Folge 20 · Viele Menschen in Deutschland halten die Politik der Bundesregierung gerade für Mist. Bundeskanzler Friedrich Merz sieht das anders, verspricht im ZDF-Sommerinterview aber, seine Politik besser zu erklären. Liegt es nur daran?
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Worum es geht
Wir gehen der Frage nach, warum die Bundesregierung derzeit in Meinungsumfragen so unbeliebt ist: Nur noch 13 Prozent sind mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz zufrieden. Das ist der schlechteste Wert eines Kanzlers jemals.
In so eine Zeit fällt der Fall Jens Spahn. Der CDU-Fraktionsvorsitzende ist mit seinem Partner Vater geworden – durch eine Leihmutter in den USA. Und das, obwohl Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist. Warum hat er das scheinbar bis zuletzt verheimlichen wollen? Dachte der Kanzler, dass Spahn damit durchkommen kann, wenn man es nur gut genug erklärt?
Außerdem reden wir darüber, warum es trotz aller Politikverdrossenheit Gründe zur Hoffnung gibt und welche Wege aus der Politikverdrossenheit führen. Denn eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt: Die Menschen haben nicht die Demokratie selbst satt, sondern finden, dass diese nicht liefert.
Dazu gibt es unsere Rubriken „Chatty fragt, wir antworten“ und den „Cringe der Woche“, diesmal mit einem arg verspäteten Urteil des Bundesverfassungsgerichts und den Kochkünsten von Berlins Ex-Bürgermeisterin Franziska Giffey.
Diese Fragen stellen wir
- Was hat Friedrich Merz im ZDF-Sommerinterview kritisiert?
- Was hat Spahns Rücktritt mit Politikverdrossenheit zu tun?
- Warum wirkt die Bundesregierung so abgekapselt von der Stimmung im Land?
- Wie kommt Vertrauen in die Politik zurück?
Kapitel
- 02:40 – Friedrich Merz umstrittenes ZDF-Sommerinterview
- 08:57 – Spahns Leihmutterschaft und Glaubwürdigkeit
- 20:29 – Warum die Stimmung im Land schlecht ist
- 24:27 – Vertrauen in Demokratie vs. Unzufriedenheit
- 41:46 – Unsere Lösungsvorschläge
- 49:50 – Chatty fragt, wir antworten
- 52:28 – Cringe der Woche
Relevante Quellen
- Bundeskanzler Friedrich Merz im ZDF-Sommerinterview https://www.youtube.com/watch?v=y-yB_HroDDM
- ARD-Deutschlandtrend im Juli https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/deutschlandtrend-juli-102.html
- Kritik an Spahns Leihmutterschaft https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-07/leihmutterschaft-jens-spahn-alice-schwarzer-verbot-deutschland
- Demokratie-Monitor 2026, Bertelsmann-Stiftung https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/zustimmung-zur-liberalen-demokratie-in-deutschland-bleibt-sehr-hoch
Automatisches Transkript der Folge
00:17 Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Kontext und Krawall. Ich bin Christoph und wie immer ist meine Kollegin Marie dabei. Genau. Ich bin auch dabei. Sehr gut Marie Luise wieder am Start. Und heute geht es, geht es in unser Podcast um Wort, das ich eigentlich nicht so mag, weil es irgendwie nach ja so einem alten, verstaubten Buch klingt, Lehrbuch der Politikwissenschaften oder so, nämlich Politikverdrossenheit. Wir wollen trotzdem drüber reden, weil gerade irgendwie viel passiert, und man merkt einfach, den Leuten geht es wirtschaftlich schlechter, der Staat spart und der Kanzler war im. Sommerinterview und hat gesagt, Ah, das ist doch alles eigentlich nicht so schlimm. Eigentlich sind alle meiner Meinung und. Und niemand geht so schlecht wie mir. Spaß.
01:04 Genau, niemand geht so schlecht wie ihm und gleichzeitig sehen wir in den Umfragen, wie eine zumindest in Teilen rechtsextreme Partei stärkste Kraft ist in der Bundesrepublik. Dann würde ich sagen, starten wir oder Politikverdrossenheit. Wie geht es dir damit, wenn du das so hörst? Auf der einen Seite geht es mir da wie dir beziehungsweise ich hab nicht so das Verstaubtheitsproblem, sondern ich hab so dieses Omnipräsenz Problem, weil ich das Gefühl hab ich höre kein Wort so oft wie Politikverdrossenheit und ja es ist halt irgendwie n bisschen zu einem Schlag oder Bass wird mutiert was immer und überall angebracht wird gefühlt. Auf der anderen Seite ist es ja ein Phänomen, was ein reales Problem ist und auch ein wachsendes Problem.
01:50 Also deshalb finde ich, kann man es auch nicht abtun und deshalb müssen wir drüber sprechen. Genau. Vielleicht fangen wir mal an, warum wir überhaupt auf das Thema gekommen sind, denn der Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU war zuletzt im Sommerinterview vom ZDF und. Und da wurde er von der Moderatorin auch seine schlechten Umfragewerte angesprochen. Die sind momentan gerade nicht so gut und dann hat sie im Prinzip gesagt, ja, sie haben den Leuten ja auch oder sie unterstellen den Leuten ja auch, sie seien faul, sie würden nicht genug arbeiten, sie verlangen die Krankschreibung ab dem ersten Tag, das wirkt so, als würden die Leute nur krank feiern statt arbeiten, und daraufhin hat der Bundeskanzler ja doch sehr hitzig reagiert, du hast es ja auch gesehen.
02:39 Ich würd sagen, hören wir einfach mal rein. Ich bin es einfach leid, dass nur schlecht geredet wird über Deutschland und deswegen sag ich dann hin und wieder auch mal sowas. Aber beim nächsten Mal bitte den ganzen Kontext. Sie reden aber zuweilen auch schlecht über die Deutschen. Von denen sind viele beleidigt von verschiedenen Bemerkungen, sie haben etwa den Arbeitnehmern relativ pauschal unterstellt, dass sie nicht genug arbeiten, sie verlangen Krankschreibungen ab dem ersten Tag, das unterstellt den Menschen, dass sie krank feiern, sie haben mit der Bemerkung zum Stadtbild sehr viele Menschen mit migrantischem Hintergrund verstört, das gehört ja auch zur Wahrheit. Und es gehört zur Wahrheit dazu. Frau Zimmermann, dass viele Menschen in Deutschland gesagt haben, genauso ist es wie der Friedrich Merz das da gesagt hat, nur die kommen in ihrer Berichterstattung kaum vor. Nein, sie zeigen immer nur diejenigen, die Kritik an mir äußern.
03:22 Sie zeigen selten diejenigen, die mal sagen, es ist genauso. Das war mit den kleinen Paschas schon vor vielen Jahren so, sie zeigen immer diejenigen, die es kritisieren, ist ihr gutes Recht, das zu tun, aber es ist mein gutes Recht, so mal zu sagen, ich bekomme sehr viel Zustimmung in der Bevölkerung für das, was ich zu diesen Sachverhalten sage, und ich habe nie jemandem persönliche Faulheit unterstellt, ich habe nur gesagt. Dass die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland im Augenblick zu niedrig ist. Die Schweizer arbeiten 200 Stunden mehr als die Deutschen. Das ist doch nicht Faulheit, die ich jemandem persönlich unterstelle, sondern ich sage, unsere Produktivität ist zu gering, unsere wirtschaftliche Leistung ist zu gering und da müssen wir da was dran tun. Ja, leichte, leichte Angefasstheit auf Seiten des Bundeskanzlers.
04:06 Nerven. Man merkt in diesem ja, also der Ton ist schon, er ist richtig laut geworden. Eigentlich würde ich sagen, also das hat ihn auf jeden Fall beschäftigt, der Stachel saß oder sitzt tief, finde ich, er ist da schon, ja fast eigentlich so ein bisschen ausgetickt. Genau. Und am Ende ist seine Aussage ja auf einen Nenner gebracht. Im Prinzip sehen es die meisten genauso wie er und die bösen bösen Medien zeigen aber immer nur die Leute, die den Bundeskanzler kritisieren. Du hast wie gesagt auch gesehen was für n Eindruck hat dieses dieses Interview auf dich gemacht. Also erstmal fand ich es wirklich auf ne Art und Weise grandios, dass er einfach von sich aus noch mal auf die kleinen Paschas eingegangen ist. Da habe ich, da musste ich wirklich zweimal hingucken oder zweimal hören.
04:56 Also dieses Interview hat für mich den Eindruck von zumindest in diesem Ausschnitt, den wir uns da jetzt gerade angehört haben, von Realitätsverweigerung gemacht, weil das eine ist ja, welchen Fokus legen Medien in ihrer, in ihrer Berichterstattung oder wie auch immer in dem Fall will ich das jetzt nicht sagen, aber grundsätzlich ist es natürlich was, was man wo. Worüber man streiten kann oder was man auch kritisch sehen kann. Das andere ist aber, wenn sich das auf Umfragen stützt und nicht auf eine singuläre Umfrage. Jetzt ist die Lieblingsantwort von Politikern ja oft ja, aber wir können uns nicht die ganze Zeit nur an Umfragen orientieren und bla, das ist auch richtig, sonst ist auch richtig, aber die Umfragewerte von Friedrichs Merz oder grundsätzlich die Zufriedenheit mit seiner Arbeit mit der Bundesregierung sind einfach wirklich ziemlich konstant miserabel und nicht nur das, sondern sie gehen eben, das hast du am Anfang schon gesagt.
05:51 Ein Herr mit Umfragewerten zur AFD, die einfach stärkste Kraft sind in den Wahlumfragen. Und das ist einfach eine große Katastrophe und ich finde das dann. Also man könnte jetzt mittlerweile schon fast sagen, es ist ein klassischer Merz, dass man dann so bockig ein, also wirklich so schon latent unprofessionell, bockig wie ein kleines Kind reagiert, das hätte man schon auch anders. Machen können. Vor allem hätte man finde ich, genauso kritisch der Journalistin gegenüber, wenn das seine seine gewollte Antwort ist, sein Können inhaltlich aber auf einer ganz anderen Ebene ist, auch in einem ganz anderen Ton, aber das schafft er einfach nicht so gut. Ich denke die man muss da schon auch noch mal die Zahlen reingeben, weil also die. Dass irgendwie eine Mehrheit der Leute auf der Seite von Friedrich Merz oder der Bundesregierung besteht, das kann man nun wirklich nicht sagen. Also du hast schon angesprochen, 13% sind in Umfragen mit der Arbeit von Friedrich Merz zufrieden, das bedeutet ja, 87% sind unzufrieden mit der Arbeit von Friedrich Merz und auch generell der ARD Deutschlandtrend Anfang Juli hat eben gesagt, hat eben genau das gesagt, also 86% der Befragten, das sind ja repräsentative Befragungen. Sind mit der Arbeit der Bundesregierung eben nicht zufrieden.
07:15 Und für Friedrich Merz ist das der niedrigste Wert, der jemals für einen amtierenden Bundeskanzler gemessen wurde. Also Friedrich Merz ist der unbeliebteste Bundeskanzler jemals und sich dahin zu stellen und zu sagen, ja gut, da sind aber allein die Medien dran schuld, weil die zeigen halt nicht die Realität, das ist. Einerseits unprofessionell und andererseits, wie du sagst auch einfach Realitätsverweigerung. Ich finde, so kann er sich überhaupt nicht rauswinden. Vielleicht fälscht sein Team Umfragen, die er im Morning Briefing vorgelegt bekommt, damit die Laune besser ist. Ja, ich hoffe sehr, dass das nicht so ist. Aber ja, vielleicht vor. Das ist natürlich sicherlich nicht der Fall. Das war ein Witz.
08:01 Also ich denke, alle haben es verstanden, ich sage es trotzdem noch mal genau. Ja, ja, logisch. Und das bringt uns auch wie gesagt n bisschen zu unserem Thema Politikverdrossenheit, weil ich frag mich halt, wie kommt so was an wenn du vorm Fernseher sitzt und gerade du bist eh mit der Politik nicht zufrieden und dann stellt sich da jemand hin und sagt eigentlich liegt es an den Medien, weil die zeigen ja nicht diese überwältigende Mehrheit, die hinter mir steht. Und ich will noch mit dir über den zweiten Teil dieses Sommerinterviews sprechen, weil der Kanzler dann auch später gesagt hat, ja, er muss seine Politik einfach nur besser erklären und sie machen sich da viele Gedanken in der Bundesregierung, wie sie das Thema Kommunikation angehen können, weil für mich ja auch so ein bisschen das Thema darauf kommt Friedrich Merz immer wieder zurück, er sagt ja, gut, wir müssen halt noch besser erklären, was wir hier so machen und dass das halt ein großer Grund dafür ist. Ein Thema, was in diesem Sommerinterview nämlich auch noch vorkommen, war der Rücktritt des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn. Der ist ja vor kurzem zurückgetreten, weil er und sein Mann einen Sohn bekommen haben von einer Leihmutter in den USA, und Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, die Union lehnt es auch vehement ab, da gab es erst Anfang des Jahres n Parteitagsbeschluss und auch Jens Spahn hat sich da in der Vergangenheit explizit dagegen positioniert. Und jetzt gab es ein Interview in der Bild, ganz plötzlich, dass Jens Spahn und sein Mann eben Eltern geworden sind. Und ja, die Öffentlichkeit hat sich gewundert. Ich glaube, viele Leute in der CDU haben sich tatsächlich auch gewundert, weil offensichtlich hat er das lange geheim gehalten, es gab viele Rücktrittsforderungen, auch außerhalb der Union, und Jens Spahn wusste natürlich auch, dass wie die Rechtslage ist, deswegen ja, am Ende hat es zu seinem Rücktritt.
09:53 Geführt und wie gesagt, die Moderatorin hat Friedrich Merz auch danach gefragt und ich würd sagen, da können wir auch noch kurz reinhören. Als er Ihnen das vor 10 Tagen zum ersten Mal erzählte, was ging ihnen da durch den Kopf? Zunächst einmal das Wohl des Kindes. Ich hab dem Kind viel Glück gewünscht und. Habe mir gedacht, naja, hoffentlich geht er kommunikativ, kommunikativ damit gut um und erklärt es gut, aber wir hatten gar nicht so viel Zeit darüber zu sprechen. Das heißt, mit dieser Empörungswelle, die sich dann sehr schnell breit gemacht hat, haben sie in der Form nicht gerechnet. Zumindest nicht in diesem Umfang. Aber es hatte wahrscheinlich auch was mit seiner Person zu tun und auch mit der Kommunikation, und da hat es dann ziemlich viel Empörung gegeben. Haben Sie irgendjemanden informiert in der CDU, nachdem sie mit ihm gesprochen haben?
10:47 Also haben Sie irgendjemandem gesagt, Jens Spahn wird Vater, da müssen wir irgendwie drauf achten. Nein, das habe ich nicht getan. Ich bin seinem Wunsch gefolgt und habe ihm die Kommunikation überlassen. Und hat er ihnen gesagt, wie er kommunizieren würde? Nein, hat er nicht getan, war ihnen klar, am Wochenende, letztes Wochenende, was für ein Schaden für die Glaubwürdigkeit der Union das verursachen könnte. Wie ist das gestern im Laufe des Tages überdeutlich geworden und deswegen haben wir dann ja auch gehandelt. Und Sie haben ihn auch nicht gefragt, wie es sein konnte, dass er sich vor 2 Monaten noch zum Fraktionsvorsitzenden hat wählen lassen, ohne dieses Thema, was ja für die Union tatsächlich ein sehr zentrales Thema ist.
11:27 Alles um Reproduktion, um Leihmutterschaft, das betrifft christliche Fragen, das betrifft Fragen der Moral, des Mutterwohls, des Kindeswohls und so weiter. Haben Sie ihn gefragt, wie er sich hat zum Fraktionsvorsitzenden wählen lassen können, ohne das vorher zu sagen? Wir hatten ja alle kaum Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen. Und er hat ja auch die Partei und die Fraktion erst sehr, sehr spät über das alles informiert, wenn wir Zeit gehabt hätten, hätten wir das in Ruhe. Besprechen können, aber die Zeit hatten wir nicht. Komischer Ausschnitt oder was was? Was meinst du? Ja, verschiedene Punkte. Also wir möchten jetzt natürlich nicht eine Stunde über Jens Spahn reden, das werden wir auch nicht machen, aber wir kurz müssen wir da durch.
12:15 Also das Problem ist schon mal nicht, das kann man schon mal allem Übergelagert sagen, dass sie da keine Zeit hatten drüber zu sprechen, weil das ist nicht das Problem, sondern eher die Tatsache ist das Problem und die hat sich 9 Monate lang oder noch länger angebahnt und ist jetzt auch sehr präsent im Raum, nämlich in Form des Kindes, da kann jetzt das Kind nichts dafür. Und ich glaube, ein sehr entscheidender Punkt ist, das möchte ich auch noch mal explizit sagen, gerade in Zeiten von Social Media. Und man kann jede Aussage von Politikern wieder zurückholen, die sie irgendwann mal getätigt haben. Das sehe ich auch. Schon kritisch, weil ich glaube, jeder Mensch sagt mal was, worüber er nicht nachdenkt, aber da muss schon klar sein, dass Jens Spahn sich da auch als Gesundheitsminister nicht nur hinter die Position der Union gestellt hat, sondern sich da persönlich, explizit, wirklich.
13:04 Öfter deutlich gegenpositioniert hat auch moralisch deutlich dagegen positioniert hat. So, und das ist natürlich wirklich der Supergau und aber gleichzeitig ein exemplarisches Paradebeispiel von Doppelmoral, wo eigentlich auch kein Gegenargument mehr zählt, und da kann man schon sehr verwundert zurückbleiben, und das hast du auch kurz gesagt, ich glaube, da waren auch Kollegen aus der, also seine Kollegen wie ich meine aus der CDU verwundert. Wort nicht über, nicht nur über die Tatsache, sondern über seine anscheinend, wie er unterschätzt hat, wie darauf reagiert werden wird, öffentlich. Wolfgang Bosbach hat zum Beispiel gesagt, das wundert ihn sehr, weil er ist doch eigentlich Profi, und ich muss sagen, man kann so ja entspannt stehen wie man will, das wundert mich auch, weil ich denke mir genau, du bist Profi, du müsstest doch wissen, aber. Jens Spahn hat jetzt in der Vergangenheit, es gibt jetzt wirklich niemanden, der derart viele, ich formuliere es mal diplomatisch, schwierige Schwierigkeiten im rechtlichen Graubereich hatte, im mindestens rechtlichen Graubereich, und das einfach überstanden hat, wo man wirklich schon sich gefragt hat, wie ist es möglich, und das jetzt war einfach nicht mehr möglich, das ist nicht zu halten. Und da hat das natürlich was mit seiner Person zu tun. Aber diese persönliche Vorbelastung ist begründet. Ich find du bist da auf jeden Fall noch sehr diplomatisch. Ich würd mit ihm noch härter ins Gericht gehen. Der Fall zeigt für mich einfach, dass sich Jens Spahn über geltendes deutsches Recht hinweggesetzt hat und nicht nur das in der öffentlichen Warnung sieht es jetzt so aus, dass er versucht hat, damit durchzukommen. Ja, es ist ewig lang verschwiegen. Auch der Bundeskanzler hat gesagt, ja, das kam ganz spät und ne, wir hatten ja gar keine Zeit darüber zu sprechen, also für mich bleibt da hängen, es gab da wohl den Versuch oder zumindest den Gedanken oder die Hoffnung, wie auch immer darüber zu sprechen, wie man das eventuell kommuniziert, so kommuniziert genau, dass man damit doch am Ende irgendwie durchkommt und da muss ich sagen, also. Da sprechen wir eben nicht über ein Kommunikationsproblem, sondern da sprechen wir darüber, dass jemand die Glaubwürdigkeit der eigenen Partei massiv und absichtlich beschädigt hat, weil du kannst nicht sagen, ich mache hier was anderes oder ich setze mich hier über deutsches Recht hinweg. Als Fraktionsvorsitzender der Regierungspartei. Also das geht einfach nicht, und es hat überhaupt nichts mit Kommunikation zu tun, das ist ein Problem, das kannst du nicht mit Kommunikation lösen und.
15:42 Man kann einfach von Politikern erwarten, dass sie sich an deutsches Recht halten. Bär Minimum würde ich sagen. Genau und richtige Kommunikation wäre gewesen. Vor etwas mehr als 9 Monaten zu sagen. Hören Sie zu, ich habe mich entschieden, mit meinem Mann ein Kind zu bekommen in den USA von einer Leihmutter, das ist gegen die Grundüberzeugung meiner Partei, das ist damit nicht vereinbar mit meiner Position als Fraktionsvorsitzender. Was auch immer. Ich trete deshalb zurück, zumindest von diesem Amt. Ja, man, man ist ja deswegen nicht, sag ich mal, verbrannt für immer, es ist ja auch legal zur Welt gekommen, das Kind. Aber ich find hier hat einfach jemand gegen die Grundüberzeugung der eigenen Partei gehandelt und sich dann hinzustellen als Bundeskanzler, um zu sagen, ja, vielleicht hätten wir es ja noch irgendwie lösen können. Vielleicht hätten wir es noch irgendwie retten können. Genau.
16:30 Vielleicht hätten wir es noch irgendwie retten. Können. Da hab ich dann auch so gedacht. Also erstmal danke für die kommunikative Strategieberatung, die bringt in Spanien natürlich auch nichts mehr, merkst wahrscheinlich selber. Zugute halten muss man ja wirklich der Union, dass eben viel Kritik aus der eigenen Partei kam, dass sich viele zu Wort gemeldet haben, dass viele explizit auch den Rücktritt von Jens Spange. Erfordert haben also. In der Partei haben viele Leute auch wirklich gesagt, das geht überhaupt nicht und am Ende ist er ja dann von seinem Amt zurückgetreten, ist jetzt gar nicht das Thema. Die Frage ist, was hat das alles mit Politikverdrossenheit zu tun? Na ja, genau jetzt sind wir eigentlich da, wo wir hin wollten, weil das natürlich, und das kann glaube ich, jeder persönlich nachvollziehen. Das ist gerade das, was du sagst, dieses sich über Recht hinwegsetzen, wissentlich und da das den Bogen muss ich noch kurz zurückschlagen, habe ich mich wirklich gefragt. Hat er sich da emotional?
17:23 Also ist es wirklich möglich, dass er so gedacht hat? Ja, aber aber jetzt in dem Fall, weil das persönliche Glück hängt doch davon so ab und dann ist es was anderes oder ich weiß auch nicht, aber das ist natürlich so, also das ist ja wirklich nee, also das, das geht einfach in in in keiner Weise und das weiß er auch, oder das muss er wissen als Spitzenpolitiker, und das löst natürlich das Gefühl aus, das. Dass A der Doppelmoral und B dass die da oben die Politiker da oben sich an nichts halten und nicht an die eigenen Gesetze, die sie versuchen zu verkaufen. Einfach mal so ganz plump und groß übergreifend gesagt wird, das ist das was und denen kann man nicht vertrauen, die machen eh was sie wollen, das bedient genau das.
18:19 Das war eigentlich eine Befeuerungskampagne für die Narrative der af d. Also da kann man sich echt bedanken. Ja, und vor allem auch dieses. Er hat dann jetzt ja auch im Interview gesagt, er hat ganz lange mit sich gerungen und es gibt da einfach den, den den Privatmensch und den Politiker, und ich meine so, das ist natürlich einerseits richtig. Aber in anderen Fällen wird ja auch erwartet, dass Politiker ja im Sinne ihrer Partei handeln. Ja, um einfach die Glaubwürdigkeit zu schützen und ich mein, das hat der Bundeskanzler ja dann auch gesagt, immerhin hat er gesagt, Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut, als er die den Rücktritt von Jens Spahn kommentiert hat, ich finde das auch noch zu schwach, ich finde eine Aussage wie Jens Spahn hat der Glaubwürdigkeit der Union geschadet, hätte ich gut gefunden.
19:10 Ja, genau, weil das ist das, das hat er auch und. Und ja, also sorry, es gibt da gibt es, kann man genauso sagen, gut, es gibt bei mir auch einen persönlichen Autofahrer, aber wenn halt die Geschwindigkeitsbegrenzung 100 ist, dann muss man halt 100 fahren und nicht 210 beziehungsweise sich dann wundern wenn es Konsequenzen gibt. Wenn man das macht also. Ich das. Ist halt gar kein Argument. Das ist so. Ja, ich bin ja privat hier. Genau, ich bin nur bin einfach nur privat hier im Parlament, um mal zu gucken. Also ich finde der Fall zeigt einfach. Das kommt natürlich bei den Leuten an. Ja, die Leute sehen das, die Leute denken sich, die merken ja gar nicht mehr, was los ist. Ja, es heißt immer ja für mich, also es entsteht da draußen einfach der Eindruck, dass für Politiker nicht dieselben Regeln gelten, dass sie gewissermaßen was Besseres sind, und ja, es hat am Ende den den Anschein, dass bis zum Schluss versucht wurde zu mauscheln, das zu vertuschen und noch irgendwie zu drehen. Ich finde, es wirft.
20:08 Ein ultraschlechtes Licht auf den Bundeskanzler, auf Jens Spahn, auf die Union insgesamt. Wie gesagt, mit der Einschränkung, dass viele ja seinen Rücktritt auch gefordert haben. Und natürlich kommt sowas nicht gut an und erst recht kommt sowas nicht gut an in einer Situation und da kommen wir jetzt vielleicht dann auch mal zur Sachebene in der Lage, in der wir halt gerade in Deutschland sind, ja. Und wir haben schon öfter gesagt, die Stimmung ist schlecht. Warum ist das so? Laut Bundesarbeitsagentur gehen gerade pro Monat rund 15000 Jobs in der Industrie verloren, auf 12 Monate gerechnet sind es ungefähr 174000 stellen, die in der Industrie verloren gegangen sind und die Chefin der Bundesarbeitsagentur, Andrea Nahles, hat gesagt, diese Verluste werden auch nicht mehr ausgeglichen in anderen Bereichen, das war nämlich in der Vergangenheit so, dass zwar in der Industrie stellen verloren gegangen sind, aber in der Pflege und im Gesundheitswesen sind, ganz.
20:59 Ganz viele Stellen dazu gekommen. Ja, da war Personalmangel, das ist jetzt nicht mehr so, also die haben im gleichen Zeitraum nur 130000 Jobs aufgebaut und das kommt natürlich wie gesagt in der Bevölkerung an, also im Deutschlandtrend fürchtet fast jeder vierte Erwerbstätige um seinen Arbeitsplatz, 3 Viertel der Deutschen sagen, sie sorgen sich um den Wirtschaftsstandort, also noch mal zusammengefasst, es gehen gut bezahlte Jobs flöten. Deutsche Unternehmen bauen mehr Stellen im Ausland auf, weil die Kosten in Deutschland einfach sehr hoch sind, kann man auch drüber drüber diskutieren. Aber ja, das ist eben die Begründung und die Leute haben massiv Angst, dass sie die nächsten sind, deren Job wegfällt.
21:35 Ja, und in so einer Situation kann man einfach sich nicht hinstellen und sagen, ja, hier geht es nur um Kommunikation, ihr versteht alle nicht, wie geil wir sind, wir müssen das nur besser verkaufen, da geht es einfach darum, die Leute haben Angst. Und sie haben das Gefühl, dass die Politik nicht liefert. Und da sind wir einfach in einer schwierigen Situation. Ja, das kann man vielleicht auch an dem Reformpaket, über das wir auch in der letzten Folge schon gesprochen haben, festmachen, weil da sagt die Mehrheit der Deutschen auch, ja, sie weiß aber gar nicht, was drin steht. Und aber gleichzeitig glaubt sie auch nicht, dass sich dadurch irgendwas ändern wird. So, und das ist ja, es sind ja 2 bittere, bittere Erkenntnisse, also a kann man sagen, OK, hier vielleicht tatsächlich kommunikationsproblem, man ist es wohl nicht angekommen, was da überhaupt beschlossen wurde, da würde ich sagen, in dem Fall, besser ist es, weil sonst wäre der Frust vielleicht noch größer, aber trotzdem, obwohl man den Inhalt nicht kennt, ist das das quasi das der der Automatismus oder das Automatismus.
22:38 Interessierte Gefühl, was ausgelöst wird, wenn die Bundesregierung ein Reformpaket oder sonstige Beschlüsse fasst. Es bringt eh nichts, und das ist ja eine Grund, eine Grundschwingung, ein Grundtenor in der Bevölkerung oder in der Gesellschaft, der jetzt auch nicht von jetzt auf gleich kommt, sondern der baut sich ja auf und ich glaube, alles, was mit Gefühl zu tun hat oder mit Eindruck, das ist schwierig. Das wieder wegzubekommen, das wird nicht von heute auf Morgen funktionieren. Ganz genau. Und was da natürlich ebenfalls mit Reinspielt. Die Leute merken okay, das wird eh nichts bringen und gleichzeitig haben sie ja dann auch noch wirklich tatsächlich weniger Geld im Geldbeutel. Ja, du hast es schon angesprochen, dieses GKV beitragsstabilisierungsgesetz die Krankenkassenreform sagt man immer, da steckt ja ganz vieles drin, aber wenn man es auf. Einen Nenner bringt für die Menschen, merken sie, ich zahle mehr für Medikamente wichtige Untersuchungen wie die Hautkrebsvorsorge sind nicht mehr kostenlos. Ja, Elterngeld wurde seit 2007 nicht mehr erhöht, jetzt bekommt man soll man es 2 Monate kürzer bekommen. Ja, das Bürgergeld heißt seit 1.
23:49 Juli Grundsicherung ja es gibt schnellere und härtere Sanktionen, man muss schneller an sein Erspartes ran, wenn man arbeitslos wird, ich könnte jetzt weitermachen, ja sachgrundlose Befristung, es soll jetzt bis zu 4 Jahre lang möglich sein, wer soll da noch einen Kredit bekommen, wenn er 4 Jahre lang seinen Job nicht sicher hat, das sind alle. Alles so Sachen, die Leute haben eh schon Angst, dass ihr Arbeitsplatz verloren geht. Dann haben sie noch keine Hoffnung, dass die Reformen der Bundesregierung irgendwas daran ändern und sie merken in der Realität, dass eben ihr Geldbeutel dünner wird oder schmaler und da eben weniger drin ist. Das heißt, wie soll man in dieser Mischung eigentlich überhaupt noch zukunftszuversicht haben, oder? Das merken die Leute genau und sind dann eben politikverdrossen.
24:27 Dann sind wir wieder am Anfang des Kreises, aber vielleicht kann man sich auch kurz mal angucken. Was dieses Wort überhaupt bedeutet beziehungsweise wenn man immer darüber spricht, dass das so viele Leute sind, bedeutet ja auch, dass es gemessen werden muss oder gemessen werden kann. Politikverdrossenheit, das ist natürlich irgendwie logisch, aber es bezeichnet eben negative Einstellung gegenüber Politik, Institutionen und Akteuren. Ich find es aber trotzdem wichtig, das noch mal zu sagen, weil es ne Unterscheidung gibt zwischen dem Grad wo Menschen oder ne Bevölkerung unzufrieden ist mit Politikern, mit einzelnen Entscheidungen, mit Agieren von Parteien, das ist dann schon n bisschen weiter, wenn es sich quasi auf die ganze Parteiebene oder auf die. Regierungs oder Oppositionsebene bezieht, und das ist das eine und der die weitere Entwicklung daraus. Und das ist dann glaub ich fatal, wenn es soweit geht, ist es wirklich das Vertrauen in Institutionen verloren geht und in das Funktionieren der Demokratie an sich als System. Also wenn Menschen nicht mehr daran glauben, dass n Parlament, dass der Bundestag.
25:37 Gute Entscheidungen treffen kann, dass das ne gute Art ist, wie überhaupt Entscheidungen getroffen werden. Wenn da viele Abgeordnete oder grundsätzlich Abgeordnete sitzen und über was abstimmen, dass man auch da schon denkt, das kann eh nichts werden, weil das davor in 500000 Ausschüssen war, dass man nicht daran glaubt, dass das Bundesverfassungsgericht ordentliche Entscheidungen trifft, wobei ich da kurz einhaken möchte, da ist das Vertrauen weiterhin eigentlich sehr gut in also quasi in die also. In das Rechtssystem und in Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts so. Vielleicht darf ich da kurz ergänzen von der Bertelsmann Stiftung gab es ja zum Beispiel auch jetzt erst den Demokratiemonitor 2026 und das hat ja genau das gezeigt, da wurden seit 2019 Menschen befragt, ja mehr als 5000 Menschen, wie sie es denn halten mit der Demokratie, ja, wie stehen sie denn zu Wahlen, zum Parlament, was halten Sie von Parteien?
26:34 Und da kommen ja ganz erstaunliche Sachen raus. Ja, 82% ja, der Menschen stehen grundsätzlich hinter Werten der Demokratie, ja, hinter Wahlen stehen 91% der Menschen, das klingt jetzt irgendwie komisch, das zu sagen, aber das bedeutet alles, was die Demokratie und unsere parlamentarische Demokratie ausmacht, finden die Leute gut, ja, die Leute finden gut, dass es Wahlen gibt, dass es n Parlament gibt, dass es Parteien gibt. Und wenn man sie dann aber fragt, wie funktioniert es in der Praxis, dann sagen nur 29% sie sind zufrieden und eine Korrektur aus dem Schnitt. Es gibt hier keinen Gesamtwert, aber wenn man die Leute nach der Performance fragt, also liefern die Parteien und die Regierung ab, dann sacken die Werte insgesamt ab bei der Regierung auf nur noch 21%, bei den Parteien auf 17%, beim Parlament auf 31%, wie es die Studienautoren zusammengefasst haben, finde ich sagt das eigentlich alles, was man wissen muss, den Menschen scheint sehr bewusst zu sein, dass Demokratie ein anspruchsvolles und in der. Praxis oft nicht perfekt zu realisierendes Konzept ist in diesem sehr realistischen Demokratieverständnis sehen wir eine wichtige Ressource für die Demokratie. Und es ist ja richtig, ne, das bedeutet, eigentlich finden die Leute grundsätzlich das System gut. Sie finden halt nur, dass das System nicht liefert. Ja, das finde ich spannend, dass die sagen, dass da quasi der Sinn dafür da ist, dass das nicht perfekt funktionieren kann und dass es ein komplexes System ist. Da kann man vielleicht noch mal ein bisschen später drüber sprechen, weil das, glaube ich, also das finde ich trotzdem eine sehr positive Wertung.
28:05 A ist es ja eben das Problem, dass der Eindruck nicht ist, dass es ein bisschen nicht funktioniert, sondern es gar nicht funktioniert. Und dieses Verständnis für die Komplexität, da würde ich tatsächlich, glaube ich, fast nicht mitgehen, obwohl ich da jetzt natürlich nicht untersuchten Zahlen oder Fakten widersprechen möchte, aber noch mal ganz kurz zurück, das heißt, Politikverdrossenheit passt fast eigentlich 2 Dinge zusammen, nämlich Politiker und Parteienverdrossenheit, und die Stufe drüber Politik beziehungsweise wirklich staatsverdrossenheit. Und ich möchte da aber trotzdem noch mal kurz in die 1900 90er zurückgehen, wo man sich auch schon über den Begriff gestritten hat und darüber aufgeregt wurde und Wolfgang Thierse da was sehr Witziges zugesagt hat.
28:45 Und zwar hat er den Begriff als medialen Mülleimer bezeichnet, in den alles hinein gepackt wird, was auch nur entfernt an Kritik und Zufriedenheit, Ängsten, Unbehagen oder auch an antipolitischen Vorurteile erinnert. Und das finde ich lustig, weil wenn man es aus politikwissenschaftlicher Perspektive betrachtet, dann ist es so, dass das einfach n sehr unscharfer Begriff ist, der ja, das ist einfach schwierig zu fassen. Das ist aber oft n Problem mit sozialwissenschaftlichen begriffen, muss man auch sagen, da wird es eben auch als politisch journalistischer Begriff. Bezeichnet dessen empirischer Gehalt umstritten ist. Aber ich denke, darauf muss man sich einfach einlassen, weil dieses Phänomen wird ja eben meistens mit der Frage oder ähnlichen Fragen gemessen. Wie zufrieden sind Sie mit wie sehr vertrauen sie in, wie ist ihre Einstellung zu so, und dann muss man eben trotzdem damit arbeiten, weil.
29:43 Ich glaube, man muss es andersrum sehen. Wir haben das Phänomen gibt es auf jeden Fall, das ist ja nicht von der Hand zu weisen und es gibt halt auch irgendwie keinen besseren Begriff oder noch nen alternativen Begriff find ich aktuell. Zumindest genau, was man daran natürlich auch sieht. Also der Begriff ist hoch umstritten, es ist nicht so klar umrissen, was jetzt überhaupt Politikverdrossenheit ist. Und der Fun Fact ist ja auch, wenn man schon seit den Neunzigern über dieses Wort streitet. Es ist jetzt kein neues Phänomen, ja, also es begleitet uns einfach schon sehr lange und wie gesagt, ich finde sowas wie diese Studie von Bella Bertelsmann Stiftung zeigt einem dann doch sehr viel Zuversicht.
30:21 Wenn man eben sieht, grundsätzlich finden die Leute das gut, dass sie sagen, ich gehe zur Wahl, ich wähle ein Parlament, das eben Politik macht, es gibt Parteien, in denen der politische Wille organisiert wird, nur eben, und wie gesagt, da sind wir wieder beim Anfang, man kann ja genauso gut verstehen, dass die Leute sagen, ja, aber das liefert einfach nicht dieses System, ja es, es macht einfach nicht mein Leben jetzt besser und es funktioniert irgendwie das, was es produzieren soll, funktioniert irgendwie am Ende nicht, ja. Aber da muss ich jetzt schon mal einhaken beziehungsweise Rückfragen. Hast du wirklich das Gefühl, dass die Bevölkerung in der Breite jetzt beweg ich mich auf dünnem Eis, aber das ausreichend Verständnis für die Komplexität nicht nur von Demokratie, sondern von vielleicht Problemlagen da ist und.
31:15 Oder ist dieses Verständnis einfach nur ausgereizt, weil ich würde sagen, ich hab schon, das ist schon ein starkes Gefühl, dass da einfach Überforderung herrscht und auch oft, das muss man schon vielleicht auch sagen, vielleicht schon auch oft fehlender Wille, sich mehr als eine Headline Sekunde mit Themen auseinanderzusetzen, und das ist einfach notwendig, weil Problemlagen so komplex geworden sind. Also natürlich prinzipiell schon. Wie gesagt, das ist halt die eine Frage, ob du die Leute fragst. Ne, finden Sie es grundsätzlich gut, dass Sie wählen dürfen? Wer sagt dann nein? Ja, das wäre ja schon mal irgendwie komplett irre, der Teufel steckt dann natürlich im Detail. Ja, ich finde das zeigt so ein bisschen die SPD, über die haben wir ja in den letzten Folgen, aber auch jetzt einfach oft viel zu wenig geredet, ja. Stell dir vor, du bist SPD Wähler. Du willst sozialdemokratische Politik, du hast diese Politik, du hast diese Partei gewählt, du glaubst daran, dass diese Partei sich dafür einsetzen wird, dein Leben besser zu machen. Und was passiert?
32:20 Eine der wichtigsten Errungenschaften der SPD ist Geschichte, das Bürgergeld in den letzten Jahren, ja, wir haben ne massive Entkernung von Arbeitnehmerrechten, ja. Ja, aber das Problem der SPD, gut, das ist ja natürlich n genau da lass ich dich gleich weitermachen, aber das setzt ja wirklich 2004 an, da ist mal kurz die Wählerbasis der SPD zusammengebrochen, natürlich ist sie zusammengebrochen, Gerhard Schröder hat die Agenda 2010 eingeführt a. Und dann hat er gesagt, die Rente ist sicher, und dann war es es gar nicht natürlich. Katastrophe. Ja, genau. Aber danach hatte die SPD ja trotzdem noch Werte, bei denen man von der Volkspartei sprechen konnte. Das ist ja aktuell überhaupt nicht mehr der Fall. Ja, die und das ist der Eindruck, den diese Parteien der Bundesregierung halt gerade abgibt, man hat das Gefühl, die Schleifen, die Arbeitnehmerrechte, die machen halt alles mit, um an der Macht zu sein, und sie stellen sich hin und sagen, ja, wir müssen jetzt aber wirklich mal sparen, ja, dieser Sozialstaat, also ich weiß nicht, ich als SPD Wähler wüsste nicht was.
33:18 Was mich jetzt gerade eigentlich noch überzeugen würde, meine Partei zu wählen, also hinter dieser Bundesregierung zu stehen und wie gesagt, das zeigen ja auch die Umfragen, also wenn es blöd läuft, fliegt die SPD in Sachsen Anhalt aus dem Landtag, in Baden Württemberg wurden es absolut hammerpeinliche 5,5% ja, also die ehemalige Volkspartei steht am Rande der Bedeutungslosigkeit, ja, und ich finde, das zeigt halt dieses ganze Dilemma ja natürlich, wie gesagt, die Leute sind grundsätzlich. Stehen sie hinter der Demokratie? Aber das, was bei Ihnen ankommt, ist halt einfach viel zu wenig. Und natürlich sagt dann auch ehemaliger SPD Wähler, ja, was soll ich denn, aber sonst wählen, ja. Also genau.
33:59 Und die SPD, also ja, die SPD, ist wirklich ein großer Problemfall, da habe ich jetzt natürlich auch nicht die ultimative Lösung. Wenn ja, würde mich die SPD vermutlich einstellen, aber ich habe sie leider nicht. Ich glaube, das hört man und liest man ja auch immer wieder aktuell. Ich weiß nicht mehr, wo ich es vor kurzem gelesen hab, da herrscht natürlich innerparteiliche, auch große Unzufriedenheit, da hört man, na ja, da ist viel Unruhe mit dieser Merz Regierung, dass man quasi als SPD mit diesem Koalitionspartner leben muss, diese Entscheidung mittragen muss und so weiter das. Mag alles stimmen und es ist bestimmt auch wichtig, aber es ist ja auch so. Das Problem der SPD war ja wirklich auch schon davor da und da war einfach der die Diskussion der anderen, nämlich im Wahlkampf zum Beispiel, für was steht eigentlich die SPD, ja, und das ist ne gute Frage, für was ist die SPD, mit welchen klaren Positionen eigentlich da.
34:56 Ja, also kann es jetzt auch als Antwort nicht sagen. Für sozialdemokratische Politik oder die SPD würde wahrscheinlich sagen, für ne gerechtere Gesellschaft oder whatever ja, aber das reicht nicht. Genau. Es reicht halt einfach nicht das in Wahlprogramm und Sonntagsreden zu fordern und dann mit der Union gemeinsam genau das Gegenteil zu tun. Nämlich für weniger soziale Sicherheit zu tun, Arbeitnehmerrechte zu schleifen. Genau, und wie gesagt, dann ist es doch völlig klar, dass die Leute irgendwann die Schnauze voll haben, oder? Ja, das kann schon sein. Aber OK, was hat die SPD jetzt für Optionen? Ja, entweder die macht jetzt weiter Option A ist irgendwie auch nicht so toll b sie sagt nee wir machen das nicht mehr weil aus Gründen XY, das wird ihr nicht helfen.
35:39 Das, glaube ich, ist noch ne schlechtere Entscheidung so genau das. Ist das Problem. Ja genau, die Sozialdemokraten. Also mir hat einer NSPD Politiker mal gesagt, sie sind halt verdammt zu regieren, was soll man sagen, ja sie sie haben keine andere Wahl wenn sie es nicht machen, wer macht es sonst? Wer macht sonst mit der Union? Ja gibt es gerade niemanden und auch sonst jenseits dieser beiden Parteien gibt es ja überhaupt keine realistische Mehrheitsoption und dann sind wir halt bei der AFD. Ja, die Leute, die eben. Enttäuscht sind, aus welchen Gründen auch immer, die sind halt vielleicht auch einfach nicht immer überzeugt AFD Wähler, sondern die haben einfach Wut und brauchen für diese Wut ein Ventil. Ja und dann sagen Sie halt in einer Umfrage vielleicht erstmal, ich wähle AFD, vielleicht wählen Sie auch jeglich AFD.
36:23 Ja ich glaube da sind wir halt gerade in einer schwierigen Situation, ohne das jetzt verharmlosen. Zu ja, genau, weil da will ich immer noch mal drauf aufmerksam machen auf die. Meistens immer ähnlich Nachwahlbefragungen warum wählen Sie die AFD, warum haben Sie diese Partei gewählt? Da ist die Mehrheit, das schwankt immer zwischen 60 und 70% sind nicht Protestwähler, das sind schon die sagen schon, ich wähl die AFD aus Überzeugung, aber auch das kommt ja irgendwo her, unter Umständen auch, da kann man ja sagen, Na ja, wie hat sich das denn aber entwickelt, dass sich Überzeugungen so ja da dann schon unter Umständen radikal verändert haben, und das finde ich ja auch, nur um da noch einen Bogen zu schlagen, das ist ja dann auch noch so eine erschreckende parallele Entwicklung, dass das nämlich dazu führt, diese Unzufriedenheit mit, ich sag es ja, ich kann es jetzt nicht anders, aus etablierten Parteien oder dieser Zulauf der af d, dass rechte rechtsextreme, demokratiefeindliche Positionen immer mehr in die Mitte von einem politischen.
37:25 Politischen Diskurs und auch in die Mitte von politischen Positionen rücken. Also, dass sich da so ein ganzes Spektrum anfängt zu verschieben, weil man versucht, das wieder entweder dem hinterher zu rennen oder das wieder aufzuholen und, und das ist ja dann ist man einmal in so einem Hamsterrad drin. Was wirklich schlecht ist. Das ist völlig richtig, was du sagst. Ich glaube trotzdem, dass nicht, wenn wir morgen Bundestagswahl hätten, wie es in den Umfragen aussieht, 28% AFD rauskommen würden. Ja, also ich glaube, da haben wir schon eine Komponente drin, dass viele Leute gerade einfach in Umfragen sagen, Hey, ja ich, wen soll ich sonst noch wählen, die AFD natürlich ne so. Das glaube ich nämlich auch.
38:05 Und dieses Phänomen gibt es nämlich. Das ist anders, aber das ist in Frankreich ja zum Beispiel seit Jahren so. Das da hat man n anderes System. Also man hat n Präsidialsystem und das bedeutet wenn Präsidentschaftswahlen sind hat man sozusagen 2 Durchgänge. Man hat den ersten Durchgang, danach bleiben 2 Kandidaten übrig, die eigentlich schon davor klar sind, welche dann übrig bleiben, aber trotzdem und dann gehen die in die Stichwahl und dann ist der Gewinner Präsident und da ist es auch ganz oft so, dass in diesen anfänglichen Umfragen hat der Front National seit Jahren ist es so, dass der da immer mal vorne liegt, dann wieder knapp drunter dann. Aber immer so erschreckend vorne. Im Endeffekt war es aber bisher immer so, dass wenn es wirklich passiert ist, dass der FN, oder mittlerweile heißt der Rassemble Mont national, also RN in die in die Stichwahl gekommen ist.
38:54 Dann kam plötzlich große Besinnung und n Großteil der Bevölkerung hat sich für den anderen Kandidaten entschieden, einfach weil man diese Partei nicht an der Spitze des Landes haben wollte. Das ist gut, was aber dann trotzdem dazu führt oder geführt hat, dass kurz nach der Wahl natürlich die Unzufriedenheit, die Kritik und so weiter an dem gewählten Präsidenten und an seiner Politik dann trotzdem wieder massiv nach oben gegangen ist. Was dann wieder dazu führt, dass die Umfragewerte der des Front National, also einer rechtsaußenstehenden Partei. Hochgegangen sind, und das ist irgendwie auch ein bisschen absurd. Genau. Und was man dazu ja auch einfach sagen muss, ist wirklich verwundert es mich natürlich auch nicht, weil wie gesagt die Parteien der Mitte, die Bundesregierung, die stellen sich halt gerade hin und das muss man ihnen ja eigentlich zugute halten, ja, dass sie zumindest jetzt sagen, wir haben erkannt, so kann es nicht mehr weitergehen, das kostet alles viel zu viel, wir müssen was tun, das ist eigentlich ja gut.
39:55 Aber wenn du dich natürlich Monate und jahrelang hinstellst und sagst, wir müssen sparen, alles ist zu teuer, ihr arbeitet nicht genug, wie auch immer und demgegenüber ne Partei steht, die sagt ja, das ist alles Schwachsinn und so, wir würden es ganz anders machen, euch wird es viel besser gehen mit uns. Da kann man das zu einem gewissen Grad natürlich auch verstehen, dass Leute dann sagen, ja, warum nicht, die wählen ja. Ja oder auch wenn man dann Sachen entscheidet. Gerade Stichpunkt Steuerentlastung, wenn man du kannst natürlich nicht monatelang sagen, du willst die breite Bevölkerung einkommenssteuermäßig entlasten und das was dann rauskommt ist halt wirklich eine Entlastung, die quasi gleich 0 ist.
40:36 Und da muss ich auch sagen, da bin ich schon, aber. Auch ratlos oder desillusioniert, weil auch ich und ich würde mich schon als sehr politisch informierte Person bezeichnen, dann irgendwann ratlos davor stehe und mich frag, wie das möglich ist, dass Menschen in diesen Positionen immer wieder zu Entscheidungen kommen, und darüber wird ja gesprochen, also da kommt ja nicht einer morgens und tippt Option A an, die Unabgestimmt ist so. Die so dermaßen entweder ergebnislos, ohne Effekt oder auch an der Lebensrealität von Menschen vorbeigehen. Da denk ich mir so, das ist doch nicht möglich, man hat wirklich manchmal den Eindruck, dass jemand sich hingesetzt hat und sich gefragt hat, na ja, wie sollen wir es machen, dass es möglichst nicht effizient ist? Genau das ist möglichst alle Scheiße finden uns so wirklich Scheiße.
41:31 Ja, nicht nur ein bisschen Scheiße. Und da kann man auch nicht mehr und da lass ich auch das Argument so, ja, aber ist nur ein guter Kompromiss, wenn alle unzufrieden sind. Nee, nee, das ist schon ein anderer Grad an Unzufriedenheit. Das ist, das ist dann doch noch mal was anderes, aber das bringt uns auch so zu. Vielleicht zur Frage, denn wie? Du sagst, was sind denn die Lösungen? Also was sind denn die Lösungen? Wir haben das jetzt ausführlich drüber gesprochen, was das Problem ist und ich möchte zumindest mal ein paar Vorschläge machen, wie man das Ganze lösen könnte. Also ich finde der erste Punkt ist man muss aufhören die Situation schön zu reden. Ja also der Kanzler kann sich nicht ins Sommerinterview setzen und sagen, die Leute stehen eigentlich alle hinter mir, die zeigt nur das ZDF nicht, ja also. Ich finde, das muss man einfach anerkennen. Und natürlich wird ein Politiker nicht sagen, ja, ist alles scheiße, alles blöd, aber man muss es halt schaffen zu sagen, Hey Leute, ich sehe ihr seid unzufrieden, wir arbeiten dran, wir arbeiten dran, es besser zu machen und wir arbeiten ja an einer konkreten Zukunftsvision, weil alles, was man immer hört, ist, es ist richtig scheiße, wir wollen es besser machen, so kann es nicht mehr weitergehen, ja.
42:43 Dieses Weg von das haben jetzt, glaube ich alle verstanden. Alle haben verstanden, es kann so nicht weitergehen, was aber immer fehlt ist, wo wollen wir denn hin, ja, wo wollen wir hin, was ist die Vision dieser Bundesregierung, wie das Land ein besseres Land aussehen soll mit ihren Reformen. Der zweite Punkt, man muss die Lasten, die diese Herausforderung bringen, gerecht verteilen. Das hast du ja jetzt schon angesprochen, diese Einkommenssteuerreform, die keine ist. Ja, das kann es einfach nicht sein, das kann man sich nicht leisten, man muss dafür sorgen, dass alle mitziehen, und dann müssen auch alle belastet werden und dann müssen auch Gutverdiener eben auch stärker zur Kasse gebeten werden, das ist einfach so, man kann nicht immer nur die arbeitende Mitte stärker belasten oder eben kaum entlasten, ja das ist ja dann am Ende auch wieder nur eine Belastung und.
43:30 Und was ich auch finde, was man wirklich mal bräuchte, ist eine Sache, eine politische Maßnahme, die wirklich im Alltag der Menschen ankommt, wo die Menschen merken, das Macht mein Leben jetzt besser. Wir wollen ja nicht immer über die Ampelkoalition sprechen, aber das haben sie zumindest geschafft, mit aller Kritik, die es daran gab. Aber so Sachen wie zum Beispiel das Deutschland Ticket in Zeiten hoher Energiepreise und der Tankrabatt Wir haben die Kritik daran durchgesprochen, aber es ist einfach was, wo die Leute sichtbar sehen, die Bundesregierung tut was, um mein Leben besser zu machen, Deutschland Ticket tankrabatt irgendwas sowas braucht es jetzt wieder. Aber guck mal, da muss ich mal kurz einhaken, aber hat doch der. Ja, aber das hat ja der aber.
44:15 Aber hat das was geändert? Das hat das hat den Parteien nichts gebracht. Ja, ich weiß es nicht. Also es ist die Frage, ob es immer den Parteien was bringen muss. Ich finde man muss einfach mal diese Message rüberbringen und den Leuten im Alltag erlebbar machen. Diese Bundesregierung sorgt sich um meine Probleme, weil was gerade ankommt ist, eigentlich sind ja alle ganz zufrieden, sie raffen es nur nicht, wir müssen es ihnen noch besser erklären so ich finde. Das ist eigentlich ne super gute Nachricht, weil wenn das wenn das die Situation ist und und solche Maßnahmen man treffen könnte, ja dann heißt es, dass man die Situation reparieren kann. Ja, es ist halt nicht alles kaputt, sondern man müsste sich halt einfach mal hinstellen und überlegen, OK, die Leute sind wirklich unzufrieden, die Leute leiden unter hohen Energiepreisen in der Wirtschaftskrise, wie machen wir deren Leben konkret besser, momentan stehen sich stellen sich alle immer nur hin und sagen wir müssen sparen und deswegen bleibt für euch nichts übrig. Was meinst du?
45:13 Na ja, also ich geb dir natürlich recht und ich geh schon mit, aber ich hab den ich würde einen anderen Ansatz vorschlagen oder ich hab einen anderen Ansatz weil du hast jetzt einen sehr inhaltsbasierten Ansatz und ich glaube. Ich würde es andersherum denken, weil Politikverdrossenheit bedeutet, da geht Vertrauen verloren. In was hat man vertrauen, natürlich in Entscheidungen und in Inhalte, aber vor allem auch in Personen, die für diese Inhalte stehen, also für irgendwas, womit man sich identifizieren kann, mit Nahbarkeit, mit Menschen, mit den Politikern, die das verkörpern. Und das hab ich am Anfang gesagt. Ich glaube, dass dieser Grundtenor der des Misstrauens oder der Politikverdrossenheit das ist was, was nicht von heute auf Morgen weggehen wird, das bedeutet, man muss dieses Gefühl oder dieses Vertrauen fassen, aufbauen, und ich glaube nicht. Oder aktuell nicht, dass das über inhaltliche Entscheidungen funktioniert oder möglich ist, weil das ist zum Beispiel die die Beispiele, die du angebracht hast. Die guten Entscheidungen, von der unter Umständen der Ampelkoalition.
46:21 Es hat ich mir geht es auch nicht darum bringt es der Partei was, aber mir geht es darum, wird assoziiert, wo kommt diese gute Entscheidung her und gibt es dafür Credits, und das gab es eben nicht und ich finde, was man oft beobachtet oder immer mehr, das kann man auch kritisch sehen. Ist, dass sich Politik oder Politik vertrauen total verlagert auch durch vielleicht soziale Medien. Es geht nämlich, es ist viel Politik, wird viel personenzentrierter, viel mehr auf eine Person bezogen sehe ich was sehe ich, von der kann ich, der vertraue ich, der finde ich das gut, wie sie auftritt, was sie macht, und es bedeutet eigentlich für mich, dass eigentlich viel mehr. Weil es gibt Einzelpersonen, bei denen das funktioniert.
47:07 Positivbeispiele sind vielleicht jetzt gut, es fällt mir als erstes Cem Özdemir ein, dem das glaube ich, sehr auf seine Person einzahlt, oder, ja gut, Boris Pistorius, der in der SPD ist. Aber seine Person ist extrem positiv besetzt, seine Partei oder sein Programm ist es nicht. So, und das heißt mit anderen Worten, Das Kabinett muss neu gemacht werden und der Bundeskanzler weg. Überspitzt gesagt würde ich tatsächlich sagen, erstmal Inhalte überwinden, wie die Partei vielleicht damit geworben hat und man es so Vertrauen über Personen zentriert, der Bevölkerung wieder nah bringen muss. Da kann man natürlich dran kritisieren und dafür habe ich jetzt auch keine Lösung. OK, aber ist das die Aufgabe von Politikern, über unpolitische Inhalte unter Umständen Nahbarkeit herzustellen und vertrauen, wenn man jetzt mal in soziale Medien oder wie auch immer guckt, aber ich glaube, wenn man das hat, dann kann man politische Inhalte transportieren und ja, also ich würde quasi so rumdenken, weil auf der anderen Seite, um dahin noch kurz zu gehen.
48:17 Ist es genau das, was die AFD auch macht in sozialen Medien? Da wird immer gesagt, Ach kein Platz und niemand kriegt so viel Aufmerksamkeit, so die AFD erzählt irgendwelche Sachen, um dann da irgendwelche politischen Botschaften ganz authentisch mit zu platzieren, und auch da wünsche ich mir irgendwie so n stärkeres Gegengewicht oder n selbstbewussteres, weil da wird immer gesagt, Na ja, da wird dramatisiert und emotionalisiert und bla und das stimmt auch alles, ich bin die Letzte, die das Kleinredet oder gut findet, aber vielleicht wenn man sich politischen Realitäten stellt. Halt müssen sich dann andere Parteien auch sagen. Ja, dann müssen wir es halt auch so machen oder anders, das ist natürlich mit diesen Inhalten vielleicht dann ein bisschen schwieriger, aber dann muss man da irgendwie vielleicht mal nicht immer sanft zurückschieben, sondern auch mal zurücktreten oder es versuchen zumindest ich möchte nicht Gewalt verherrlichen.
49:06 So also am Ende spielt die Kommunikation dann doch auch eine Rolle. Ja. Natürlich, natürlich. Natürlich spielt die Kommunikation, um Vertrauen wiederherzustellen, eine riesige Rolle, absolut, aber es gibt halt, das ist ein schweiner Grat, es gibt halt trotzdem Momente, da ist, da ist Inhalt nicht mit Kommunikation, weder zu rechtfertigen noch zu retten. Und Jens Spahn zum Beispiel ist so ein Beispiel. Ja, verstehe ja. Großer Unterschied also welche Art der Kommunikation man meint. Verstehe. Am Ende muss die Bundesregierung ihre Probleme natürlich selber lösen. Wir haben das hier glaube ich ausführlich diskutiert, wie aktuell die Lage ist und ob es nun Politikverdrossenheit ist oder nicht. Ich würde sagen, wir kommen zu unserer Rubrik Tschetti fragt wir Antworten oder? Ja, unbedingt.
49:55 Ich bin ganz gespannt. Ja, es ist eine etwas leichtere Frage, oder vielleicht also Tschetti hat uns eine folgende Aufgabe gestellt. Diese Woche wurde ein Beschluss des Bundesverfassungsgerichts veröffentlicht. In dem es um die sogenannte 2 g plus Regel im Bundestag ging. Wir erinnern uns, es war während der Corona Pandemie, da durfte man nur in den Plenar oder Ausschussbereich des Bundestags, wenn man geimpft war oder genesen mit zusätzlichem Test oder Booster die AF D Fraktion hat dagegen geklagt und hat eben gesagt, das hat unsere Rechte als Parlamentarier beeinträchtigt, das Bundesverfassungsgericht hat gesagt, ja das stimmt, es war trotzdem angemessen und rechtmäßig die. Diese Woche, wir haben es 4 Jahre später ja jetty fragt uns, deshalb macht es Sinn, viereinhalb Jahre lang für so eine Entscheidung zu brauchen und über eine Regelung zu entscheiden, dass das in Ordnung war, die schon lange nicht mehr gilt und schon vergessen ist, was meinst. Du also in meinen Augen macht es relativ wenig Sinn. Man könnte jetzt sagen, naja, vielleicht als Vorbereitung auf die nächste Pandemie, dass man sich dann noch mal anguckt, die ist gelaufen, aber also es braucht jetzt halt auch irgendwie keiner mehr, findest du? Also man hätte es einfach lassen können. Nee, weil dann kann man das Rechtssystem auch abschaffen dann, weil das Problem ist, wenn man das ist, ein ja oder nee, weil da muss man dann schon sagen, wenn man anfängt, so Dinge einfach, dann sagen, ja, dann lassen wir es jetzt mal weg, oder jetzt egal, dann ist man in 3 Schritten bei der Willkür und dann können wir es.
51:27 Alles lassen und deshalb genau ist schon gut, wenn alles seinen richtigen Weg geht. Und was sagst du aber sorry, aber bisschen schneller wär trotzdem gut, ja. Bisschen schneller wär trotzdem gut und ich denke aber trotzdem hier gibt es ne ganz einfache Antwort. Es ist halt wie es ist. Weil ja natürlich, diese Regelung hat keinerlei Relevanz mehr, aber die Mühlen der Justiz malen eben langsam, und man muss sich manche Dinge eben genau anschauen. Das ist auch nicht ganz so einfach mit Grundrechten, ja, da muss man wirklich ganz genau schauen, welches Grundrecht ist wichtiger. Mit derselben Argumentation könntest du auch beziehungsweise diese Frage wird ja auch immer wieder gestellt bei den Menschen, die jetzt in hohem Alter noch für die Verbrechen aus der NS Zeit verurteilt werden, da sagen auch viele Leute, ja gut. Die sind im Rentenalter und es ist so lange her. Die können uns nichts mehr anhaben. Nee, also ich finde, Gerechtigkeit hat kein Verfallsdatum und da muss der Rechtsstaat halt einfach ein Urteil fällen.
52:23 Und auch wenn es mal länger dauert. Da hast du recht, sonst. Für was haben wir denn sonst irgendwie? Dann kommen wir doch jetzt zu unserer anderen Rubrik, dem Cringe der Woche. Hast du ein Cringe, etwas, was sich richtig angecrincht? Hat ja ich hab was, aber das Problem ist, wir haben das jetzt natürlich schon ausführlich besprochen, weil mein Cringe der Woche war Friedrich Merz im Sommerinterview. Dann sag noch mal kurz, warum du es richtig Cringe fandest. Ja, weil er einfach, also A das mit den kleinen Paschas, genau dass er das noch mal hochgeholt hat. Da dachte ich, obwohl das es auch ein bisschen lustig fand. Und dann einfach diese, ja die, die diese Bockigkeit mit der, mit der er da reagiert hat und so vehement darauf gepocht hat, dass alle Leute es doch auch immer, weil das zeigt für mich auch immer, vielleicht fand ich es deshalb, so Cringe, weil das für mich wieder so, ja fragiles männliches Ego, was da damit jetzt nicht zurecht kommt, dass die Zahlen schlecht sind und das jetzt nicht alle ganz toll finden, was er gerade macht, Spoiler sogar sehr wenige, wenn man das mit 13% betitelt.
53:24 Ja, und da dachte ich so, also ja, das hätte nicht sein müssen. Der Arme. Na. Ja, ja und du. Aber Charlotte Merz ist bestimmt auf seiner Seite. Ja, always always immer an seiner Seite. Always on my side. Genau also mein Quinch der Woche geht diese Woche an Franziska Giffey. Die war ja früher mal regierende Bürgermeisterin, heute ist sie Wirtschaftssenatorin von der SPD, und die hat ein streng limitiertes Kochbuch herausgebracht. Man kann es nicht kaufen, es enthält 12 Rezepte von Franziska Giffey. Weil ich fand es irgendwie total. Crash? Echt? Es gab dann auch einfach. Viel zu. Viele Instagram Posts es wurde vorgestellt bei einer Lesung, wo dann eben doch wieder der politische Aspekt reinkam.
54:12 So nach dem Motto, Ja wer beim Essen kauft. Man doch. Zusammen. Und ja genau, genau da ist wieder die die Frau Merkel die Kartoffel zu bekochen. Ja, ich fand es einfach. Cringe in. Welchem Algorithmus bist du eigentlich gelandet? Weil ich habe das nicht mal mitbekommen, dass das existiert. Ja, ja, also Essens Content geht bei mir immer steil und die Frage brauchen wir Kochbücher von amtierenden Politikern muss jetzt glaube ich jeder für sich selbst beantworten. Böse, böse, böse, böse Zungen behaupten, vielleicht ist es ihre nächste Plagiatsaffäre, weil Franziska Giffey hat ja 2021 ihren Doktortitel entzogen bekommen wegen vieler. Plagiat in ihrer Doktorarbeit denn es gibt schon ein Kochbuch von unserem sehr geliebten CSU Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder heißt Söder ist mit 25, ausgesuchten Rezepten und ich mein immerhin könnt ihr euch das einfach kaufen.
55:09 Erstens das, und da muss man ja sagen, also sorry, dann finde ich, passt das Kochbuch wirklich sogar besser zu Markus Söder als zu Franziska Giffey. Da hat man ja wenigstens einen Kontext, warum er das macht. Ja, da wurde man monatelang beschallt auf Instagram mit Inhalt, und das hat wenigstens eine Storyline, das Teil. So, Na ja, Inhalt würde ich es jetzt nicht nennen, aber. Inhalte überwinden das immer wieder. Genau das sind wir wieder. Dann würde ich sagen, sind wir am Ende der Folge angekommen. Wir entlassen euch ins Wochenende, macht’s gut. Folgt uns auch Spotify, Apple Podcast, Youtube Music, Amazon Music oder überall sonst, wo es Podcasts. Gibt genau und schreibt uns auch gerne entweder per DM auf Instagram, per Mail oder auch per Kommentar auf Spotify.
55:51 Alle Infos dazu findet ihr in den Shownotes. Dann kommt gut noch durch den Rest der Woche. Wir hören uns beim nächsten Mal und bis. Ciao, ciao.
Laufzeit: 56 Minuten. Erschienen am 24. Juli 2026.