Folge 22 · Kinder wachsen in unsicheren Zeiten auf und das Bildungssystem ist im freien Fall. Der Politikwissenschaftler Sebastian Kurtenbach hat bei einer Lesung in Heilbronn erklärt, warum die Bedürfnisse von Kindern untergehen – und welche Lösungen es gibt.
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Worum es geht
Der Bundestag hat Sommerpause, also nutzen wir die Gelegenheit für ein Thema, das sonst untergeht: Welchen Stellenwert haben Kinder in dieser Gesellschaft eigentlich noch? Anlass ist das Buch „Kinder – Minderheit ohne Schutz“ von Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier. Kurtenbach war im Juli bei einer Lesung im Heilbronner Literaturhaus zu Gast, veranstaltet von der aim – Akademie für Innovative Bildung und Management. Wir haben Ausschnitte von dem Abend mitgebracht.
Die These der Autoren ist unbequem: Die alternde Gesellschaft ist weder kindgerecht noch gerecht zu Kindern. Kinder sind eine Minderheit – nur eben eine ohne Lobby und ohne Schutz. Kurtenbach macht das am Jahrgang 2007 fest, der letztes Jahr volljährig geworden ist: 2008 die Wirtschaftskrise, 2015 die Flüchtlingskrise, 2020 eine Pandemie, in der die Bundesliga vor den Kitas und Schulen wieder öffnete, 2022 der Krieg in der Ukraine, 2025 die Debatte über die Wehrpflicht, geführt über ihre Köpfe hinweg. Für diese Generation ist Krise der Normalzustand.
Dazu die Zahlen: In Deutschland gibt es doppelt so viele Über-60-Jährige wie Kinder, jeder vierte Euro im Bundeshaushalt geht in die Rente, Ende des Jahrzehnts sollen 80 Prozent für Rente, Rüstung und Zinsen draufgehen. Wir sind uns uneinig darüber, wer diesen Konstruktionsfehler eigentlich ausbaden soll. Und wir sprechen über Lösungen: Schulen als Community-Zentren, Zukunftsräte, Wahlalter 16, Kinderrechte ins Grundgesetz.
Diese Fragen stellen wir
- Warum sind Kinder eine Minderheit?
- Was hat der Jahrgang 2007 erlebt, und warum glaubt diese Generation nicht mehr ans Wohlstandsversprechen?
- Wie groß ist die demografische Schieflage – und was heißt das für den Bundeshaushalt?
- Warum sind mehr Kinder keine Lösung?
- Wer soll den Konstruktionsfehler im Rentensystem ausbaden: das System oder der Einzelne?
- Was würde es bringen, Schulen zu Community-Zentren zu machen?
Kapitel
- 00:32 – Warum wir über Kinder sprechen müssen
- 06:18 – Jahrgang 2007: Kindheit im Krisenmodus
- 21:13 – Demografie: doppelt so viele Über-60-Jährige wie Kinder
- 28:42 – Systemfehler oder Zumutung? Unser Streit über die Rente
- 34:34 – Warum „einfach mehr Kinder“ nichts löst
- 42:04 – Lösungen: Schulen als Community-Zentrum?
Relevante Quellen
- Lesung von Sebastian Kurtenbach von aim und Literaturhaus Heilbronn
- Das Buch zur Folge Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach, Klaus Peter Strohmeier: Kinder – Minderheit ohne Schutz. Aufwachsen in der alternden Gesellschaft, Kiepenheuer & Witsch 2025 https://www.kiwi-verlag.de/buch/aladin-el-mafaalani-sebastian-kurtenbach-kinder-minderheit-ohne-schutz-9783462007527
Transparenzhinweis: Die Lesung von Sebastian Kurtenbach, über die wir sprechen, ist von der aim Heilbronn veranstaltet worden, Christophs aktuellem Arbeitgeber.
Automatisches Transkript dieser Folge
00:00 Hallo, hier ist Christoph und ich habe einen kleinen Hinweis in eigener Sache für euch. Künftig gibt es Kontext und Krawall nämlich nicht nur als Podcast, sondern auch als Newsletter. Darin geben wir euch einen Überblick über die Themen der aktuellen Folge und was sonst noch so passiert ist. Freut euch also auf Hintergründe, Meinungen und hin und wieder kurze Interviews zu aktuellen politischen Themen, der Kontext-und-Krawall-Newsletter erscheint zweimal im Monat, immer eine Woche nach der aktuellen Podcast-Folge der erste Newsletter erscheint am 28. August. Also meldet euch unbedingt an, um nichts zu verpassen. Das könnt ihr am besten auf unserer Webseite kontextundkrawall.de.
00:32 Alles klein und zusammen. Dort findet ihr das Formular zum Anmelden. Wir freuen uns auf euch und jetzt geht’s los mit der Folge Kontext und Krawall der Politik-Podcast mit Marie und Christoph Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Kontext und Krawall. Ich bin Christoph und Marie ist auch wieder dabei genau hi, wir haben heute ne kleine Sonderfolge weil wir sind mitten in der parlamentarischen Sommerpause, der Bundestag und der Bundesrat haben Ferien, quasi. Und wir richten unsere Urlaubszeit auch immer danach aus. Ganz genau. Und Marie ist aktuell nicht da, deswegen ist die Folge voraufgezeichnet. Marie ist, wenn ihr das hört, hoffentlich noch nicht im Atlantik versunken, ja.
01:23 Das wird schon klappen. Das wird schon klappen. Irgendjemand holt dich schon raus und. Schmeißt mich nicht rein. Genau, vielleicht noch eine kleine Lanze für die Abgeordneten brechen. In der Regel sind die in der Sommerpause, auch wenn es schön klingt, in ihrer Heimat, in den Wahlkreisen und sind dann den ganzen Tag auf Veranstaltungen, ein paar Wochen Urlaub haben die zwar auch, aber ich glaube. Von deren Arbeitszeiten wollen wir uns lieber nichts abschneiden. Wir nutzen aber die Gelegenheit, um über n wichtiges anderes Thema zu sprechen, nämlich das Thema Kinder und welchen Stellenwert die eigentlich in unserer Gesellschaft haben heutzutage. Und Spoiler Alert.
02:04 Das betrifft nämlich wirklich uns alle, auch die, die gerade in Rente sind und auch die, die keine Kinder haben. Die Idee kam uns nämlich, weil es zu genau diesem Thema ein Buch gibt, das heißt, Kinder Minderheit ohne Schutz geschrieben haben es die 3 Politikwissenschaftler und Soziologen Sebastian Kurtenbach. Aladin El-Mafaalani und Klaus Peter Strohmeier und Sebastian Kurtenbach war im Juli bei einer Lesung im Heilbronner Literaturhaus, die von der aim veranstaltet wurde. Das ist die Akademie für innovative Bildung und Management und als Disclaimer auch mein aktueller Arbeitgeber, aber ich habe mir die Lesung einfach so angeschaut und wir sprechen ein bisschen drüber und hören auch ein paar Ausschnitte daraus.
02:46 In dem Buch geht es nämlich ziemlich zur Sache. Es wird nicht lange rumgeschwafelt das mag ich ja sowieso gerne, sondern schon im Vorwort bekommt man jede Menge Fakten um die Ohren gehauen und die wichtigste These der Autoren ist unsere alternde Gesellschaft in Deutschland ist nicht kindgerecht und sie ist auch nicht gerecht zu Kindern, das ist tatsächlich der erste Satz. Und es führt zu dem Problem, wie die Autoren eben feststellen, dass Kinder eine Minderheit sind, die aber keinen Minderheitenschutz genießt in Deutschland, weil wir kennen es, Minderheiten, die haben eigentlich immer Lobbygruppen, die für sie halt arbeiten und alles und Kinder fallen aber so n bisschen hinten runter und bevor wir gleich tiefer einsteigen, mag ich dich kurz fragen, wir sind beide in unseren Zwanzigern und Dreißigern. Haben keine Kinder, beobachten das aber natürlich im Freundeskreis und was in der Politik und in der Welt so passiert.
03:37 Wie ist es bei dir, welche Berührungspunkte hast du, sag ich mal zu Kindern und deren Lebenswelten heutzutage. Also ich hab um ehrlich zu sein nicht so viel Berührungspunkte mit Kindern. Also ich wohne gegenüber von einem Kindergarten, immerhin. Und das ist sehr laut und das ist genau, ich wohne gegenüber von einem Kindergarten und ich begegne, wenn ich zur Bahn laufe, sehr vielen Schulkindern und dann denke ich immer, boah, hätte ich jetzt keinen Bock, in die Schule zu gehen und ansonsten gibt es natürlich auch ein paar kleine Wesen schon in meinem Freundes und Freundinnenkreis, die sehr süß sind, und das ist so, ja, das sind meine Berührungspunkte mit Kindern, also.
04:23 Ja. Klar also bei mir sieht es so ähnlich aus. Ich hab noch keine großartigen wie du sagst man man weiß zwar OK es gibt hier Kitas und Schulen im Umkreis, es gibt Kinder im Bekanntenkreis, aber das ist ja noch mal was anderes, man hat halt keine Verantwortung für die sag ich mal und man kann gut durchs Leben kommen, auch in unserem Alter, ohne dass Kinder ne Rolle spielen. Witzig finde ich das Beispiel wählen. Man geht ja eigentlich immer in der Grundschule wählen und da ist mir auch schon so seit Jahren aufgefallen, ich gehe in verschiedene Grundschulen wählen und wenn man dann am Wahlsonntag bei der Europawahl oder Bundestagswahl rein Wahl mal reinsteppt, denkt man sich ah so sieht ne Schule heutzutage.
05:05 Und da und da will ich, da will ich noch kurz was zu sagen, weil ich hatte vor kurzem zehnjähriges Abitreffen. Und da waren wir auch in unserer logischerweise alten Schule, die jetzt aber neu gebaut wurde. Also es ist n ganz neues Gebäude, auch wenn es noch nicht ganz fertig ist und schon da, und ich glaube, das liegt nicht nur dran, dass es n neues Gebäude ist, sondern es wär auch in dem Alten so gewesen, hat man ja sofort. So n Fremdkörper gefühlt und man fühlt sich überhaupt nicht mehr Teil dessen. Das ist natürlich auch irgendwie normal, aber ich find das wirkt wirklich als würde man in so ne andere Welt eintreten, mit der man sogar nichts mehr zu tun hat.
05:43 Also es ist gar nicht wieso n integrativer Bestandteil von. Ja, von von der Gesellschaft hört sich jetzt irgendwie hart an, aber das ist wirklich so. Menschen wie wir und wir, die ihr Studium. Schon durchgebracht haben die schon erste Jahre Berufserfahrung gemacht haben, die schon erwachsen sind. Das ist einfach so weg. Wir stehen mitten im Erwachsenenleben und haben trotzdem keinerlei Berührungspunkte mit Kindern. Das ist der Lehrer, geht es anders, die kommen da ja dann nie raus. Ja, genau. Das ist aber was anderes. Mir geht es auch in meinem aktuellen Job anders, ist heute aber nicht das Thema, es geht sage ich mal um die breite Bevölkerung, das ganze soll das ja nur so ein bisschen verdeutlichen, dass.
06:18 Ja, die vielleicht die Probleme, die Lebenswelten von Kindern auch einfach ein bisschen ja untergehen, weil die Berührungspunkte fehlen und man vielleicht nicht weiß, was sind jetzt die Dinge, die Kinder gerade beschäftigen und bei seiner Lesung hier in Heilbronn hat Sebastian Kurtenbach mal aufgezeigt, wie ja schwierig so ein Kinderleben heutzutage sein kann, und er hat es am Jahrgang 2007 festgemacht. Also Kinder, die 2007 geboren sind, haben letztes Jahr ihren 18. Geburtstag gefeiert. Ach, krass. Die sind also erwachsen und haben ihre Kindheit quasi durch. Ich hab wie gesagt n paar Ausschnitte aus der Lesung mitgebracht und ich würde sagen, wir hören da einfach mal rein, wie es dem 2007er-Jahrgang ergangen ist. Wir.
07:04 Machen uns einmal klar, was diese jüngere Generation durchlebt hat. Denn für diese junge Generation, die jetzt langsam die Schulen verlässt und die Hochschulen kommt, ist Krise der Normalzustand. Das normale Lebensgefühl des Aufwachsens, und das ist bei demjenigen, die jetzt erst in die Schule kommen, auch nicht dran ist. Unsere 2007er waren etwa sieben, acht Jahre alt, als viele Geflüchtete aus dem Nahen Osten nach Deutschland gekommen sind – der lange Sommer der Migration 2015, der endete mit den Übergriffen auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht. Was haben unsere 2007er damals erlebt? Sie haben erlebt, dass ihre Schulen …
07:47 … Erwachsene orientierungslos waren und keiner genau wusste, wie es weitergeht. Es hat relativ lange gebraucht, bis die Alltagsorte von Kindern wieder in ganz normalen Strukturen funktioniert haben, ob sie gut funktioniert haben, auch zur damaligen Zeit reden wir noch drüber, aber bis wieder so ne Art Normalbetrieb eingezogen ist. Kinder haben die Zuwanderung von Geflüchteten viel intensiver erlebt als fast jede andere Gruppe. Dann sind unsere 2007er etwa 13 Jahre alt geworden. Und was haben sie erlebt? Die Corona-Pandemie. Es gab 2 Gruppen, 2, die wir in der Pandemie wirklich schlecht behandelt haben, die eine Gruppe waren ältere Menschen in stationären Einrichtungen, nicht das Thema des heutigen Abends, gehört aber trotzdem dazu, weil wir wollen ja nicht blöd sein, wir haben unsere alten Menschen in Pflegeheimen alleine sterben lassen, und das ist durchaus ein Thema für diese Gesellschaft, gehört nicht zum heutigen Abend, aber mit dazu. Eine zweite Gruppe haben wir wirklich schlecht behandelt, und es wird Sie nicht wundern, dass ich das heute Abend sage, das sind die Kinder. Wir müssen uns immer klar machen, was wir in der Pandemie gemacht haben, wir haben zuerst den Spielbetrieb in der Bundesliga wieder aufgenommen, bevor wir den Spielbetrieb in Kitas und Schulen wieder aufgenommen haben und das gar nicht aus böser Absicht, sondern durchaus mit gesellschaftlicher Mehrheitsmeinung. Und die Folgen davon tragen wir bis heute. Wenn sie sich anschauen, was dann kurz nach der Pandemie passiert ist.
09:12 Diese Programme aufholen nach Corona war im Prinzip das Doppelte an Leistungen, was die Kinder in einem Jahr haben zu bringen zu bringen haben, als in einem normalen Schuljahr, ohne dass man zum Beispiel darauf Rücksicht genommen hat, dass Kinder, die dann vielleicht in der siebten Klasse waren, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus der Klasse noch nie live gesehen haben. Darüber wurde sich überhaupt nicht, darüber wurde überhaupt keine Gedanken gemacht. Und dann sind die 2007er 16 geworden. Was haben Sie erlebt? Russlands Überfall auf die Ukraine – und wieder waren ihre Schulen, waren die Erwachsenen orientierungslos und durchaus zog Kriegsangst durch Europa, die uns denke ich bis heute in den Knochen sitzen, Unsere 2007er sind im letzten Jahr dann 18 geworden und was haben sie erlebt, ohne sie zu fragen, ohne einen Dialog wurden die Voraussetzungen geschaffen, die Wehrpflicht wieder einzuführen. Sie werden von mir nicht hören, ob ich das richtig finde oder falsch.
10:05 Ich kann das nämlich überhaupt nicht beurteilen, ich bin kein Sicherheitsexperte, ne, ich bin Professor für Sozialpolitik, was ich aber beurteilen kann ist, wie mit jungen Menschen angegangen wird und das ist nicht besonders gut, vielleicht erinnern sie sich, dass es im Sommer des letzten Jahres einen populistischen Vorschlag gab, den ich mich explizit nicht anschließe, eines Kölner Ökonoms, der gesagt hat, ein Pflichtjahr für ältere Menschen, bevor sie in die Rente gehen, diese Debatte hat vielleicht 2 Wochen gehalten, danach war sie vom Tisch. Junge Menschen haben erlebt, dass die Voraussetzungen, die Wehrpflicht wieder einzuführen, geführt worden sind, ohne dass sie überhaupt großartig beteiligt wurden. Er hat zum Beispiel der Bundespräsident bei allem Respekt vor dem Amt im Prinzip gesagt, Das ist jetzt zu tun, Punkt, So würden wir mit kaum einer anderen Gruppe in dieser Gesellschaft umgehen. Es gab keine Diskussion. Okay also das klingt ja schon ziemlich krass, wenn das seine Kindheit ist.
10:55 Wenn ich es auch mit meiner Kindheit vergleiche. Wir beide haben das Ganze natürlich auch erlebt, aber als junge Erwachsene sag ich mal als Jugendliche und junge Erwachsene, bei Kindern ist es aber natürlich gewissermaßen auch was anderes, ne, sie wachsen in dieser Welt auf, sie lernen gerade erst noch, sie haben andere Bedürfnisse, sie nehmen das vielleicht auch alles anders wahr, sie verstehen vielleicht auch weniger, sag ich mal n Kriegsgeschehen, also unabhängig davon, ob wir das jetzt so wirklich verstehen, aber ja, Ängste sind vielleicht größer. Was meinst du also, wie blicken Kinder, die das alles miterlebt haben, jetzt die 2007er oder wie auch immer denn auf ihre Kindheit zurück? Und wie unterscheidet sich das auch zum Beispiel von Deiner?
11:35 Also ich glaub das ist natürlich. Ganz, ganz viel ausmacht und den größten Unterschied macht. Auf jeden Fall denke ich die Corona-Pandemie und auch da wenn man sagt man hat so viel anderes wieder aufgemacht und die Schulen nicht und da hat man die Kinder und Jugendlichen wirklich allein gelassen, das finde ich wirklich was was nicht zu unterschätzen ist und was man gar nicht groß genug machen kann, da ist ja schon mehr oder weniger Einigkeit mittlerweile, dass da wirklich viel zu wenig durchdacht, zu rabiat, zu was auch immer gehandelt wurde und. Das ich meine, das sehen wir bis heute. Psychische Erkrankungen bei denen, die damals Kinder und Jugendliche waren, sind viel häufiger, Angstzustände nehmen zu, Depressionen oder depressive Verstimmung und so weiter deshalb glaube ich, kann man sich gar nicht vorstellen.
12:29 Also ich kann es mir nicht, ich möchte darüber, ich weiß gar nicht, inwiefern ich darüber urteilen kann, weil ich nicht weiß, wie sich das anfühlt, wenn man in so einer Zeit, in der man noch so geformt wird von der Welt und sich halt formt, wenn da einem so viel weggenommen wird und ich auch nicht. Ich frag mich auch oft, wie wäre das für mich gewesen. Und wie sehr. Also ich will jetzt nicht die Verantwortung auf die Kinder schieben, aber hängt, das ist natürlich auch sehr personenabhängig, wie gut oder schlecht kann jemand mit sowas umgehen, aber ich würd gern noch kurz was zu was anderem sagen, das ist vielleicht nicht so individuell auf die Kinder bezogen, aber ja wenn man nach kindgerechter Gesellschaft fragt.
13:09 Natürlich ist das alles nicht kindgerecht und natürlich macht das Kindheit und Jugend schwierig, aber das sind ja externe Schocks, wenn man es mal so betiteln will. Das ist ja nicht, das ist ja kein Faktor, der sich aufgebaut hat und zu Ungerechtigkeit, da kommen wir bestimmt auch noch zu, und das gibt es auch zu Ungerechtigkeit gegenüber dieser Gruppe geführt hat, das trifft die sehr hart, weil Kinder und Jugendliche natürlich eine ganz andere, vulnerable Gruppe sind, aber ist hat das was mit? Mit kindgerechter Gesellschaft zu tun wenn das durch so einen externen Schock verursacht wird. Ist eine gute Frage, also der Umgang vielleicht das nicht, aber ich sage mal so, für mich folgt daraus schon, dass man vielleicht auch an diese Generation nicht dieselben Erwartungen stellen kann, ja, weil zum Beispiel ja einfach andere, andere Erlebnisse gemacht wurden, ja.
14:05 Ich denke, in der Schule ist es wahrscheinlich keine Entschuldigung für Kinder gewesen. Ja, wenn sie schlechte Noten bekommen haben, ja oder im Zeugnis hatten, weil sie mit dem Homeschooling nicht klargekommen sind, ja, oder wir sehen ja, dass es für viele ganz schwierig ist, wenn sie die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, wenn sie von der Schule abgehen, und dadurch haben sie dann natürlich automatisch schlechtere Chancen, weil sie vielleicht schlau genug wären fürs Gymnasium, aber da einfach nicht hinkommen wegen den Sprachkenntnissen, ja. Danach fragt aber niemand im Berufsleben später ja, also wenn wir zu den Themen, kommen wir später zu Fachkräftemangel und so weiter und auch die Erwartungen ja in einer hyperflexiblen Welt, sage ich mal, sich auch immer weiter anzupassen, so vielleicht müssen wir einfach auch ja, also die Frage ist eher, ist da so dieses Verständnis dafür da, darum geht es ja eigentlich ja, also. Wissen Erwachsene heutzutage ja, was Kinder so eigentlich durchmachen?
15:01 Ich fand es zum Beispiel krass, dieses, das mal so aufgezeigt bekommen, so zu bekommen, an einem Jahrgang so ne komplette Kindheit so durchleben, an die diese Weltkrisen ja beinhaltet, weil ich kann es mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen. Ja, also. Ich weiß nicht, was mit mir gemacht hätte, wenn in meiner Klasse ganz viele Kinder wären, die meine Sprache gar nicht gesprochen hätten. Ja, also das gab es zum Beispiel einfach nicht, muss man ganz ehrlich sagen, in meiner Kinder gab es in meiner Klasse gab es keine Kinder mit Migrationsgeschichte in erster Generation, also die selber Migrationsgeschichte hatten ja Schule von zu Hause während der Corona-Pandemie kann ich mir auch kaum vorstellen und ich habe vielleicht noch ein anderes Beispiel wie wieso ein Schock, du sagst es sind externe Schocks, das stimmt natürlich, aber. Aber wie sehr einen das prägen kann, ist ja auch dieses Beispiel des 11.
15:51 Septembers. Ne, da war ich 7 Jahre alt, also auf jeden Fall noch ein Kind. Ja, und trotzdem ist ja bei dir wahrscheinlich ähnlich, hat man das noch so präsent im Kopf, oder? Extrem präsent und auch den Irak und auch den Irakkrieg. Genau. Und. Wenn man das mal. Vergleicht ja. Genau, wenn man das mal vergleicht. Also also einfach ein absoluter Ausnahmezustand, ja, und wie gesagt das das das war bei mir im Kindesalter zum Beispiel der 11. September und wenn wir jetzt eben diese diese ganzen Ereignisse so zusammenzählen, ja, also da haben die Kinder einfach viele in den letzten Jahren, die aufgewachsen sind, natürlich einfach viele Schocks auch mitbekommen, ja auch wenn es externe Schocks waren, komm mal weiter, ja.
16:37 Sebastian Kurtenbach hat dann nämlich gleich weitergemacht und hat gesagt, gut, diese Leute, die dann 18 geworden sind, die kommen dann natürlich ins Studium und er stellt all seinen Studenten die gleiche Frage. Glaubt ihr, dass ihr mit einem Bachelorabschluss in 10 Jahren euch Wohneigentum leisten könnt und die Antwort ist natürlich nicht. Nein, du wirst kein Wohneigentum besitzen. Das ist aber ein Riesenproblem, weil Wohlstand durch Bildung, hat er gesagt, ist quasi das Versprechen, dass die Bundesrepublik den Menschen gibt. In den USA ist es zum Beispiel Wohlstand durch Arbeit, ne der American Dream. Aber bei uns ist es ja streng dich an, lern was Gescheites.
17:15 Ja dann bringst du es auch zu was du kriegst, aber kein Wohneigentum mehr. Ja wenn du studierst, die Rente ist nicht mehr sicher, du musst vielleicht immer länger arbeiten und ja, jetzt haben wir wie gesagt auch vielleicht noch n Wehrdienst dazu und all das führt eben dazu. Dass junge Menschen eben einfach an dieses Wohlstandsversprechen nicht mehr glauben. Ja, im Gegenteil. Also wenn, dann sind wir ja noch eher bei Wohlstand durch Arbeit als bei Wohlstand. Durch Bildung würde ich sogar fast sagen, weil es gibt. Und ich möchte das überhaupt nicht mindern. Man hat ja das ja ist jetzt ne andere Diskussion, aber das quasi ne Überakademisierung stattfindet, dass es ganz, ganz viele leere, nicht besetzte Ausbildungsplätze und Berufe gibt und dass man da eigentlich viel mehr Leute braucht und ja eigentlich die Qualität der Ausbildung so zurückholen will, gut, das ist ja aber ein anderes Thema, aber damit will ich sagen, es gibt ganz viele Fachkräfte, Berufe gerade in Richtung der Industrie, da kann man jetzt auch sagen gut, aber wohin entwickelt sich das?
18:11 Es ist sehr gut bezahlt, im Gegensatz zu vielen Geisteswissenschaften Sozialwissenschaften, die einen oft in Berufe führen, die ja nicht von Reichtum geprägt sind. Da weiß man natürlich auch davor, aber dieses lineare Bildung gleich Wohlstandsversprechen. Das, finde ich, gibt es nicht. Aber ist ja ein Riesenproblem. Also wenn wir dem zustimmen, das sage ich mal, Haus, Wohnung, ich sage noch Familie, füge ich noch hinzu, die Rente irgendwann, dass das alles Faktoren sind, die Deutschlands Wohlstandsversprechen beschreiben, dann frage ich mich wie. Ja, da kann ja aber jemand, der seinen 18. Geburtstag feiert und sage ich mal ins Leben, startet, ja nicht dran glauben.
18:51 Während jetzt aktuell gerade ganz viele politische Vorhaben umgesetzt werden, hören wir von zum Beispiel der Bundesregierung, ja, wir müssen unseren Wohlstand erhalten, da fragen heutige junge Erwachsene vielleicht einfach zurück, ja, welchen Wohlstand eigentlich? Also ich glaube, das kann ja nicht gemeint sein. Genau. Ich glaube, das Gefühl, was so was so entsteht und wenn es gerade so um Wohlstand geht durch Arbeit, dann ist das vielleicht ein Gefühl, mit dem wir uns, auch wenn wir älter sind, schon noch so tendenziell identifizieren können, weil das streift uns schon auch, dass alles, was da so daran vorbeigeht, ich glaube, das, was in den Köpfen von ganz vielen jungen Menschen ist, dann so, ja, der Wohlstand ist nicht Wohlstand, der mir zurückgegeben wird oder von dem ich, an dem ich partizipieren kann, das. Sondern der Wohlstand, von dem gesprochen wird. Oder der vermeintliche ist quasi der irgendwie Erhalt oder Notfallplan von Systemen, die nicht mehr funktionieren, aber weitergeführt würden werden.
19:50 Und damit meine ich das Rentensystem immer mehr auch das Sozialversicherungssystem, was immer teurer wird und man aber, da das merken ja auch schon junge Menschen, dabei steigen Beiträge, aber man hat das Gefühl, die Leistung geht zurück, die Versorgung ist. Nicht gut oder schlechter und das ist einfach ein Problem, weil das führt zur Resignation, dass man denkt, ja, weiß ich jetzt auch nicht. Ja, und wie du sagst: dass du heutzutage in in in einen Job startest und weißt: den mache ich bis zur Rente. Ja, wo gibt es das eigentlich noch? Ja, für junge Menschen ist das ganz klar, dass das überhaupt nicht ausgemacht ist. Während die anderen Generationen unsere Eltern zum Beispiel, ja, da kann es durchaus zutreffen.
20:32 Die haben vielleicht nach der Ausbildung nach dem Studium einen Job angefangen und den bis zur Rente durchgezogen. Ja, das alles nur, um so ein bisschen das Ganze zu illustrieren, in welcher Welt junge Menschen heute aufwachsen, ja, und dass diese Unsicherheit aus der Kindheit gerade weitergeht im Erwachsenenleben, weil, was dahinter ja eigentlich eigentlich steckt, und da hat Sebastian Kurtenbach und auch das Buch, da gibt es dann ganz viele Zahlen. Was dahinter eigentlich steckt, ist der demografische Wandel. Ne ist ja immer so n Fachbegriff wenn man es hört schläft man schon halbe ein, aber es heißt immer ja das ist n Problem der demografische Wandel ja aber was heißt das eigentlich?
21:13 Ich fand es extrem spannend es wirklich dann mal so vor Augen vor vor Augen geführt zu bekommen. Weil gefühlt wird ja auch seit Jahren drüber geredet. Also ich habe auch schon in der Schule gelernt, also die. Pyramide, die hat ja wohl jeder schon im Schulbuch gesehen. Genau die hat jeder schon mal gesehen. Ich glaube, inzwischen ist es der Dönerspieß, der deutsche Dönerspieß oder so heißt es so, als es aussieht, wieso? Na ja egal, da gibt. Es meistens so 3 Schaubilder nebeneinander. Ja ja, früher war die Pyramide und dann war der. Kurz zusammengefasst, wie sieht die Gesellschaft aus oder wie hat sie sich entwickelt? Ich will euch jetzt keine endlosen Zahlen um die Ohren hauen und Versuch deswegen so wenige zahlen wie möglich zu nennen, ja. Wenn ihr 1964 geboren seid, dann gehört ihr zum geburtenstärksten Jahrgang, den es in Deutschland jemals gab. Und wo ist meine Mama geboren?
22:02 Das ist doch schön. Also es gibt ganz viele Menschen da draußen, die im selben Jahr geboren sind wie deine Mama, so viele wie in keinem anderen Jahrgang. Seitdem ging es bergab in Deutschland, damals kamen jedes Jahr eine halbe Million mehr Babys zur Welt, als Menschen gestorben sind, das heißt, jedes Jahr war unterm Strichen plus. Seitdem geht es bergab. Nicht weil die Leute keine Kinder mehr bekommen, also gar keine mehr, sondern weil es einfach weniger Familien mit 3 und mehr Kindern gibt. Also die Kinderlosigkeit ist eigentlich relativ stabil, eigentlich seit Jahrzehnten, es sind nur 20%, aber es gibt einfach weniger Familien, die 3 Kinder und noch mehr haben.
22:39 Oft wird auch gesagt, die Antibabypille ist schuld. Das ist auf jeden Fall mindestens umstritten. Es ist wohl eher so, dass sie diese ganze Entwicklung beschleunigt. Hat ist auch das ganz. Also das möchte ich jetzt das da gehen wir jetzt mal wieder 2 Schritte zurück, die Antibabypille ist sicher nicht schuld an irgendwas, die hat wenn dann nur selbstbestimmtes Verhalten von Frauen begünstigt oder verstärkt Schuld ist nicht das richtige Wort. Ja gut, gut, danke für den Hinweis auf jeden Fall. Was bedeutet das Ganze? Das bedeutet, Deutschland wäre halt über die Jahre immer weiter geschrumpft und dieses Rentenproblem wie gesagt, die Bevölkerungspyramide hätte sich brutal verschärft, ja nur durch Migration ist dieses Problem nicht so schlimm geworden, wie es hätte sein können und die Zahlen sind relativ stabil geblieben, die Lage ist natürlich trotzdem katastrophal.
23:30 Schauen wir aufs Jahr 2024. Was auch noch heute so ist. Das Verhältnis. Es gibt doppelt so viele Menschen, die über 60 Jahre sind, wie es Kinder gibt, doppelt so viele Menschen, die 60 sind, wie es Kinder gibt. Früher sterben hilft. – Schwarzer Humor, aber im Ergebnis stimmt es prinzipiell. Aber die Leute leben immer länger, was auch noch dazu kommt, ist in den nächsten 10 Jahren gehen mehr als 13 Millionen Erwerbstätige in Rente. Bedeutet natürlich, dass der Bund, also wir alle, mit unseren Steuern dafür sorgen müssen, dass all diese Menschen, die in Rente gehen, eine gute Rente bekommen, weil sie haben ja Ansprüche erworben in ihrem Leben. Und ja, Sebastian Kurtenbach hat dann in der Lesung so ein bisschen skizziert, wieviel Geld die Bundesrepublik Deutschland eigentlich ja dafür ausgibt für alte Menschen. Wenn wir uns mal anschauen, wofür die Bundesregierung so Geld ausgibt, haben die haben, die ein Budget für etwa 524 Milliarden Euro.
24:38 Und davon gehen 127 Milliarden, also fast jeder vierte Euro, mittlerweile ein Steuerzuschuss in die beitragsfinanzierte Rente. Bereits heute geht jeder vierte Steuer Euro in die Rente, weil die eigentlich beitragsfinanziert ist, Tendenz deutlich steigend. Die Boomer-Generation geht jetzt erst in Rente, die geburtenstarken Jahrgänge mit mehr als einer Million Geburten pro Jahr heute gehen wir auf gut die Hälfte der Geburten zu, ne. Also das ist das ist das, was wir hier im Moment Mittel ausgeben. Und wenn die mittelfristige Finanzplanung stimmt und wie, wie, wie gesagt, wenn Sie mir nicht glauben, glauben Sie es den Wirtschaftsforschungsinstituten, wenn die mittelfristige oder die Bundesfinanzministerium, wenn die mittelfristige Finanzplanung stimmt, gehen wir Ende des Jahrzehnts 80% des Bundeshaushalts aus für Rente, Rüstung und Zinsen.
25:23 Das ist da, wo wir landen werden, so 2029. Und das ist gar nicht mehr so lange hin. Bereits heute geben wir auf Bundesebene mehr Geld für die Zinszahlungen auf Schulden aus als für Bildung, das ist das, wo wir auf der Bundesebene sind, ich weiß, Bildung ist Ländersache, aber der Bund gibt mittlerweile relativ viel Geld, auch in Zuschüssen, beispielsweise in den frühkindlichen Bereichen, das ist die sozialpolitische Schieflage, das. Er hat es also noch mal aufgedröselt: Ein Viertel des Bundeshaushalts fließt in die Rente, 13 Millionen Arbeitnehmer gehen bald in Rente, und es gibt doppelt so viele 60-Jährige wie Kinder.
26:00 Glaubst du, den Leuten ist eigentlich bewusst wie wie groß das Ausmaß dieser Katastrophe ist? Na ja, nee, weil ich glaube, das ist halt ein bisschen so was, das siehst du ja jetzt nicht. Also es ist einfach sehr schwer, sich das. Bildhaft vorzustellen, so die Dimension, die Menge. Wie auch immer. Stell mal 13 Millionen vor dich hin, dann würde man sich oder die andere, wenn man so sehen könnte, bildhaft okay die Gruppe ist so und so groß und nimmt auf einem Platz so und so viel Raum ein und die andere Gruppe nimmt aber so viel mehr Raum ein, dann könnte man sich das vielleicht vorstellen, aber an sich glaube ich nicht und ich glaube auch, dass das was ist, was dann so ist so. Also klassische Reaktionen von hier haben. Und jetzt kann man jetzt halt auch irgendwie so schwer lösen. Es gibt auch Länder, in denen ist das Verhältnis jetzt schon noch schlimmer.
26:52 Südkorea ist da immer so ein Beispiel, Japan ist ein Beispiel, das hat natürlich auch Folgen für die Politik, ne, also man muss sich natürlich nicht wundern, dass Politik für vor allem alte Menschen gemacht wird, und es heißt ja gut, die Rentenerhöhung ist sicher, da kann ich gekürzt werden, aber wir kürzen bei Sozialausgaben an anderer Stelle. Wenn das einfach die größten Wählergruppen sind. Ja, also da haben wir natürlich auch ein demokratisches Problem. Ich bin jetzt natürlich nicht so ganz einverstanden, weil natürlich im Ergebnis ist es in Südkorea so, das ist das klassische Beispiel. Aber da fände ich es schon auch wichtig. Da haben wir jetzt keine Zeit dafür, zu sich gesellschaftlich und strukturell zu fragen, woher kommt das, warum wollen da immer weniger Frauen Kinder bekommen, das ist ja auch eine gerade in Südkorea eine sehr, ich sag mal, aktive Bewegung, eine sehr bewusste und auch eine vehemente Entscheidung, wo Frauen da, ich sag mal, einfach ihr Leben allein verbringen möchten, und das hat ja schon auch Gründe, also die haben sich das ja nicht einfach, ist ja nicht vom Himmel gefallen. Und deshalb sollte man vielleicht auch da die strukturellen Hintergründe kritisieren und nicht nur ah, das ist jetzt ein Problem, dass da weniger Kinder sind. Das stimmt, aber am Ende nutzt es halt nichts, ne. Also so gut kann unser System gar nicht sein –
28:07 es funktioniert so, dass die jetzigen Rentner darauf angewiesen sind, dass es genug Arbeitnehmer gibt. Also es ist einfach ein System. Ja OK, aber wenn du das so sagst, dann hört sich das so an. Ja, dann haben Frauen die Aufgabe, dass mehr Kinder da sind, nee. Das das meine ich nicht, Familien natürlich. Also grundsätzlich braucht es natürlich politische Rahmenbedingungen, in denen Menschen sich dafür entscheiden können, eine Familie zu gründen. Das stimmt, das ist schon mal der erste Punkt, aber es ist völlig OK, wenn Sie das nicht wollen, oder? Oder ist es nicht OK? Doch, doch, auf jeden Fall. Aber wie gesagt, dann haben wir halt irgendwann ein Problem und die Frage ist, wie gehen wir damit um?
28:42 Ja, jetzt schleife ich das Gespräch in eine Richtung, wo du gar nicht hin wolltest. Ist mir jetzt aber egal. OK, es stimmt natürlich. Wie gehen wir damit um, dass. Weil wenn man sich das auf der systemischen Ebene anguckt, dann ist es so, dann ist es ein Problem und das Problem wird größer und das Problem ist da. Aber vielleicht bei dem Thema ist ganz spannend, da argumentieren wir schon aus 2 sehr unterschiedlichen Positionen und so unterschiedlichen subjektiven Sichtweisen und du meinst es wahrscheinlich gar nicht so und das ist aber auch was, da kann man sich fragen, OK warum reagier warum nehme ich das direkt persönlich, wenn du das aber sagst, dann fühle ich mich sofort. Persönlich angesprochen und denke ja, aber das ist ja jetzt nicht, ist ja jetzt nicht mein Problem warum, warum muss ich jetzt dafür sorgen, als Frau oder junge Frau durch mehr Kinder, was vielleicht überhaupt nicht in mein Lebensmodell passt oder in meine Lebensvorstellung, dass die Gesellschaft die. Die mich dabei nicht unterstützt, mir Nachteile im Leben bringt.
29:46 Das wird, das ist ein Problem für mein Leben, da ich glaube, wir kommen dazu. Später. Noch du sagst okay? Dann komm genau das ist ein Problem für mein Leben, aber ich soll sie dabei unterstützen und ihr helfen. Warum soll ich das machen? Ja genau, also du. Du argumentierst natürlich aus der individuellen Perspektive, das Problem ist. Wie gesagt, ja ein gesellschaftlicher Konstruktionsfehler. Es wurde einfach irgendwann mal bei unserem Rentensystem. Dann muss man die Konstruktion ändern. Ja, genau, da sind wir ja völlig beieinander. Es wurde einfach irgendwann mal gesagt, die arbeitende Bevölkerung finanziert die Rente der Rentner. Mhm. Und. Und die Rentner haben auch einen Anspruch darauf. Ja, und dann kann man sich vorstellen, dass Frauen vielleicht nicht mehr Bock haben, acht Kinder zu bekommen.
30:33 Aber gut, wie gesagt, die die Rentner haben auch einen Anspruch darauf, den haben sie während ihres gesamten Arbeitslebens erarbeitet. Sie haben dafür Beiträge gezahlt, der Staat hat gesagt, die Renten sind sicher, das klappt alles so immer weiter und ja, am Ende hat man den Leuten dann eigentlich nicht die Wahrheit erzählt und. Wir sprechen jetzt darüber, aber man hätte natürlich vor Jahrzehnten gegensteuern sollen, das ist völlig klar. Wie gesagt, das ist ja eher eine gesellschaftliche Erwartung, und das führt natürlich zu Riesenproblemen, wie gesagt, oder? Ja, auf der systemischen Ebene schon. Das ist so, es ist ja belegbar, das sind ja zahlen, trotzdem besteht die Makroebene immer aus der Mikroebene und. Und deshalb, ja klar, man kann auch nicht immer von der einen zur anderen Ebene springen in der Argumentation, aber ich find dann trotzdem, ja dann muss man, das ist n Konstruktionsfehler oder ja, damals war es kein Fehler, man ist einfach von was anderem, die Annahmen waren einfach anders. Aber dann muss man das System ändern und nicht dann die Forderung.
31:38 Du hast gerade gesagt, ich argumentier aus der individuellen Perspektive, aber die Forderungen finden ja auch auf individueller Ebene statt. Na ja, du hast halt. Du hast halt einfach gewisse Stellschrauben, die du irgendwann nicht mehr drehen kannst. Ja, du kannst nicht immer länger arbeiten, das ist einfach in manchen Berufen nicht möglich. Ja, du kannst selbst wenn du mehr Mütter in die Erwerbsarbeit bekommst, ja. Das ist ja teilweise auch vom Arbeitsmarkt abhängig, ob ob einfach diese Stellen auch einfach existieren. Ja, und selbst dann gibt es einfach gewisse Erziehungszeiten, die du einfach hast. Ja, die einfach gesetzt sind. Ja, es gibt aber auch wenn du sagst, der Arbeitsmarkt genau, also gerade in Deutschland.
32:17 Thema Teilzeitquote wahnsinnig hoch in Frankreich funktioniert es viel besser, es gibt viel weniger Frauen, die in Teilzeit arbeiten, also das ist auch immer was, was mich wahnsinnig stört, weil wenn zum Beispiel Friedrich Merz oder die Union, wer auch immer sagt, wir müssen mehr arbeiten, dann stimmt es vielleicht gesamtgesellschaftlich sogar, aber wir müssen nicht die, die schon arbeiten oder auch Vollzeit arbeiten, die müssen nicht mehr arbeiten, sondern da. Gehen ja gerade Leute ihre Jobs zuhauf. Es werden ja gerade 100 Tausende Jobs, die. Abgebaut. Genau. Also es gibt Leute, die wollen arbeiten und können nicht. Ja genau. Aber da zum Beispiel so Rahmenbedingungen zu schaffen, damit das möglich ist oder damit das gewollt ist, das ist ja eigentlich die Aufgabe.
33:02 Aber der Arbeitsmarkt will das nicht, oder viele Arbeitgeber wollen das nicht, und es ist ein Problem. Dass Frauen Kinder bekommen aus der Arbeitgeberperspektive. Jetzt ist einfach so, die fallen dann aus und Arbeitgeber haben da einfach oft keinen Bock drauf. Dann ab einem bestimmten Alter kannst du dir sicher sein, wenn du Bewerberin bist, dass das mitgedacht wird, hat die jetzt schon Kinder, will die jetzt vielleicht bald Kinder oh nee, dann fällt die uns da, aber dann und dann weg. Dann darf aber natürlich die Frage nicht gestellt werden. Das heißt vielleicht aus guten Gründen, aber auf der anderen Seite muss ich schon auch sagen, denke ich mir auch oft okay.
33:42 Wenn das aber für mich, das ist eine sehr egoistische Argumentation, aber wenn das für eine Person, wo das jetzt einfach gerade keine Relevanz hat, dann dadurch einen Nachteil ergibt, den man ja aber nicht nachweisen kann, weil er ja gar nicht zur Sprache kommt. Dann finde ich das. Dann finde ich das unfair. Nee, einen Nachteil, weil das, weil der die Gegenseite denkt oder die Arbeitgeberseite potenziell könnte sie jetzt dann oder irgendwie Kinder bekommen und das ist ein Problem auf der anderen Seite wäre es natürlich viel besser, wenn das grundsätzlich kein Problem wäre und wenn der Nachteil nicht bestehen werde und wenn Frauen nicht da benachteiligt behandelt werden würden, so rum, das ist aber nicht so. Das ist einfach nicht die Arbeitgeberrealität, das ist einfach nicht die Arbeitsmarktrealität, weil das einfach ein wirtschaftlicher Verlust ist. So, darauf kann man, kann man es runterbrechen, und das ist halt bitter.
34:34 Auf jeden Fall. Und es macht mich wütend. Ja, ich würde sagen, zu guten Lösungen kommen wir gleich noch. Einen Exkurs würde ich gerne noch mit dir machen, hat auch Sebastian Kurtenbach in der Lesung gesagt. Jetzt könnte man natürlich sagen. Man muss einfach mehr Kinder bekommen. Ist doch ganz einfach, es müssen einfach mehr Kinder her, sag ich mal. Egal von wem jetzt am Ende aber vor allem rechtsextreme Parteien wie die AfD fordern das ja auch, sagen einfach wir lösen das Problem in Deutschland können Familien endlich wieder so viele Kinder kriegen wie sie wollen, keine Ahnung, aber so einfach ist es eben nicht. Genau. Und das heißt, dass meine ganze Wut oder meine ganze Gegenargumentation eigentlich fast umsonst war. Fast umsonst, aber nur fast.
35:21 Wie gesagt, hören wir mal rein, warum Sebastian Kurtenbach sagt, warum mehr Kinder zumindest keine schnelle Lösung sind. Rechtspopulisten erzählen uns mehr Kinder, wer könnte was dagegen haben. Jedes Kind ist ein Segen und so weiter – gar keine Frage. Wir durchdenken das Argument, sagen wir, wir springen mal ins Jahr 2028 wir hätten da nicht mehr 650.000 Geburten, wie Sie sicher merken, sondern 850.000 Geburten, was würde passieren, wir haben vielerorts nicht genug Kita-Plätze. Wir haben vielerorts nicht genug Schulplätze, uns fehlen schlichtweg die Schulen. Uns fehlen die Lehrkräfte, der Rechtsanspruch auf den Ganztag ist gegeben, ohne den Qualitätsanspruch mit einzulösen.
36:01 Also wir haben immense Probleme damit, überhaupt die Kinder zu versorgen, die wir heute haben und das sind echt immer weniger ne. Also es gibt heute. Das Verhältnis von Lehrkräften zu Kindern ist vielerorts gar nicht mehr so schlecht. Wir sind so bei Mitte 20 bei der Klassengröße, Tendenz sinkend und davon können Kinder durchaus im demografischen Wandel profitieren. Zudem würden aber, wenn die Geburtenrate so stark steigen würde, wie Rechtspopulisten das gerne hätten, dann würden auch viele Eltern in Elternzeit gehen, Fachkräftemangel würde verstärkt werden und bis sich das tatsächlich demografisch auswirkt, vergehen zwei Jahrzehnte.
36:37 Also das kann im Moment nicht die Lösung sein, wenn die Geburtenrate stark steigt: schön, aber das als einziges politisches Allheilmittel zu nehmen, das wird nicht klappen. Ja, ist doch krass, oder? Also das bedeutet zusammenfassend, es gäbe gar nicht genug Kitaplätze und auch nicht genug Schulplätze, also wenn jetzt plötzlich die Geburten explodieren würden, würden, hätten wir auch wieder ein riesen Problem, das wird sogar durch aktuelle Maßnahmen der Politik noch verschärft, denn haben vielleicht manche nicht mitbekommen, die mit dem Thema nichts zu tun haben. Seit Anfang August gibt es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule das heißt, Eltern haben theoretisch ein Recht darauf, dass ihr Kind eben den ganzen Tag betreut wird.
37:15 Theoretisch. Genau. Es gibt natürlich nicht genug Plätze, schon jetzt, wie gesagt, wir wollen noch gar nicht über mehr Kinder als jetzt sprechen, es gibt schon jetzt für die Kinder nicht genug Plätze und die Kommunen haben ein Riesenproblem, diese Ganztagsbetreuungsplätze zur Verfügung zu stellen, sie tun es natürlich, aber der Bund hat hier mal wieder was gemacht, was bei den Kommunen gar nicht gut ankommt. Er ersetzt zwar teilweise die Kosten für diese Maßnahmen und auch damit diese Plätze geschaffen werden, aber beim Personal ja ist man sich nicht einig. Ja, also wahrscheinlich wird es für die Kommunen am Ende dann wieder teurer und. Ja, ist aber natürlich ein diffiziles Thema. Nicht so wie bei anderen Sachen wurde vom Deutschen Städte- und Gemeindebund dann natürlich auch gesagt, man will dann auch nicht so dastehen und sagen, so, ja, das kostet uns zu viel, die Kinder den ganzen Tag zu betreuen, das machen wir nicht, also es wird wohl in der Fläche meistens genug Ganztagsbetreuungsplätze geben, aber eben nicht überall, ja, und dieses diese Gemengelage verschärft das Problem natürlich noch.
38:21 Und man muss auch dazu sagen, das hat Sebastian Kurtenbach im Buch erklärt, das ist gar keine Maßnahme, die den Kindern zugute kommt, sondern das ist eine reine Arbeitsmarktpolitik. Da geht es darum, dass Eltern arbeiten können, weil ihr Kind in der Schule betreut wird, ja. Ja, aber ist es. Aber ist es in dem Fall dann so ein Problem, wenn das Ergebnis quasi ja positiv ist? Also wenn Betreuung. Qualitativ so wie sie sein soll. Gesichert ist das den Eltern Erwerbsmöglichkeiten gibt, dann ist doch das Motiv, auch wenn es rein wirtschaftlich und arbeitsmarktgetrieben ist, ist es dann nicht egal? Prinzipiell ja. Man muss es nur wissen, dass es nicht unbedingt eine Maßnahme ist, die die Bildung der Kinder verbessert.
39:05 Ja, also man darf sich nicht hinstellen und sagen, gut, die Kinder haben jetzt alle einen Rechtsanspruch auf Ganztag, deswegen ist unsere Bildung hier besser. Sondern kann sie natürlich sein. Ja, idealerweise ist sie das ja, wenn das Ganztagsangebot qualitativ hochwertig gestaltet wird für die Kinder und sie eben nicht nur betreut werden, ja in großen Anführungszeichen nur betreut ist. Eine Betreuungsleistung ist eine Leistung, aber ja, am Ende ist es eben ein Arbeitsmarktpolitik-Instrument und keine Politik für die Kinder. Das ist keine Politik für die Kinder, aber ich finde, das zeigt so was ganz oder so ein Grundproblem, weil für mich. Setzt kindgerechte Politik oder kann kindgerechte Politik und eine kindgerechte Gesellschaft gar nicht bei den Kindern unbedingt ansetzen? Das hört sich jetzt vielleicht absurd an, aber vielleicht erstmal da, welche Räume für Eltern geschaffen werden, dass kindgerechte Teilhabe, kindgerechte. Kindgerechtes leben sozusagen überhaupt möglich ist. Oder Chancengleichheit hat ganz viel mit Chancengleichheit zu tun, also dass da quasi Räume geschaffen werden, die das möglich machen, finanziell, strukturell, das hat ganz viel auch mit Teilhabe zu tun, also dass da Räume und Möglichkeiten eröffnet werden, und das ist nicht der Fall auf ganz vielen Ebenen einfach, die Kinderbetreuung ist zum Beispiel eine davon, aber.
40:23 Aber im nächsten Schritt ist ja nicht nur das das Problem, sondern so ehrlich muss man ja auch sein, dann auch die egoistisch oder intrinsische Motivation von Eltern, weil die Eltern sind ja keine homogene Gruppe, Eltern haben höchst unterschiedliche Interessen und da wäre es ja zum Beispiel auch möglich, wenn jedem Elternteil, weil es ja ein Kind hat. Quasi die Chancengleichheit oder die Kindgerechtigkeit für alle Kinder gleich am Herzen liegen würde. Das wäre ja quasi die Voraussetzung und das würde Wege ebnen. Das ist aber nicht so, das ist sieht man ja dann so, wohin geht mein Kind in die Schule, geht es auf eine öffentliche Schule oder auf die Privatschule, geht es, in welchem Viertel geht es in die Schule, mit wem will ich, dass es den Kontakt hat, so, und das sind ja dann Räume, die dann immer weiter abgrenzen, was aktive Entscheidungen von Eltern sind. Die dann zu einer noch höheren Fragmentierung führen. Also das ist ja dann auch, ist ja auch ein selbstgemachter Teufelskreis, auch ein bisschen.
41:22 Ja, da hast du absolut recht. Ja, man muss für die Eltern Rahmenbedingungen schaffen, genau in denen sie selber selber natürlich teilhaben können und auch ihren Kindern ermöglichen können teilzuhaben, ja. Und natürlich, wenn dann das Kind den ganzen Tag schon in der Grundschule ist. Ja, wie gesagt, hab ich gerade eben schon gesagt, es muss n qualitativ hochwertiges Angebot sein und es ist es nicht immer. Das kann nicht immer geleistet werden, weil teilweise auch einfach das Personal fehlt, weil die Infrastruktur fehlt, das ist so, also allein damit, dass Kinder länger in der Schule sind, ist noch nichts gewonnen, ja, sondern es muss auch die Kinder müssen dort auch betreut werden, sagt Sebastian Kurtenbach und seine Mitautoren, aber auch im Buch.
42:04 Spannend ist halt, Kinder verbringen immer mehr Zeit in Bildungseinrichtungen, ja sie gehen immer früher in den Kindergarten, sie gehen jetzt vielleicht schon den ganzen Tag in die Grundschule, den ganzen Tag in die weiterführende Schule und dann haben sie auch noch dann als Erwachsene ein paar Jahre Studium, und das bedeutet, dass eben wir auch gute Schulen brauchen und gute Institutionen, und da kommen wir schon zu den Lösungsansätzen, ja, wir haben ganz viel über Probleme gesprochen und ich finde es eigentlich so genial, ja. Ist so einfach, aber so genial, was die auch teilweise an Lösungen vorschlagen, denn es ist gar nicht so unbedingt immer der Paradigmenwechsel, ja also, sondern es sind eigentlich finde ich, viele kleine Stellschrauben wie du sagst, die es Eltern, aber auch Kindern ermöglichen, bessere Bildung zu bekommen und auch einfach besser ja ins Leben zu starten, sage ich jetzt mal.
42:55 In ihrem Buch schlagen die Autoren nämlich als eine der wichtigsten Maßnahmen, Schule neu zu denken, Folgendes vor. Sie sagen, Schulen müssen eigentlich so eine Art Community Zentrum werden und ich würde sagen, wir lassen es Sebastian Kurtenbach mal in seinen eigenen Worten beschreiben. Wir könnten nämlich die Kinder, die wir haben, optimal fördern. Eine zweite Zahl möchte ich Ihnen jetzt gerne sagen. 50.000 Kinder verlassen jedes Jahr die Schule ohne Schulabschluss und. Oder ich übersetze das mal in Umgangssprache, das ist eine Geisterfahrt, das können wir uns nicht leisten, das funktioniert nicht, das konnten wir uns vielleicht leisten, als es viel mehr Schulabgänger gab als Arbeitsplätze. Die Boomer-Generation kann sich noch daran erinnern, wie das war: Da gab es die Lehrerschwemme, alle wurden Taxifahrer und so weiter das ist heute anders, wir können uns das wirklich nicht mehr leisten, wenn wir nur ein bisschen den Wohlstand dieses Landes aufrecht erhalten wollen, das geht nicht. Deswegen muss man die Kinder, die wir haben, auch optimal fördern.
43:56 Um das aber zu tun, muss man etwas machen, was wir in einer alternden Gesellschaft auch nicht machen, uns mit den Kindern, die wir haben, zu beschäftigen, wer ist das eigentlich, deswegen schlagen wir das Konzept der sogenannten Community-Zentren vor, das hört sich in Deutschland immer total Fancy an, aber ich erzähl es ihnen, es ist es gar nicht. Wir stellen uns das mal vor. Neben einer Schule entsteht ein weiteres Gebäude und in diesem Gebäude ziehen einen Vereine soziale Institutionen, das ist das, was sowieso im Stadtteil vorhanden ist. die Freiwillige Feuerwehr, das Repair-Café und so weiter und die machen auch erst mal ihrs, haben aber dafür, dass die Räumlichkeiten umsonst zum Beispiel nutzen könnten, ein Kooperationsgebot, das heißt, sie müssen einmal in der Woche zum Beispiel ein Angebot auch dem offenen Ganztag zur Verfügung, dem Ganztag zur Verfügung stellen, zum.
44:38 Das Repair-Café zeigt den Kindern, wie man Fahrräder repariert – bei uns in Münster wird das gemacht – oder die Freiwillige Feuerwehr macht einmal die Woche auch ein Angebot, also mit Probetraining auch für Kinder und so weiter sie können sich das in etwa vorstellen. Das, was da ist, einfach nur Kindern systematisch zugänglich machen, aber solche Orte auch als Treffpunkt für Familien, für zum Beispiel auch Eltern, die in Coworking-Spaces arbeiten wollen, Das Land besteht ja nicht nur aus Dachdeckern und Krankenschwestern. Das dann auch dafür zu öffnen, wo es dann zum Beispiel mittags auch das Essen aus der Schule gibt. Und dann ist es auch nicht mehr egal, was Kinder eigentlich mittags zu essen bekommen und was würde passieren, der Ort von Kindheit würde zum Mittelpunkt Ort eines Quartiers werden, das hört sich an, als wäre das unmöglich, Kirchen haben das über Jahrzehnte in Deutschland geleistet.
45:28 Es gibt einen gesellschaftlichen Bedeutungsverlust von Kirchen und institutionellen Nutzung von Kirchen, aber in Umfragen sehen wir, dass diese Mittelpunktsorte gewollt und vermisst werden und jetzt vielleicht auch in Zeiten, wo viele Kirchenbauten in Zukunft leer stehen werden, kriegen wir vielleicht eine Chance, dieses Konzept von Community-Zentren zu realisieren, das. Finde ich einen sehr guten Ansatz, weil das fehlt völlig. Ganz ehrlich, ich finde es auch eine absolut geniale Idee, vor allem den Coworking-Space noch mit einzubinden. Würde ich auf jeden Fall machen. Ja, die Schule als Treffpunkt als Anlaufstelle für Familien auch für Eltern hat er ja auch gesagt, dass Eltern dort auch beraten werden. Ja, für Vereine, ja, was hältst du davon? Also ich finde das ein sehr, das habe ich jetzt gerade schon gesagt, also ich finde es einen sehr guten und integrativen Ansatz, weil das eben diese es bricht Räume auf und es löst Fragmentierung und es mindert Fragmentierung und ich glaube das ist mitunter das A und o um was es geht. Einfach ja Linien zu durchbrechen, da Übergänge fließender zu gestalten, aber aus der individuellen Ebene. Also wenn ich jetzt höre, Coworking-Space in der Schule, dann denke ich direkt bestimmt nicht. Also ich könnte mir wirklich keinen schlimmeren Ort vorstellen, als in der Schule zu arbeiten, weil ich mir das einfach wahnsinnig laut vorstelle, das muss ich schon auch sagen.
46:50 Ich kann mir keinen unruhigeren Ort vorstellen und es ist auch OK. Die Schule ist kein ruhiger Ort wo militärische Disziplin herrschen muss so aber ich möchte da gar nicht arbeiten. Wofür gibt es Noise-Cancelling-Kopfhörer? Ich glaube nicht, dass es so gedacht ist, dass es ein Angebot für jeden ist. Das wird nicht jeder wahrnehmen können oder wollen, manche Menschen haben vielleicht auch in der Schule weniger Lärm als auf der Arbeit. Wer weiß das schon, aber wie du sagst, ich find so diesen generellen Ansatz, die Schule integrativer zu machen, zu einem Ort, zu dem man nicht nur alle 4 Jahre mal geht, weil das die Wahlkabine ist, sondern n Ort, der wirklich Anlaufstelle ist, nicht unbedingt nur für mich als Eltern, sondern wirklich auch als ja Mensch in dem Stadtviertel. Ich find es höchst spannend, ja warum nicht auch ne Lesung zum Beispiel in der Schule machen, ja für. Statt im Literaturhaus kann es auch in der Schule stattfinden, vor allem, wenn es um.
47:48 Kinder, wenn es eine schöne Schule ist. Es gibt noch weitere Lösungsansätze, die sie vorschlagen. Sie sagen zum Beispiel, Es braucht einen Haltungs- und Kulturwandel in den Schulen haben wir schon drüber gesprochen, die Schulen müssen einfach auch für das Wohlbefinden der Kinder zuständig sein, ja, weil die immer mehr Zeit dort verbringen, sie sagen, sie würden das Wahlalter auf 16 Runtersetzen, das würde zwar nicht dazu führen, dass es sehr viel mehr Erstwähler gibt. Aber sie sehen es als symbolisches Zeichen der Wertschätzung. Du bist ja dagegen, genau, sie sagen, es bräuchte quasi Zukunftsräte, die zum Beispiel den Gemeinderat, den Landtag oder den Bundestag beraten, sie schlagen vor, dass Menschen im Alter von 10 bis 30 Jahren da drin sitzen und es eine Pflicht zur Stellungnahme gibt, also das Parlament müsste sich halt einfach damit befassen, was die jungen Menschen Halt fordern.
48:37 Sie wollen Kinderrechte ins Grundgesetz schreiben. Das würde dann einfach. Das ist zwar so, dass Kinder natürlich irgendwo auch Menschen sind, ja, also die gelten natürlich, die Grundrechte, aber das hätte natürlich noch mal ne andere rechtliche Verbundenheit, die dann geschaffen geschafft werden würde, ja. Sie fordern viel mehr Betriebskitas, flexiblere Arbeitszeiten, mehr Väter in der Care-Arbeit ja, und was sie zum Beispiel auch sagen, ist da, wo Kinder betroffen sind, sollten Sie auch mitbestimmen dürfen. Ja, also zum Beispiel über den Plan in der Mensa, was es da zu essen gibt, aber auch über den Lehrplan in bestimmten in bestimmtem Umfang natürlich immer.
49:18 Und was sie auch noch sagen, ist, für Familien bräuchte es solche One-Stop-Agencies, wo du einmal hingehst du kriegst eine Beratung und das heißt welche Leistungen kommen für sie in Frage und dann kreuzst du die nur noch an und kannst 8 Anträge auf einmal stellen, sage ich mal in einem Antrag, also da werden dringendst bürokratische Reformen nötig, sind Lösungsvorschläge die die vorschlagen in ihrem Buch, ja, was hältst du davon unterschiedlich also. Also es sind ja jetzt erstmal nur hypothetische Lösungsvorschläge und es zielt ja alles auf mehr Einbindung und Partizipation. Im Grundsatz finde ich das gut und unterstützenswert, ich finde es teilweise sehr unrealistisch. Also ich bin gegen das Wahlalter ab 16, weil ich das nicht für zielführend erachte, aber da hast du ja auch schon gesagt, es ist eher ein Symbol so. Und ich bin auch gegen diese …
50:14 Also nein, ich bin nicht dagegen, aber diese Zukunftsräte oder diesen Ansatz finde ich halt irgendwie schwierig, weil dann müsste man das jeder Gruppe oder jeder Minderheitengruppe sozusagen gewähren. Oder das. Also da muss man es halt durchziehen. Man kann nicht das für die eine Gruppe machen und dann bei den anderen, denen die Möglichkeiten nicht geben und dann sind wir kurz vor Basisdemokratie und ich weiß nicht, inwieweit das für so eine große und mittlerweile komplexe Gesellschaftsstruktur möglich oder umsetzbar ist und inwieweit das ist. Da ist man jetzt auf dünnem Eis, aber ob das das Ergebnis wirklich verbessert? Ich bin sehr für Demokratie, aber ich bin nicht immer für basisdemokratische Entscheidungen.
51:02 Ja, und du? Ja, ich sehe es anders. Ich glaube, dass einfach Kinder nicht irgendeine Minderheit sind, sondern dass. Kinder und sage ich mal, der Nachwuchs in der Gesellschaft einfach die Basis für alles andere ist ja, also die Wirtschaft braucht natürlich Nachwuchs, ja, wenn man es mal so ganz platt ausdrückt und wie gesagt, die Rentner, die auf ihre Rente warten, die brauchen natürlich auch junge Menschen, die Nachkommen und natürlich einfach, ja, eine Gesellschaft braucht natürlich auch junge Menschen, ja, ich glaube, das macht ganz viel mit einer Gesellschaft, wenn sie nur noch aus alten Menschen besteht, die zum Teil nicht mehr arbeiten, ja, ich glaube da.
51:42 Da wächst einfach eine gewisse Lebensrealität heran. Wenn ne Gesellschaft möglichst vielfältig ist. Und dazu gehören einfach junge Menschen. Ich kann mir das nur ganz schwer vorstellen, in einer Gesellschaft zu leben, in der immer weniger junge Menschen, Eltern und Arbeitnehmer leben und immer mehr, also fast ne überwältigende Mehrheit an Menschen, die nicht mehr arbeiten, die in einem gewissen Lebensalter sind und sich damit natürlich auch vom Alltag der anderen Menschen. Entfernen. Also ich finde es braucht dringend ja da einfach zumindest eine Bremse. Eigentlich müsste man die Entwicklung umkehren, wie auch immer man das schaffen soll, es ist utopisch, klar, aber ja, ich glaube da kann man auf jeden Fall einiges tun für mehr Kinder und auch Nachwuchs.
52:30 Ja, das stimmt natürlich. Aber ich finde, das ist doch ein falscher kausaler Schluss, dass junge Menschen oder die Einbindung von ihnen. Automatisch zu einer besseren oder Politik für junge Menschen führen. Da kann man jetzt, da kann jetzt der Aufschrei dagegen sofort groß sein und sagen, Nein, aber die muss man anhören und so, das stimmt schon, aber was ich sagen will ist, dass wenn man Umfragen anschaut, da guckt man natürlich nicht Kinder an, aber sehr junge Wähler zwischen 16 und 24, wo der Zuspruch für rechte rechtspopulistische Parteien die AFD einfach enorm hoch ist oder wächst und das ne. Politik unterstützt die im Detail oder im im, die den Wohlstand und die Zukunftsfähigkeit und die Chancengleichheit und so weiter also eine kindgerechte Politik überhaupt nicht unterstützt.
53:22 Ja, das habe ich jetzt auch nur mutmaßend. Was die Gründe dafür sind. Ich meine, wir haben es eigentlich. Die Gründe sind, die sind natürlich multifaktoriell, so wie immer, und da kann man eine eigene Folge drüber machen. Ich meine, ich habe, wir haben es eingangs besprochen. Wofür würdest du als junger Mensch jetzt noch die SPD wählen zum Beispiel? Oder die CDU, die Parteien, die quasi Politik machen, die entgegen dem Wohlstandsversprechen läuft, das dir mal gegeben wurde. Also warum sollen denn junge Menschen die demokratischen Parteien wählen, wofür? Ja gut so rum kann man fragen. Man kann aber auch fragen. Ja gut, aber kein Grund eine rechtsextreme Partei zu wählen, einfach mal das Gehirn einschalten und wenn man nicht das Gefühl hat, dass da das Gehirn eingeschaltet wird, finde ich es halt auch schwierig. Also.
54:03 Also da ist ja, da ist noch da, ist ja ein Gap dazwischen. Ja, wie gesagt, ich fände so Zukunftsräte gut, weil wie gesagt diese Perspektive einfach viel zu kurz kommt. Und ja, dann könnte man ja immer noch sagen, ja ist Mist, was ihr da alle wollt oder ist nicht umsetzbar oder finanzierbar, aber zumindest mal gäbe es halt eben eine Stellungnahme. Ja, aber es gibt ja zum Beispiel von Parteien auch Jugendorganisationen. Was ist damit? Wäre das nicht auch ein Weg, das schon quasi in etablierten Strukturen deutlich zu machen oder deutlicher? Ja, prinzipiell schon. Da musst du halt natürlich in der Parteimitglied sein, ne, stimmt, was dann natürlich auch wieder mit eigenen vor und Nachteilen kommt sag ich.
54:45 Mal. Das stimmt. Naja, eine Sache gibt es auch noch, die sie von älteren Menschen speziell erwarten. Das hat Sebastian Kurtenbach in der Lesung auch sehr deutlich gemacht. Dass da eigentlich gar kein Problembewusstsein für diese soziale und demografische Schieflage herrscht. Und er hat gesagt, das müsste es eigentlich mal geben, also auch da sag ich mal, ein Anerkennen dieses Problems und dass die Kinder als Minderheit, sag ich mal, unterrepräsentiert, unterrepräsentiert sind in der Politik. Was er und seine Mitautoren vorschlagen, ist, dass man zum Beispiel älteren Menschen zu ihrem 65. oder 70. Geburtstag einen Brief schreibt.
55:28 – Das Wahlrecht entzieht? – Ihnen gratuliert und Ihnen Anlaufstellen nennt, wo sie sich ehrenamtlich engagieren können. Wenn Sie das möchten, ja, weil. Ja, er sagt Halt auch, eigentlich werden die alten Menschen ja gebraucht, also sie haben viel Lebenserfahrung, sie können Kindern viel beibringen, Kinder sehen auch zu alten Menschen, zu ihren Opas und Omas, und er sagt, Wenn nur 10% der Boomer-Generation sich für Kinder und Jugendliche engagieren würden als Ehrenamt, sei es nur zeitweise, gäbe es mehr Personal quasi als pädagogisches Personal in Kitas und Grundschulen zusammen, die das hauptberuflich machen und. Und er hat gesagt, das ist eigentlich ein Schatz, den man heben müsste. Und wenn sich nur ein paar Menschen als Lesepate zum Beispiel engagieren und den Kindern vorlesen, wäre schon viel geworden.
56:18 Ja, und auch da könnte man eine Verbindung zwischen den Generationen schaffen und vielleicht auch mehr Verständnis füreinander. Ja, das ist auch immer wichtig. Verständnis, Brücken zu bauen, Fragmentierung aufzulösen, ja, das ist schon das A und O. Und dann würde ich sagen. Kommen wir damit zum Ende dieser Folge. Ihr könnt uns abonnieren. Uns schreiben entweder auf Instagram, schreibt uns in die DMs, schreibt uns eine Mail oder auch als Kommentar hier auf Spotify oder natürlich auch auf allen anderen Podcast-Plattformen. Genau und Kontext und Krawall gibt es bei Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music, YouTube Music und auch auf anderen Podcast-Plattformen. Wir hören uns beim nächsten Mal wieder, macht’s gut. Genau, kommt gut durch die Woche, durchs Wochenende. Und.
57:00 Ciao, Tschüss.
Laufzeit: 57 Minuten. Erschienen am 21. August 2026.