Folge 27 · In Frankreich sind Schülerproteste in Gewalt umgeschlagen, in Deutschland ruft die Initiative „Gen Z regelt“ für den 31. Oktober zu Demonstrationen auf. Wir sprechen darüber, was junge Menschen auf die Straße treibt und warum die Debatte hierzulande fast nur noch um Gewalt kreist.
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Worum es geht
Angefangen hat es Anfang Oktober in Frankreich mit Schülern, die gegen marode Gebäude, Lehrermangel und zu lange Schultage protestierten. Bald schlossen sich Eltern, Gewerkschaften und die Gelbwesten an, aus dem Bildungsprotest wurde ein Protest gegen hohe Lebenshaltungskosten und Ungleichheit. Doch am 17. Oktober eskalierte die Lage: Geschäfte wurden geplündert, das historische Rathaus von Limoges brannte nieder. Mit Protest hat das nichts mehr zu tun, darin sind wir uns einig. Die Regierung hat inzwischen ein Bildungspaket vorgelegt, und vor der Präsidentschaftswahl nutzen die politischen Lager die Gewalt für sich.
In Deutschland fordert unterdessen die unbekannte Organisation „Gen Z regelt“ unter anderem mehr Geld für Schulen und Psychotherapie, bezahlbares Leben und keine Wehrpflicht. Zurecht, denn wie groß der Druck für junge Menschen ist, zeigt die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“: Jeder fünfte junge Mensch plant konkret, das Land zu verlassen. Trotzdem geht es vor dem Demo-Tag an Halloween in Politik und Medien vor allem um mögliche Krawalle, bis hin zu Rufen nach einem Demo-Verbot in Stuttgart. Wir finden: Ein Grundrecht lässt sich nicht präventiv wegdiskutieren – auch wenn die Warnungen des Verfassungsschutzes berechtigt sind.
Deshalb fragen wir uns: Wer hört der jungen Generation gerade eigentlich zu?
Diese Fragen stellen wir
- Wie konnten aus Schülerprotesten in Frankreich landesweite gewalttätige Ausschreitungen werden?
- Was läuft im französischen Bildungssystem schief?
- Wer nutzt die Gewalt vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich für sich?
- Reicht das Bildungspaket der französischen Regierung?
- Was fordert „Gen Z regelt“, und was sagt die Jugendforschung dazu?
- Warum dreht sich die Debatte in Deutschland nur um mögliche Gewalt statt um die Anliegen der jungen Menschen?
Kapitel
- 00:17 – Begrüßung
- 01:34 – Wie die Proteste in Frankreich begannen
- 07:21 – Frankreichs Schulen: viel Geld, marode Gebäude
- 10:44 – Macron, Lecornu und die Schuldfrage
- 15:14 – Brandbeschleuniger vor der Präsidentschaftswahl
- 20:12 – Das Bildungspaket der Regierung
- 28:46 – „Gen Z regelt“: Proteste in Deutschland
- 33:30 – Was junge Menschen in Deutschland umtreibt
- 38:02 – Debatte über Gewalt und Demo-Verbote in Stuttgart
- 48:17 – Chatty fragt, wir antworten: Wer wird Bundespräsident?
- 50:52 – Cringe der Woche
Relevante Quellen
- Schülerproteste in Frankreich, Festnahmen https://www.stuttgarter-zeitung.de/politik/ein-land-in-flammen-schuelerproteste-in-frankreich-arten-immer-mehr-zu-gewaltorgien-aus-79525414.html
- Ausschreitungen am 17. Oktober und Brand in Limoges https://orf.at/stories/3445411/
- Bildungspaket der französischen Regierung https://www.zdfheute.de/politik/ausland/frankreich-proteste-schueler-regierung-forderungen-100.html
- Gen-Z-Proteste in Deutschland https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/gen-z-proteste-demonstration-deutschland-100.html
- Forderungen der „Gen Z regelt“ https://genz-regelt.de/
- Warnungen vor linksextremer Einflussnahme https://www.stuttgarter-zeitung.de/politik/gen-z-proteste-polizei-warnt-vor-linksextremer-einflussnahme-in-deutschland-79595132.html
- Bundesschülerkonferenz und Polizei vor dem 31. Oktober https://de.euronews.com/2026/10/25/proteste-deutschland-polizei-31-oktober
- Stellungnahme Bundesschüler*innenkonferenz https://bsk-bund.de/distanzierung-von-den-proteste-am-31-10-2026/
- Stadt Stuttgart zur Forderung nach einem Demo-Verbot https://www.stuttgart.de/service/aktuelle-meldungen/2026/oktober/derzeit-keine-hinweise-auf-unfriedliche-gen-z-demonstration
- Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ https://www.uni-potsdam.de/de/nachrichten/detail/2026-03-26-zwischen-leistungsbereitschaft-und-abwanderung-jugendstudie-2026-zeigt-deutschlands-jugend-verliert-geduld
Automatisches Transkript dieser Folge
00:17 Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Kontext und Krawall. Ich bin Marie. Und ich bin Christoph. Und wir sprechen heute wortwörtlich über Krawall. Nein, wir sprechen über die Proteste in Frankreich, die in den vergangenen Wochen stattgefunden haben und von massiven Gewaltausschreitungen begleitet waren, und gleichzeitig über die geplanten Proteste in Deutschland, die nämlich für den 31.10. angekündigt sind. Wir wollen uns auch anschauen, was die Hintergründe sind, was die jungen Menschen da auf die Straße treibt und ob die große Sorge, bevor der Protest überhaupt stattgefunden hat, gerechtfertigt ist.
00:55 Und dann würde ich sagen, starten wir direkt rein. Ja, würde ich auch sagen. Aber da ja einer von uns beiden Doppelstaatler ist und auch Bezüge zu diesen gewalttätigen Ausschreitungen hat – beziehungsweise zu den Orten, an denen sie passiert sind. Okay. So, jetzt aber. Spaß. Nein, du musst uns, glaube ich, mal updaten, und schon allein deswegen, weil ich natürlich die ganzen Ortsnamen überhaupt nicht aussprechen kann. Diese Ortsnamen. Ja, Doni ist nicht so Frankreich-affin, das stimmt, außer es geht um Käse. Nein, aber Spaß beiseite.
01:34 Dann schauen wir uns, würde ich mal sagen, vielleicht erst mal an, wo die Ursprünge dieser Proteste überhaupt herkamen beziehungsweise womit es denn losging. Los ging es eigentlich Anfang Oktober, als Schüler angefangen haben, gegen die Sparpolitik und gegen die Bedingungen im Bildungssystem zu protestieren. Das heißt gegen baufällige Gebäude, gegen Lehrermangel, gegen fehlende Materialien und auch gegen zu lange Schultage. Was sich banal anhört, aber da komme ich gleich noch mal drauf zurück. In der Folge haben sich dann auch Eltern, Lehrkräfte und Gewerkschaften angeschlossen.
02:08 Und das war erst mal ein Ausdruck allgemeiner Frustration und keine Reaktion auf eine bestimmte Maßnahme. Das kennt Frankreich nämlich und kennen auch die europäischen Nachbarn drumherum: Die Franzosen protestieren gerne viel, aber sie protestieren oft, wenn Politik, Maßnahmen oder Reformen beschlossen werden, mit denen sie nicht einverstanden sind. Es gibt also eine konkrete politische Maßnahme, die man verhindern oder rückgängig gemacht sehen möchte, und dann wird protestiert. Aber das ist jetzt im Prinzip nicht der Fall. Jetzt war das wirklich ein Ausdruck einer Frustration, die sich angestaut hat und gegen die dann demonstriert wurde.
02:50 Und schon am Anfang war das Vorgehen der Polizei gegen diese Schüler sehr hart und auch sehr repressiv. Es gab einen Toten, es gab einen Schüler, der durch eine Polizeigranate eine Hand verloren hat, und es gab Anfang Oktober schon fast 2000 Festnahmen. In den folgenden Wochen wurden diese Proteste dann immer mehr von extrem radikalen Gewaltausschreitungen begleitet. Bildhaft dafür steht, glaube ich, das brennende Rathaus von Limoges. Ich weiß nicht, ob du es gesehen hast, das Rathaus, das gebrannt hat? Genau. Ziemlich krass. Das war ziemlich krass.
03:31 Da konnte man wirklich den Eindruck gewinnen, dass das ganze Land irgendwie in Flammen steht. Und auch grundsätzlich kam es in ganz vielen Städten zu massiver Gewalt, also in Lille, in Marseille, in Lyon, in Paris, natürlich auch in kleineren Städten, und es waren wirklich alle Départements betroffen. Es wurden Geschäfte geplündert und zerstört, also da konnte man schon … Na, solange sie Notre-Dame nicht wieder anzünden, die war ja gerade wieder aufgebaut. Die war gerade wieder aufgebaut, allerdings.
04:00 Ja, vielleicht erst mal kurz dazu: Ich glaube, erst als diese massiven Gewaltausschreitungen stattgefunden haben, ist es wirklich wie ein Lauffeuer auch in die internationalen Medien gekommen. Was hast du gedacht, als du diese Bilder gesehen hast? Also tatsächlich war ich ja in den USA im Urlaub, und auch da haben mich Freunde darauf angesprochen und gefragt: Was ist denn da in Gottes Namen los? Es war wirklich weltweit in allen Medien, weil eben, wie gesagt, die Bilder auch krass waren: Plünderung, Brandschatzung.
04:32 Und das muss man auch mal ganz klar sagen: Das hat ja wirklich mit Protest dann auch nichts mehr zu tun, das sind einfach massive Straftaten, die da passieren. Und auch wenn es in Frankreich schon immer etwas heftiger zugeht – das musst du sagen –, kam mir das schon extrem krass vor. Wie gesagt, damit entfernt man sich auch so weit von irgendeinem legitimen Protest, wenn man in Geschäfte rennt und da einfach Diebstähle begeht.
05:03 Fand ich irgendwie seltsam. Und ich muss zugeben, im Urlaub hab ich gar nicht so viel darüber mitbekommen, was eigentlich die Ursprünge sind, und hab nur diese massive Gewalt gesehen. Ich musste dann erst mal recherchieren: Worum ging es denn eigentlich am Anfang, was ist da eigentlich los gewesen? Fand ich auf jeden Fall krass. Ja, absolut.
05:24 Und ich glaube auch, wenn wir jetzt darüber sprechen, gibt es eben diese Dualität, die immer mehr oder weniger nebeneinanderläuft. Es gibt den legitimen Protest und die politischen Forderungen, die damit einhergehen, von denen man halten kann, was man möchte. Und dann gibt es einfach diese massive Gewalt, die – das hast du auch gerade gesagt – überhaupt nicht zu legitimieren ist und die am Rande dieser Proteste stattfindet oder stattgefunden hat. Das sind schon zwei parallele Stränge, würde ich mal sagen.
05:56 Die massivsten Gewaltausschreitungen sind eben am 17. Oktober passiert. Das war der Tag, an dem auch das Rathaus in Brand gesetzt und komplett zerstört wurde. Ich fand das absolut tragisch, das ist ein Weltkulturerbe, das war ein wunderschönes Rathaus. Ja, ich finde, es macht einen schon fassungslos. Und du hast gesagt, ich bin Doppelstaatlerin: Auch in meiner Familie und bei Leuten in Frankreich, mit denen wir darüber gesprochen haben, hat schon großes Entsetzen geherrscht, Fassungslosigkeit. Das war eigentlich schon irgendwie Fassungslosigkeit. Genau.
06:45 Und wenn du sagst, du musstest erst mal gucken, woher es kam – da hat sich ja dann auch irgendwie viel zusammengemischt. Wie gesagt, anfangs waren es diese Schülerproteste, und am 17. Oktober war das dann auch ein breiteres Anliegen der Protestierenden. Da richtete sich das gegen die wirtschaftliche Lage, gegen die steigenden Lebenshaltungskosten, gegen Bildungsungerechtigkeit und Ungleichheit, die in Frankreich viel stärker ausgeprägt ist als in Deutschland. Und eben gegen die massiven Probleme im Bildungswesen. Wir können uns vielleicht mal ganz kurz angucken, wie da eigentlich die Lage in Frankreich ist.
07:21 Frankreich gibt nämlich eigentlich mehr Geld für seine Schulen aus als Deutschland, nämlich 5,4% des Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland waren das laut OECD nur knapp 4,6%. Aber dieses Geld ist extrem ungleich verteilt. Knapp 70% der Schulen in Frankreich sind, glaube ich, älter als 50 Jahre, extrem renovierungsbedürftig und marode. Das ist keine quantifizierte Studie, aber ich glaube, jeder, der Kinder oder junge Menschen in diesem Bildungswesen hat, kennt die Situation und die Fälle.
08:02 Und klar kann man zum Beispiel sagen: Die Toilettensituation ist so schlimm, dass die Kinder da nicht hingehen wollen oder es so gut es geht vermeiden. Auf der einen Seite kann man sagen, das ist ja eine Lappalie. Auf der anderen Seite prägt es diese Kinder auch total. Dann sind die Regionen für den Zustand der Schulen zuständig. Es gibt einen massiven Lehrermangel.
08:24 Außerdem wurde 2018 das französische Abitur reformiert. Früher war es in Frankreich so, dass man zwischen einem naturwissenschaftlichen Zug und einem Literaturzug wählen konnte, und dann hatte man ein ziemlich spezialisiertes Abi, anders als in Deutschland. Mit der Bildungsreform hat man das verändert und mehr an Deutschland angepasst, was dazu geführt hat, dass es keine Spezialisierung der Züge mehr gab. Es gab viel mehr Wahlfächer, und dadurch entstehen diese extrem langen Tage.
08:54 Französische Schüler sind teilweise von 8 bis 18 Uhr in der Schule. Da wird der Stoff durchgekloppt, den sich keiner merken kann, nur damit sie dann 17 Wochen Ferien im Jahr haben – das haben wir natürlich nicht. Und was die Schüler in diesem Jahr besonders wütend gemacht hat, ist einfach die Hitze im Sommer, gepaart mit den maroden Zuständen, weil teilweise über 40 Grad in den Gebäuden geherrscht haben. Das war absolut unzumutbar.
09:25 Und dem stehen eben eine gescheiterte Rentenreform gegenüber – in Frankreich leben die Rentner im Vergleich zum Rest der Bevölkerung überdurchschnittlich gut –, Tausende Abiturienten, die wegen eines extrem ungleichen Vergabesystems keinen Studienplatz finden, und eine exorbitant hohe Staatsverschuldung. Das macht die Leute wütend und treibt sie auch an die Ränder. Da hat sich dann einiges zusammengemischt, was diese Proteste ausgelöst hat. Und nur noch dieser letzte Punkt:
10:01 Ich hab etwas von der Soziologin Agnès van Zanten gelesen, die das im ZDF sehr gut zusammengefasst hat, fand ich. Sie hat nämlich Folgendes gesagt: Das allgemeine Fehlen von Dialog in Frankreich, im politischen und auch im sozialen System, führt zu einer Haltung, sich erst einmal Gehör verschaffen zu müssen. Dahinter steht die Überzeugung, dass Verhandlungen in Frankreich nur dann stattfinden, wenn die Politiker große Angst haben. Und sie haben große Angst, wenn die Bewegung an Fahrt gewinnt und die Gefahr besteht, dass es zu Ausschreitungen kommt.
10:31 Damit will ich jetzt überhaupt nicht sagen, dass ich irgendeine dieser Gewalttaten legitimieren möchte. Aber ich glaube, man kann schon versuchen zu verstehen, wie das passieren konnte, ohne es zu legitimieren.
10:44 Und Macron hat die Gewaltausschreitungen scharf verurteilt. Auch Premierminister Sébastien Lecornu hat unter Berufung auf Geheimdienste erklärt, dass sich dahinter Linksextremisten verbergen, dass das also auf die radikale Linke zurückzuführen ist, und auch – da streiten sich dann aber die Geister –, dass das ein organisiertes Manöver der LFI ist. LFI steht für La France insoumise, also das unterdrückte Frankreich, und ist die linkspopulistische, wirklich sehr weit links außen stehende Partei von – oh Gott, jetzt habe ich seinen Vornamen vergessen – Mélenchon. Mélenchon. Kann dir das jetzt was sagen? Ah, von Jean-Luc Mélenchon, genau. Okay, die Partei von Jean-Luc Mélenchon, genau.
11:47 So, jetzt habe ich dir viel erzählt, und du hast vielleicht nur Französisch verstanden? Und du hast nur Französisch verstanden. Genau. Also was ist dir – abgesehen von den Gewaltbildern – rund um diese Proteste am deutlichsten ins Gesicht gesprungen?
12:11 Also was bei mir vor allem so ein bisschen hängen bleibt: Eigentlich ist das ja total löblich, dass Schüler sagen: Hey, das sind hier unhaltbare Zustände, wir wollen gescheit für unser Leben ausgebildet werden, das ganze System ist kaputt, wir wollen, dass Schulen saniert werden, dass unsere Stundenpläne … dass wir nicht den ganzen Tag in der Schule verbringen. Und dann gab es ja auch noch, wie gesagt, Riesenprobleme mit der Studienplatzvergabe wegen dieser komischen Plattform. Das fand ich erst mal total löblich.
12:47 Und dann fand ich es ein bisschen komisch, dass Organisationen wie zum Beispiel die Gelbwesten, die sich ja, wie du gesagt hast, dem Protest angeschlossen haben, das Ganze so ein bisschen verwässert haben. Plötzlich ging es darum: Das Leben ist so teuer – stimmt ja auch, ist natürlich auch was, was junge Menschen betrifft. Klar, es ging wieder um Spritpreise und, und, und, alles Mögliche. Da wurde aus meiner Sicht aus sehr konkreten Anliegen plötzlich so ein allgemeiner Protest: Wir protestieren jetzt gegen die Zustände, alles ist doof. Und dann letztlich, wie gesagt, auch die Ausschreitungen, die in Gewalt gemündet haben.
13:30 Das war so ein bisschen das Gefühl, das bei mir hängen geblieben ist. Und dann finde ich es spannend, wenn du sagst, in Frankreich muss man sich erst mal Gehör verschaffen. Der Eindruck betrifft ja auch andere Streiks: In Frankreich wird generell super viel und auch lange und heftig gestreikt. Und was diesen Eindruck noch weiter bestätigt: Macron hat ja gesagt, dass der 17.10. eben kein guter Tag war, und der Bildungsminister hat auch seinen Rücktritt angeboten. Das wäre ja eigentlich ein guter Schritt. Dass dann aber wiederum der Präsident sagt, nee, das geht jetzt nicht, fand ich auch schon wieder komisch. Wenn jemand schon die Größe hat zu sagen: Hier läuft offensichtlich alles schief …
14:20 Ja, aber ich glaube, an diesem 17.10. … Das war ja der Tag, an dem die Ausschreitungen so unglaublich massiv waren und an dem sich das Anliegen der Proteste, wie du auch gesagt hast, schon so verbreitert hatte – nicht wie ganz am Anfang, als es wirklich Schüler- oder Bildungsproteste waren. Und ich glaube, Macrons Reaktion oder Gedanke dabei war eigentlich: Hey, das ist jetzt so ein Flächenbrand oder so ein flächendeckendes Problem, da bringt es mir jetzt gar nichts, wenn der Bildungsminister zurücktritt.
15:01 Es bringt sowieso relativ wenig, wenn er zurücktritt und der Bildungsminister ausgetauscht wird, weil dieses Bildungsproblem in Frankreich seit Jahren besteht. Macron hat es jetzt auch nicht massiv reformiert, aber er hat es auch nicht ausgelöst.
15:14 Ja, ich glaube, vielleicht zwei Sachen. Einmal kommt es natürlich auch zu einer massiven Instrumentalisierung der Gewalt, beziehungsweise sie ist einfach ein krasser Brandbeschleuniger vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Und es zeigt einfach die so tiefe Spaltung zwischen links und rechts – der Graben ist wirklich noch mal viel tiefer als in Deutschland. Alle Lager weisen sich jetzt natürlich gegenseitig die Verantwortung zu. Die Partei von Mélenchon sagt, na ja, das habe die Regierungspartei zu verantworten. Das finde ich kein richtig legitimes Argument, weil es für solche Gewaltausschreitungen keine Legitimation gibt. Das braucht man auch überhaupt nicht zu versuchen.
16:04 Dann gibt es die rechte oder die rechtsextreme Seite, beispielsweise den rechtsextremen Politiker Éric Zemmour, der in Frankreich sehr bekannt ist. Der hat dadurch natürlich Wasser auf seinen Mühlen und hetzt weiter gegen muslimische Franzosen. Und er hat dann gesagt – und das ist ein Narrativ, das von der gesamten rechtspopulistischen und rechtsextremen Seite aufgenommen wird; damit meine ich nicht die Konservativen, die möchte ich da ausdrücklich ausschließen, sondern schon weiter rechts außen –, auf jeden Fall sagt Éric Zemmour:
16:36 Es gebe eben zwei Frankreichs: das eine, dessen christliche Jugend jubelnd den Papst empfangen habe, und das andere, das arabisch-muslimische Frankreich der Banlieues. Wir haben es hier mit dem Kampf der zwei Frankreichs zu tun, führte Zemmour aus, mit dem Kampf zwischen dem neuen Frankreich und dem ewigen Frankreich. Das ist so ein Narrativ, das in Frankreich gebraucht wird, vor allem von der Rechten. Das neue Frankreich ist das, was die Linken aufbauen oder immer deklarieren: Man möchte ein offenes, ein pluralistisches Frankreich aufbauen.
17:10 Und das ewige Frankreich ist quasi das, was die Werte, die republikanischen Werte, die Französische Revolution, die Demokratie aufgebaut und nach Europa gebracht hat – und womit jeder Mensch mit Migrationsgeschichte nichts zu tun habe und was er sich nicht auf die Fahnen schreiben dürfe.
17:28 Ja, und da muss man wirklich wissen, dass diese Instrumentalisierung wegen des Wahlsystems wirklich ein Problem ist. Es gibt bei den Präsidentschaftswahlen immer eine Stichwahl, am Ende bleiben zwei Kandidaten übrig, und zwischen diesen beiden wird dann der Präsident gewählt. Und der Präsident hat auch ziemlich viel Macht. Frankreich ist keine parlamentarische Demokratie, sondern ein semipräsidentielles System, was bedeutet, dass der Präsident weite Entscheidungsbefugnisse hat.
18:00 Und wenn es passiert, dass ein sehr weit links außen stehender Kandidat wie Jean-Luc Mélenchon in die Stichwahl kommt und mit ihm die sehr weit rechts außen stehende Marine Le Pen, dann kann das Land wirklich nur verlieren, egal wie. Und der Blick über den großen Teich, wie man so schön sagt, zeigt ja dann auch, was da passieren kann.
18:29 Ja, das stimmt. Jetzt tauche ich da tief in das politische Frankreich ein, aber das muss ich noch kurz zu Mélenchon anfügen: Die LFI ist wirklich – nur damit man eine Vorstellung hat – viel linker als unsere Linke in Deutschland. Da wird ein blockfreies Frankreich gefordert, das bedeutet, man distanziert sich von der NATO und von allen anderen militärischen Bündnissen. Man möchte unter Umständen aus dem Euro und aus der EU austreten, weil man das reformieren möchte. Das sind einfach wahnwitzige Vorstellungen.
19:06 Früher hat Mélenchon ein sehr laizistisches Verständnis vertreten, also eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Er hat dann aber das Wählerpotenzial in den migrantischen Milieus erkannt, das muss man einfach ganz klar so sagen, und ist dann viel offener gegenüber dem Islam und dem offenen Ausleben des Islam im Alltag und in der Gesellschaft geworden. Und die LFI hat ein wahnsinniges Antisemitismusproblem, wirklich tief strukturell, das sie überhaupt nicht im Griff hat.
19:45 Und das kommt – das hört sich jetzt sehr klischeehaft an, aber das ist schon so – zu einem Teil aus diesen migrantischen oder islamisch geprägten Strukturen da mit rein. Das ist ein Problem, weil das wiederum Wasser auf die Mühlen der rechts außen stehenden Parteien ist, die dann immer dagegen argumentieren. Aber das ist ein Phänomen, das auf jeden Fall da ist.
20:12 Ja, du hast jetzt, sage ich mal, die Problemlage geschildert. Jetzt gab es ja aber auch ein Angebot der französischen Regierung. Es wurde reagiert und gesagt: Okay, wir machen als Reaktion ein Bildungspaket, sage ich mal. Diese komische Hochschulplattform wird ersetzt, es soll kleinere Klassen geben, andere Stundenpläne, 4 Milliarden Euro in den nächsten Jahren für Schulgebäude, geplante Kürzungen bei den Lehrkräften sollen zurückgenommen werden. Hältst du das für ein gutes Entgegenkommen?
20:44 Na ja, ich halte es zumindest für gut, dass man wirklich darauf reagiert, also dass da eine Reaktion stattfindet und man sagt: Okay, wir sehen das, wir hören das und wir tun was. Aber auf der anderen Seite reichen 4 Milliarden absolut nicht aus. Und außerdem liegen diese Schulsanierungen in Frankreich in der Hand der Regionen. Das kann man nicht zentralistisch verwalten, deshalb ist halt die Frage: Gut, was kommt dann wie an? Alles rund um die Plattform finde ich gut. Ich kann aber trotzdem verstehen, dass es den Protestierenden nicht genug ist.
21:26 Die haben ja dann 10 Milliarden gefordert und auch noch weitere Forderungen gestellt. Ja, aber Frankreich hat halt wirklich kein … Also die Staatsverschuldung in Frankreich ist halt auch irgendwie … Ja, verfahrene Lage. Die Frage ist natürlich, wie es weitergehen soll. Tja, und die Gelbwesten haben ja dann auch wieder gesagt, sie protestieren auf jeden Fall weiter, bis Macron zurücktritt oder all ihre Forderungen erfüllt werden.
21:55 Also die Frage ist: Was glaubst du, wie geht es weiter? Wird da jetzt noch länger protestiert werden, wird es so gewalttätig bleiben? Ich habe ja auch gelesen, dass es Tausende Festnahmen gibt und die Polizei mit unglaublicher Brutalität im Einsatz ist. Genau. Und es gibt auch sehr schnelle Verfahren. Viele Menschen, die geplündert und Diebstähle begangen haben, sind auch schon verurteilt worden. Das fand ich sehr interessant, weil es ja in Deutschland auch immer heißt, man müsse mit der gesamten Härte des Rechtsstaats gegen Straftäter vorgehen – wir kommen ja gleich noch auf die Lage in Deutschland.
22:35 Dort passiert das offensichtlich, meiner Meinung nach. Man geht sehr hart gegen Demonstranten vor und verurteilt sie mitunter auch sehr schnell zu Haftstrafen. So wirklich abschrecken tut das aber scheinbar nicht.
22:46 Ja, genau, das sind ja jetzt im Prinzip zwei Dinge. Auf der einen Seite gab es am Anfang dieses extrem repressive Vorgehen der Polizei, als es in Anführungszeichen nur Schülerproteste beziehungsweise wirklich hauptsächlich Schülerproteste waren, und das finde ich erschreckend. Und dann finde ich zum Beispiel, dass es genauso eine Aufarbeitung dieses Polizeivorgehens geben müsste wie bei den Verfahren, die so schnell abgehandelt werden.
23:16 Diese Polizisten – gut, da kann man sagen, das ist ihr Job, das müssen sie können – haben natürlich keine Erfahrung im Umgang mit Jugendlichen oder mit Dialogfähigkeit. Das ist da alles irgendwie nicht so ausgeprägt. Das ist mal das eine, und ich finde, das kann man auch hart verurteilen und sagen: Das ist wirklich nicht in Ordnung. Es gibt das Recht auf Demonstration, und eine Ausschreitung kann und muss man im Zaum halten. Aber es gibt ja vielleicht Gratwanderungen oder auch Stufen der Eskalation aufseiten der Polizei, und diese Eskalationsspirale ist ja extrem schnell hochgedreht worden.
24:04 Wenn man sich dann die Plünderungen oder diese massiven Gewaltausschreitungen und, wie du auch gesagt hast, einfach Straftaten anguckt, dann finde ich das eigentlich schon gut. Ich finde es auch ein gutes Zeichen, dass der Staat da symbolisiert, dass man ganz hart durchgreift und dass da auch sofort und schnell was passiert. Da kann man sich härtetechnisch auch ein bisschen was abschneiden, das finde ich richtig und gut.
24:33 Aber vielleicht noch mal ganz kurz dazu: Du hast ja bestimmt – ich weiß nicht, wie viele – Videos, Aufnahmen oder Berichte von diesen Plünderungen gesehen. Man kommt ja jetzt nicht umhin festzustellen, dass das offensichtlich nicht die Schüler waren, die da geplündert haben. Offensichtlich nicht. Sondern das sind meistens junge Männer. Junge Männer, meist migrantisch. Mit Migrationshintergrund, genau.
25:10 Und das gehört einfach zur Wahrheit dazu. Wir können jetzt nicht die ganze Banlieue-Problematik der letzten 30 Jahre in Frankreich aufarbeiten. Ich hab Zeit. Ja, weil wir heute besonders früh aufnehmen. Ich wollte die siebte Klasse noch mal wiederholen. Mal Französisch. Genau. Also auch in Frankreich wird das natürlich extrem viel diskutiert. Man hat sich das in Anführungszeichen – auch ohne das zu legitimieren – selbst zuzuschreiben.
25:40 Man hat diese Jugendlichen und grundsätzlich die sozial und strukturschwachen Banlieues jahrzehntelang vergessen. Man hat ihnen wenig Chancen gegeben, man hat da keine Bildungs- und Chancengerechtigkeit hergestellt und so weiter und so fort. Aber das legitimiert trotzdem keine Gewalt. Und da entsteht natürlich eine wahnsinnige Gruppendynamik, die auch auf einen Nährboden trifft, der dafür einfach sehr empfänglich ist. Das braucht man auch nicht schönzureden, und da braucht man auch nicht irgendwo anders die Verantwortung zu suchen. Das ist ein riesiges Problem.
26:18 Und deshalb glaube ich – das hast du mich ja eigentlich gefragt –, da wird auf jeden Fall weiter protestiert werden. Ich glaube schon, dass das abflachen wird, bestimmt, und ich glaube auch, dass diese Verurteilungen und dieses Vorgehen etwas bewirken. Aber wie du zum Beispiel auch mit den Gelbwesten gesagt hast: Das ist dann wieder der Punkt, an dem ich die Franzosen nicht verstehe, auch die nicht, die nicht an den Gewaltausschreitungen teilnehmen, sondern friedlich demonstrieren.
26:53 Weil ich mich frage: Bis Macron zurücktritt, ja gut, und was machen wir dann? Dann ziehen wir die Wahlen vor, die sowieso unter katastrophalen Sternen stehen. Das macht im Prinzip nichts besser. Auch mit der verhinderten Rentenreform: Da kann man zu Macrons Politik stehen, wie man möchte, aber die Franzosen vertragen es nicht, dass sie jetzt nicht mehr mit Anfang 60 in Rente gehen können. Gut, das haben sie geschafft, das wird nicht kommen. Das kann ich gut verstehen. Ja, das kann ich auch verstehen.
27:21 Aber weißt du, wer das nicht verstehen kann? Die jungen Leute. Auf deren Rücken wird nämlich dieses spendable Rentnerleben ausgetragen oder finanziert. Und dass das eine wahnsinnige Wut und Frustration hervorruft, ist klar. Ich finde, da könnte sich die ältere Generation wirklich ein bisschen solidarischer verhalten, und das ist etwas, was mir einfach unbegreiflich ist. Da frage ich mich ja: Wo wollt ihr jetzt hin damit? Und du, was glaubst du?
27:52 Also ich bin ehrlich gesagt unsicher, ich weiß es nicht, vor allem weil diese Wahl ja halt auch reinspielt. In anderen Zeiten würde man sagen: Ja klar, die Bildungsreform wird Macron jetzt auch nicht mehr durchbringen. Wie du sagst: Weder hat er es wahrscheinlich verbockt – so was geht ja auf Jahrzehnte zurück –, noch wird er jetzt groß was ändern können. Und wie gesagt, nächstes Jahr stehen die Wahlen an. Da muss man sowieso gucken: Wer wird dann Frankreich regieren, wofür wird Geld da sein, und werden die Prioritäten neu gesetzt?
28:30 Aber gut, ich finde es spannend und frage mich, was das für den Wahlkampf bedeutet und ob es die Wahlen vielleicht sogar beeinflussen kann, weil es ja auch nicht mehr allzu lange hin ist. Und wenn die Proteste wirklich weitergehen, dann wird das, glaube ich, ein heißes Thema.
28:46 Dann schauen wir doch mal nach Deutschland, weil ja nicht nur in Frankreich protestiert wurde, sondern auch in anderen Ländern, zum Beispiel in Italien und Albanien. In Deutschland soll nun ebenfalls protestiert werden. Da hat sich, inspiriert von den Ereignissen in Frankreich, eine Bewegung gegründet, die „Gen Z regelt“ oder „Gen Z steht auf“ heißt. Die haben jedenfalls zu Protesten aufgerufen, natürlich in den sozialen Netzwerken, aber auch auf anderen Wegen. Und protestiert werden soll erst mal groß am 31., also diesen Samstag an Halloween.
29:27 Und die haben jetzt die Werbetrommel gerührt, sage ich mal: Bis zu 115.000 Leute sollen angeblich in ganz Deutschland in vielen verschiedenen Städten auf die Straße gehen, sagt zumindest die Initiative „Gen Z regelt“, und rund 31 Städte sollen dabei sein. Und das hat eine ganz schöne Debatte in Deutschland ausgelöst. Aber nur eine Initiative? Genau, da sind viele Fragen offen. Zum einen zum Beispiel, wer überhaupt hinter dieser Initiative steht, das ist nicht so wirklich klar.
30:05 Dann sind diese Größenordnungen natürlich unklar, weil das alles erst in den letzten Tagen aufgerufen wurde. Kommen wir vielleicht mal zu den Forderungen, die diese Initiative aufgestellt hat, das sind nämlich sechs Punkte. Zum einen wollen sie mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt Kürzungen. Sie wollen ein bezahlbares Leben, und dass die Sorgen junger Menschen auf die Tagesordnung kommen. Sie sagen, Lasten sollen gerecht verteilt werden, statt immer nur bei der jungen Generation zu sparen. Es soll keine Wehrpflicht geben. Sie wollen, dass Grundrechte geschützt werden, statt dass Überwachung immer weiter ausgebaut wird. Und sie wollen mehr Klimaschutz und sagen, der wird aktuell immer weiter nach hinten verschoben.
30:44 Ich hab das gelesen und die ganzen Diskussionen gesehen, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, und hab mich gefragt: Daran ist ja mal überhaupt absolut nichts problematisch. Auch wenn man zu einzelnen Punkten natürlich unterschiedlich stehen kann – dafür kann man ja wirklich absolut legitimerweise protestieren, oder was sagst du dazu?
31:09 Ja, absolut. Und ich meine, das ist im Prinzip einfach – was heißt einfach, aber das ist zusammengefasst –, was diese junge Generation, die Generation Z und alle, die danach kommen, eben umtreibt. Und auch die Themen, bei denen sie das Gefühl haben, dass sie nicht gehört werden oder ihnen nicht zugehört wird. Beim Klimaschutz: Der Klimaschutz wird nicht nur ihre Zukunft beeinflussen, sondern ihr Leben, und sie müssen dabei zuschauen, wie darauf verzichtet wird. Sie sehen sich steigenden Lebenshaltungskosten gegenüber, und für sie ist das am schwersten zu tragen, weshalb es ihnen auch am präsentesten ist. Und so kann man immer weitermachen.
31:49 Ich weiß nicht, hast du dir mal die Webseite von „Gen Z regelt“ angeschaut? Hundertprozentig KI-generiert. Hundertprozentig KI-generiert, habe ich auch gedacht. Aber gut, was die Auflistung der Forderungen angeht – und es wird auch ziemlich viel Raum dafür verwendet, sehr deutlich aufzulisten, was bei den Demonstrationen geht und was nicht. Mehrfach wird logischerweise Gewalt abgelehnt, und man distanziert sich auch sehr vehement davon. Also die Forderungen, wie diese Forderungen artikuliert werden und auch, dass man dafür protestieren will, ist absolut legitim.
32:34 Egal, wie man es findet – wenn man es nicht legitim findet, muss man nicht mitmachen. Aber das ist die Möglichkeit und das gute Recht jedes Bürgers in einem demokratischen Rechtsstaat. Und ich würde mir mehr wünschen … Wir wissen jetzt noch nicht, wie dieser Samstag, der 31. Oktober, aussieht. Dann können wir noch mal anders sprechen, je nachdem, ob Ausschreitungen, Unterwanderungen oder Ähnliches stattfinden.
33:01 Aber ich würde mir schon wünschen – davor, parallel und auch danach, wie auch immer –, dass man sich vielleicht mal mit diesen Themen auseinandersetzt und sich fragt: Okay, was sagt uns das denn, wenn in mehreren europäischen Ländern junge Menschen von den gleichen Sorgen umgetrieben werden? Das haben sie sich ja nicht irgendwie aus der Luft gegriffen, weil sie im Zimmer sitzen und nichts zu tun haben.
33:30 Ganz im Gegenteil, man muss nur mal in die Wissenschaft gucken. Zum Beispiel gibt es die Jugendstudie der Uni Potsdam für das Jahr 2026, und da steht eigentlich alles drin, was man über das Thema wissen muss. Der Anteil junger Menschen, die angeben, dass sie psychologische Unterstützung brauchen, hat einen Höchststand erreicht: Jeder dritte Jugendliche gibt an, psychologische Unterstützung zu brauchen. Die Mehrheit der befragten Jugendlichen ist bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Sie stellen aber infrage, ob sich das in Deutschland überhaupt noch lohnt.
34:06 Der Anteil junger Menschen, die Schulden haben, hat einen neuen Höchststand erreicht, und die jungen Menschen haben Angst vor teuren Mieten und knappem Wohnraum. Jeder fünfte junge Mensch plant ganz konkret, Deutschland zu verlassen, weil im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden sind, und 40% können sich zumindest grundsätzlich vorstellen auszuwandern.
34:30 Außerdem zeigt die Studie, die repräsentativ ist für die Bevölkerung von 14 bis 29 Jahren, eine krasse Polarisierung unter jungen Menschen, vor allem zwischen den Geschlechtern. Junge Frauen entwickeln sich immer weiter in Richtung linker Politik, während junge Männer immer stärker zu rechten Positionen tendieren, zum Beispiel zur AfD. Die Autoren sagen, dadurch entsteht eine starke politische Kluft. Die Studienautorin Nina Kolleck sagt zum Beispiel: Der Protest der Jugend ist nicht laut, aber unter der Oberfläche braut sich etwas zusammen, das langfristig Wirtschaft, Demokratie und soziale Sicherungssysteme gefährden kann.
35:14 Klaus Hurrelmann von der Hertie School in Berlin, der relativ bekannt ist, sagt, die junge Generation fühlt sich in gesellschaftlichen Zukunftsfragen zu wenig beteiligt. Und er sagt, eigentlich müssten junge Menschen viel stärker an der Politik beteiligt werden, die sie betrifft, und das Ziel müsste sein, der jungen Generation mehr Vertrauen und mehr Verantwortung zu geben. Darüber haben wir schon mal in unserer Folge „Kinder: Minderheit ohne Schutz?“ gesprochen.
35:44 Ich finde das erst mal spannend, und wie gesagt, diese Befunde sind ja verheerend. Wenn die Jugend einerseits polarisiert ist, andererseits plant, Deutschland zu verlassen, und hier überhaupt kein Wohlstandsversprechen mehr sieht, dann sind das ja absolut fatale Entwicklungen. Und man muss nur in die letzten Monate gucken: Auch wenn man jetzt stundenlang darüber diskutieren könnte, ob eine Wehrpflicht notwendig ist oder nicht – in der Politik wird jedenfalls einfach diskutiert, ob man sie wieder einführen sollte, ohne dass die jungen Menschen, die das betreffen würde und die dann für Deutschland in den Krieg ziehen sollen, daran wirklich beteiligt werden.
36:29 Also so ganz ernsthaft: Wenn dann solche Studien zeigen, dass junge Menschen das vielleicht gar nicht wollen, dann bekommen wir hier, glaube ich, ein richtiges Problem. Ja, absolut, genau. Es geht also – was heißt, es geht nicht um den Inhalt –, aber es ist im Prinzip ein bisschen schablonenhaft genau dasselbe, worüber wir auch schon in mehreren Folgen gesprochen haben.
36:50 Wo man ja auch gesamtgesellschaftlich beim Phänomen der Politikverdrossenheit ist. Bei dem Problem: Wie werden Bürger überhaupt angesprochen, wie fühlen sie sich von der Politik verstanden und repräsentiert, wird ihnen zugehört, was sie empfinden oder wie sie eine Situation empfinden? Das spricht die AfD immer sehr an, und die anderen Parteien schaffen es nicht gut, das anzusprechen, oder es wird dann immer so wegrationalisiert. Und das ist hier im Prinzip genau dasselbe, nur zugeschnitten auf eine junge Generation.
37:23 Und wie du auch sagst, oder die Studienautorin: Da braut sich was zusammen. Und was sich in der Gesellschaft zusammenbraut, geht selten einfach wieder weg oder verpufft einfach. Das finde ich so verheerend, dass das überhaupt nicht gesehen wird oder dass man das einfach so beiseiteschiebt, als würde es keine Rolle spielen. Weil das ist die zukünftige Gesellschaft. Und das sind auch keine Lappalien, um die es da geht, sondern grundlegende Fragen über ihr Leben und über unser Leben. Genau.
38:02 Und genau das bringt uns ja auch wirklich zum Elefanten im Raum. Die deutsche Politik und auch die Medienlandschaft betreiben seit Tagen wieder ihren so geliebten Horse-Race-Journalismus. Als bekannt wurde, dass diese Initiative demonstrieren möchte und große Demonstrationen in Deutschland plant, ging es sofort darum, dass es hieß: Ja gut, aber Gewalt ist ja wohl absolut ausgeschlossen. Vor allem aus der Union, unter anderem vom innenpolitischen Sprecher Alexander Throm, unserem Heilbronner Abgeordneten, hieß es: Wir müssen die Gefahr sehr ernst nehmen, dass die angekündigten friedlichen Jugendproteste auch in Deutschland durch linksextreme Kräfte, Teile des migrantischen Milieus und Kriminelle vereinnahmt werden können.
38:49 Und darauf sind viele aufgesprungen, unterschiedliche Führungspersönlichkeiten aus der Union haben das bejaht. Der Spin war, sag ich mal, klar: Auch in Deutschland kann es zu Gewalt kommen, wahrscheinlich mischen sich Linksextremisten unter die Demonstrierenden, und dann passiert hier viel Gewalt. SPD und Grüne haben das ja verurteilt und gesagt, das ist einfach eine Pauschalisierung, und man muss halt auch über die Anliegen der jungen Menschen sprechen. Dann gab es noch verschiedene Zitate von Polizeigewerkschaftern und so weiter und so weiter. Es ging also eigentlich nur noch darum: Kommt es bei diesen Demos eventuell zu Gewalt oder nicht?
39:37 Und unter anderem in Stuttgart fand ich das auch sehr interessant. Da haben die IHK und die Händlerinnen und Händler der Innenstadt gesagt, die Stadt muss diese Demo verbieten, weil es zu Ausschreitungen kommen könnte. Und auch die CDU im Stuttgarter Gemeinderat hat gesagt, notfalls muss man so eine Demonstration dann eben auch verbieten. Ja, was denken wir darüber? Also ich finde es eigentlich total beschämend.
40:12 Diese ganze Debatte hat sich in den letzten Tagen immer weiter gedreht. Ihr könnt einfach mal „Proteste“ und „Gewalt“ googeln, dann findet ihr Hunderte Artikel darüber: Rechnet man mit Gewalt, wer rechnet hier mit Gewalt, mit wie viel Gewalt muss man rechnen? Da läuft gerade vieles zusammen, und es geht überhaupt nicht mehr um die Anliegen dieses Protests, darum, warum da überhaupt auf die Straße gegangen wird. Umso schlimmer finde ich aber, dass tatsächliche Warnungen irgendwie in dem ganzen Medientrubel untergehen.
40:45 Der Verfassungsschutz hat zum Beispiel auch gesagt – das wollte ich jetzt auch ansprechen –, dass er durchaus die Gefahr sieht, dass die linksextremistische Szene diese Proteste für sich vereinnahmt. Ja. Weil das auch ein gängiges Muster ist: gesellschaftlich legitimen Protest für linksextreme Bewegungen zu vereinnahmen, um sich so zu legitimieren. Und unter anderem deshalb hat auch die Bundesschülerkonferenz gesagt, sie distanziert sich von den Protesten, die am Samstag stattfinden sollen.
41:19 Weil es für sie wichtig ist, dass die Interessen der Schüler im Mittelpunkt stehen, und weil diese Proteste so undurchsichtig organisiert werden. Weil sie die Gefahr sehen, dass die Anliegen der jungen Menschen zum Spielball politischer Instrumentalisierung werden, haben sie gesagt, das können sie in dieser Form nicht mittragen, das wird diesen Forderungen einfach nicht gerecht. Und ganz ehrlich, das finde ich absolut beschämend, weil es genau das ist, was gerade passiert.
41:51 Und wenn es jetzt irgendwo irgendeinen gewalttätigen Vollidioten geben sollte, der irgendwo was anzündet, sag ich jetzt einfach mal so, heißt es: Guckt mal, das sind alles gewaltbereite Extremisten, denen geht es ja gar nicht um die Sache. Die jungen Leute, da seht ihr es ja, die können gar nicht vernünftig für ihre Forderungen einstehen, da brauchen wir gar nicht drüber zu diskutieren. Das wiederum ist aber durchaus auch die Folge davon, dass der mediale Diskurs so stark aufgeladen wurde, und zwar von allen politischen Seiten. Es hieß ja: Gewalt, da passiert wahrscheinlich Gewalt – bevor überhaupt irgendwas passiert ist.
42:25 Ich finde einfach, dadurch hat man den Protest auch schon ein bisschen delegitimiert. Und es ist natürlich auch bequem, weil man sich um die eigentlichen Anliegen, die, wie wir vorhin gesagt haben, sehr berechtigt sind, gar nicht mehr kümmern muss. Oder liege ich da komplett falsch? Ja, wie du gesagt hast, da geht einfach viel zusammen und durcheinander, und das ist dann teilweise auch so ein bisschen Self-fulfilling Prophecy.
42:46 Aber ich finde es schwierig zu bewerten, weil du den Verfassungsschutz angesprochen hast, den ich auch gerne ansprechen wollte, der eben vor diesen linksextremistischen Vereinnahmungen und Einflüssen warnt. Und ich finde, da muss man schon zuhören. Ich glaube, die Gefahr von Gewaltausschreitungen und von diesen Vereinnahmungen ist da, und auch, dass auf diesen Protesten ganz viel zusammenkommt, vielleicht auch propalästinensische Forderungen, Antisemitismus untergemischt, dass alles irgendwie zu einem Brei vermengt wird.
43:24 Nicht, dass es legitim ist, dass das passiert, aber auf diese Gefahr hinzuweisen ist legitim. Und es ist auch die Aufgabe von Behörden und Polizei, darauf ausreichend vorbereitet zu sein, hart dagegen vorzugehen und das überhaupt nicht zu tolerieren. Das hat auch der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel in diesem ganzen Horse-Race-Journalismus noch mal betont, dass da hart vorgegangen wird. So weit ist ja alles okay, das ist auch richtig, und auch die Warnungen davor sind richtig. Nicht richtig ist die Gewichtung, dass dann, wie du gesagt hast, nur noch darauf geschaut wird.
44:04 Und jetzt finde ich es total schwierig, weil das demokratisch ein total schmaler Grat ist. So kann man ja quasi alles stoppen. Es kann ja nicht sein, dass legitime Forderungen – gut, wir können die Zahl der Personen jetzt nicht benennen – und eine größere Anzahl von Personen, die protestieren wollen und dürfen, quasi delegitimiert werden von der schon davor so aufgebauschten Debatte oder den Warnungen vor einer Vereinnahmung durch Linksextremisten.
44:37 Jetzt ist es natürlich so: Da kann man sagen, okay, aber wenn die Bedrohungs- und Gefahrenlage wirklich so ist, dass das nicht hinnehmbar ist, dann muss man natürlich abwägen, ob es noch durchführbar ist oder nicht. Aber so kann man ja alles schon im Keim ersticken, und das ist schwierig. Genau.
45:01 Aber da muss ich wirklich sagen, da sind wir wirklich an einem Punkt angekommen. Du hast natürlich völlig recht, aber dann muss ich halt verdammt noch mal dafür sorgen, dass ich mit dem größten Polizeiaufgebot, das möglich ist, bei so einer Demonstration anwesend sein kann. Ich kann doch nicht vorher schon annehmen, dass da eventuell Gewalt passiert, und deswegen den Protest unterbinden. Und dass sich dann auch noch Organisationen wie die IHK hinstellen und sagen, die Händler machen weniger Umsatz, deswegen darf hier nicht demonstriert werden – im übertragenen Sinne –, das finde ich einfach nicht okay.
45:37 Hier geht es um ein Grundrecht, die Versammlungsfreiheit, und das steht auch jungen Menschen zu. Und wenn Linksextremisten versuchen, das zu vereinnahmen, dann können die Menschen, die legitim für ihre Anliegen protestieren, trotzdem erst mal nichts dafür. Da muss man echt aufpassen. Man kann nicht einfach diesen Protest im Vorhinein präventiv mit irgendwelchen Verbotsdebatten mundtot machen wollen. Das finde ich nun wirklich, wirklich krass.
46:05 Und wie gesagt, auch wir dürfen nicht den Fehler machen, nicht über diese Forderungen zu reden, weil es am Ende total berechtigt ist, wofür da auf die Straße gegangen wird, wenn das wirklich das Anliegen ist. Gewalt ist halt ein No-Go. Aber da frage ich mich ehrlich gesagt, warum die jungen Menschen jetzt schon seit Jahren immer wieder auf die Straße gehen: weil, wie gesagt, in der Politik ihre Bedürfnisse und vor allem die Zukunft junger Menschen in diesem Land überhaupt nicht mehr vorkommen.
46:39 Ja, das wäre mein nächster Take gewesen, absolut. Es ist ja eigentlich eine Frage der Zeit gewesen, und da braucht man sich auch nicht zu wundern. Am Ende des Tages ist es in einer Demokratie die Aufgabe von Abgeordneten, von gewählten Politikern in einem Parlament, die Interessen der Bevölkerung zu vertreten, und dazu gehören auch die jungen Menschen. Gut, darüber sprechen wir jetzt nicht, aber du hast auch gesagt, wir haben in der Folge „Kinder: Minderheit ohne Schutz?“ darüber gesprochen, dass es mehr direkte Mitbestimmung geben muss.
47:10 Da möchte ich jetzt noch mal dazwischenwerfen, dass es ja auch möglich wäre, diese Interessen in der Theorie zu berücksichtigen oder zumindest nicht einfach über Bord zu werfen, selbst wenn die Leute nicht mit im Raum sind. So viel über den Tellerrand denken müsste man von Abgeordneten schon erwarten. Es gibt ja auch junge Abgeordnete, dann sind die halt Ende 20, 30 oder Mitte 30. Aber das muss ja trotzdem möglich sein. Passiert nicht.
47:41 Nun gut, wir werden also mal den Samstag gespannt abwarten. Ich finde auf jeden Fall: Appelle für den Frieden und gegen Gewalt sind völlig richtig. Aber wie gesagt, die Organisatoren distanzieren sich zumindest auf ihrer eigenen Seite von Gewalt, und das muss man dann auch erst mal glauben und ernst nehmen. Und natürlich müssen Demonstranten geschützt werden, und Gewalt ist keine Option. Gut. Gut, damit würde ich sagen, warten wir den Samstag ab. Wenn ihr diese Podcastfolge hört, ist es ja gar nicht mehr so lange.
48:17 Dann kommen wir zu unserer Rubrik „Chatty fragt, wir antworten“. Chatty fragt uns diesmal: Wenn ein Comedian bei der Frage nach dem nächsten Bundespräsidenten mehr als viermal so viele Stimmen holt wie die Bundestagspräsidentin, wer sollte sich mehr Sorgen machen, Hape Kerkeling oder die CDU? Bisschen verworrene Frage. Es geht um eine Leserabstimmung von t-online, finde ich witzig. Da haben 600 Leute teilgenommen, das ist nicht repräsentativ. Aber dort landete Ilse Aigner, die aktuell als nächste Bundespräsidentin gehandelt wird, vorne, danach kam Hape Kerkeling, und auf dem letzten Platz Julia Klöckner, die aktuelle Bundestagspräsidentin von der CDU.
48:55 Hape Kerkeling besser als Julia Klöckner, die aber auch immer mal wieder als Kandidatin im Rennen war. Was meinst du? Die Debatte um das Amt des Bundespräsidenten ist für mich wie die Debatte ums Gendern. Ich will einfach nicht mehr darüber reden. Langweilig. Das ist mir mittlerweile auch egal. Auch diese Geschlechterdebatte, das hat sich alles so 500.000-mal im Kreis gedreht, und ich denke mir: Komm, ist egal. Ist jetzt egal, wer das ist. Es ist egal.
49:30 Ich würde auch wirklich liebend gerne noch Christophs Rant der Woche einschieben. Ganz so viel Zeit haben wir dafür nicht mehr, aber ich frag mich auch, was an Ilse Aigner eigentlich so toll sein soll. Wer sich noch kurz an ihre Zeit als Landwirtschaftsministerin erinnert – ich weiß, es ist lange her –: Sie hat einfach pausenlos für Massentierhaltung lobbyiert. Es gab den Dioxinskandal, es gab den EHEC-Skandal, es gab damals den Pferdefleischskandal. Da ist wirklich absolutes Behördenchaos diverser Art zutage getreten, und das fiel alles in ihre Verantwortung.
50:07 Und um das Thema Verbraucherschutz, das sie als Landwirtschaftsministerin auch noch mitverantwortet hat, hat sie sich mal gar nicht gekümmert. Aber ist doch vielleicht eine tolle Frau. Also mir kommt es so vor, als käme sie nur infrage, weil es sonst niemanden gibt und weil sie eine Frau ist. Aber passt ja. Ja, ja, aber passt. Ja, trotzdem. Und Julia Klöckner mit ihren Skandalen und ihrem Lobbyismus … Ich finde, ja, ist auch alles Schnee von gestern, und es ist auch egal. Massentierhaltung im Schloss Bellevue, ja. Genau. Okay.
50:52 Dann kommen wir noch zu unserem Cringe der Woche, würde ich sagen. Hast du einen Cringe der Woche? Bis gestern hatte ich keinen Cringe der Woche, und dann war ich noch auf der – nicht verzweifelten – Suche. Und dann ist er mir ins Gesicht gesprungen, und dann hat es mir auch ein bisschen leidgetan, weil es für alle Beteiligten besser gewesen wäre, wenn es dieses Video einfach nicht geben würde.
51:20 Und zwar muss ich leider sagen, dass mein Cringe der Woche dieses Mal an den grünen Fraktionsvorsitzenden aus Baden-Württemberg geht, Andreas Schwarz. Für ein Reel, in dem er auch mit so einer ganz cringy Gen-Z-Musik … Ich verstehe das Anliegen: Man möchte die Gen Z erreichen und so hippen, coolen Content machen. Aber das Video hat auch gar keinen Inhalt. Wahrscheinlich sind das die, die Social Media machen, keine Ahnung, oder die Praktikanten – okay, ich will die jetzt nicht delegitimieren, was auch immer eure Aufgabe ist.
51:54 Es ist so: wie wir ohne unseren Fraktionsvorsitzenden den Raum betreten, und dann, wie wir mit unserem Fraktionsvorsitzenden den Raum betreten. Andreas Schwarz ist sehr groß, der ist so zwei Meter groß, und die zwei sehr jungen Mitarbeiter sind sehr klein und stiefeln dahinter her, in so einer … Ah, es ist einfach so ganz unangenehm. Ihr könnt es euch mal angucken. Ich weiß auch nicht.
52:18 Ich glaube, da hat wahrscheinlich so eine ganz junge Maus oder ein Mäuserich den Account von Andreas Schwarz in die Hand bekommen, und es hieß: Jetzt mach mal was Cooles, damit wir ein bisschen mehr Trends machen. Und das ist ja auch voll gut, da darf auch mal was nach hinten losgehen. Aber da muss man noch mal ran und das ein bisschen an die Tonalität des Kanals anpassen. Ja, also noch mal zwei Schleifen mehr drehen. Ich bin gegen 100 Schleifen, aber das ist es nicht, nee. Andreas Schwarz ist halt auch einfach cool, ich habe nichts gegen den. Aber das … Naja. Kann er sich ja was bei seinem Chef abschauen.
53:01 Also mein Cringe war diese Woche tatsächlich total unpolitisch, aber ich habe, glaube ich, den hottesten Take zu den Protesten am Samstag gefunden und dachte, das passt ja dann auch thematisch. Bei Threads hat nämlich eine Nutzerin geschrieben: Müssen die Proteste denn unbedingt an Halloween sein, an einem Tag, auf den sich die Kinder seit Wochen freuen? Und da habe ich gedacht: Ja gut, also wenn es jetzt daran scheitert, dann ist auch wirklich alles vorbei.
53:27 Aber heute passt es uns gar nicht. Ja, heute, genau, genau, genau. Ich erinnere da mal an die Meinungsfreiheit und die Debatte beim Glücksgefühle-Festival. Ja, nee, Halloween geht nicht. Jeder muss noch mal in den Kalender gucken: Wer hat am Samstag quasi Zeit? Ja, echt, genau. Da brauchen wir vielleicht mal einen Jourfix, um den besten Demonstrationstag zu finden. Sehr gut.
53:56 Dann haben wir auch das erörtert, und dann würde ich sagen, hören wir uns beim nächsten Mal. Folgt uns auf jeden Fall auf allen Podcast-Plattformen: Bei Spotify, Apple Podcasts, YouTube Music und Amazon Music könnt ihr uns hören. Genau. Oder schreibt uns gerne, entweder per Mail, per DM auf Instagram oder hier direkt in den Kommentaren. Außerdem könnt ihr unseren Newsletter abonnieren. Der kommt immer in den Wochen, in denen kein Podcast kommt, also nächste Woche. Den findet ihr unter www.kontextundkrawall.de/newsletter.
54:24 Und da findet ihr auch noch mehr coole Infos über uns, alle unsere Folgen und weitere coole Texte. Und ansonsten hören wir uns, wie gesagt, beim nächsten Mal. Genießt das Wochenende ganz krawallfrei oder ganz voller Krawall. Oder ganz halloweenfrei. Oder auch ganz im Zeichen von Halloween. Genau, macht’s gut. Bis dann, ciao.
Laufzeit: 54 Minuten. Erschienen am 30. Oktober 2026.