dann auch bestimmt noch mal drüber sprechen beziehungsweise da vielleicht auch noch mal einen Überblick geben, was das jetzt eigentlich bedeutet, dieses ominöse, riesige neue GEAS-System.
47:35 Auf jeden Fall. Und. Damit würde ich sagen, kommen wir zum letzten Part von der Folge und zwar zu unserem Cringe der Woche. Unser Cringe der Woche. So ich, ich fange auf jeden Fall mal an, dir die Frage zu stellen, was ist dein Cringe der Woche, weil du die letzten zwei Male keinen Cringe der Woche hattest. Oh ja, okay andere Dinge. Ich, ich muss natürlich dieses grandiose Video von Emmanuel Macron nehmen. Dann haben wir denselben. Können wir es schon mal sagen, weil, also ja, ich habe lange darüber nachgedacht und gesonnen, aber naja, erzähl nichts. Drüber, da geht nichts drüber. Naja, es ist ein Video einfach nur mit der Überschrift „France is wild“ und dann wird’s richtig fett fette Beats, es gibt Raketen, es gibt Flugzeugträger, Kampfjets, Kampfjets, Zukunft, ja wir sind irgendwie total geil. Was will er uns damit eigentlich sagen? Was wollte er uns damit sagen?
48:35 Denn, Emmanuel? Ach so, das ist gut, dass du mir die Frage stellst, weil unter unter. Unter Umständen könnte ich die Frage besser beantworten, dass er mein Landsmann ist. Aber genau. Ich hab das Video angeschaut und dann war ich erstmal so OK. Und dann hab ich gedacht, ich hätte irgendwie die Message verpasst oder ich dachte irgendwie so, ja, was jetzt, um was geht es jetzt noch mal? Und dann hab ich das noch mal angeschaut und dann hab ich so gedacht hä nee ich hab also ich hab gar nichts verpasst. Und dann saß ich da und hab erst mal so. Es war mir dann auch ein bisschen unangenehm, weil man halt, ich war halt richtig angecringt und dann dachte ich so, weil eigentlich finde ich, macht der da coole Sachen auf dem Account und dann dachte ich ja, ist es jetzt cool und dann hast du es angeschaut und dachtest: Nein, ich finde es gar nicht cool, es ist mega unangenehm und ich hab die Message nicht verstanden, ich weiß nicht was, also was will er jetzt damit sagen, ich kann’s dir nicht sagen.
49:30 Die die Message ist Nato braucht kein Mensch mehr. Es gibt Frankreich. Ja gut. Das ist ja auch klar. Ja, kennen wir auch die Atombombe, also ohne uns seid ihr ja gar nichts. Nein, also bitte den Lokalpatriotismus in Richtung Frankreich nicht so ernst nehmen, nicht dass hier jemand was falsch versteht. Ich finde das schon sehr ernst. Ja, das ist schon sehr ernst das. Ist hart. Ne, ja. Cringe einfach Cringe. Es war wirklich Cringe. Ja, Na. Gut. Naja gut. Gut, das nächste Cringe-Video kommt bestimmt. Auf jeden Fall dann wieder aus Deutschland. Und genau da gibt es ja auch genug Material oder Kandidaten. Kandidatinnen möchte da niemand ausschließen, ist ja klar und damit würde ich sagen, kommen wir zum Ende der Folge und. Damit würde ich sagen, kommen wir zum Ende der Folge.
50:21 Folgt uns auf jeden Fall auf Spotify, folgt uns auf Instagram, um nichts mehr zu verpassen. Slidet uns dort auch gerne in die DMs oder schreibt uns eine Mail ganz klassisch unter hallo@kontextundkrawall.de. Und alle Kontaktdaten findet ihr in der Folgenbeschreibung. Dann entlassen wir euch ins Wochenende, hören uns wieder. Nächste Woche, wünschen euch schöne Zeit. Und bis dahin ciao ciao.
Laufzeit: 51 Minuten. Erschienen am 21. März 2026.